Dmitri Kitajenko

PAUL LECLAIRE

Konzert am Vormittag

Dänisches Nationales Symphonieorchester, Dirigent: Dmitri Kitajenko; James Ehnes, Violine.
Peter Iljitsch Tschaikowsky: Symphonie Nr. 1 g-Moll op. 13, "Wintertagträume" * Dmitri Schostakowitsch: Konzert für Violine und Orchester Nr. 1 a-Moll op. 77 (aufgenommen am 21. April im Konzertsaal des Dänischen Rundfunks, Kopenhagen). Präsentation: Peter Kislinger

Tschaikowskys 1. Symphonie: öde, unsäglich, kläglich?

Tschaikowskys erste Symphonie trägt die Opuszahl 13, doch war sie seine erste abgeschlossene Komposition. Seine Lehrer am Sankt Petersburger Konservatorium empfahlen mehrfache Umarbeitung. Der 1. Satz ist mit "Träumerei von einer winterlichen Fahrt" überschrieben, während der 2. Satz in "düsteres Land, nebliges Land" führt. Die Musik bringt das Gedicht "Winterliche Fahrt" von Alexander Puschkin in tönend bewegte Form.

In deutscher Übersetzung liest man von trüben Mondstrahlen, Nebelschichten, öden Flächen auf Schneefeldern, fahlem Licht und das diese Fahrt "öde ist / unsäglich, / Endlos scheint der Weg mir lang, / Und dazu, ermüdend, kläglich, / Tönt des Schlittens Schellenklang." Die Sätze 3 und 4, der Symphonie, deren Populartitel nicht "Winterträume", sondern "Wintertagträume" lautet, legen dem zu Träumereien Geneigten keinerlei Fesseln an.

"Volksfremde" Musik?

Das 1947 bis 48 entstandene 1. Violinkonzert von Schostakowitsch war den Stalinisten "zu ernst". Am 20. Februar 1948 wurde ein Beschluss des Zentralkomitees der KPdSU (Kommunistische Partei der Sowjetunion) gegen "Formalismus und Volksfremdheit in der Musik" veröffentlicht. Schostakowitsch, Prokofjew, Chatschaturjan u. a. wurden "formalistische Verzerrungen und antidemokratische Tendenzen, die dem Sowjetvolk und seinem künstlerischen Geschmack fremd sind", vorgeworfen. Schostakowitsch verlor seine Lehrämter an den Konservatorien in Leningrad und Moskau. Erst 1955, zwei Jahre nach Stalins Tod, wurde das Werk mit David Oistrach als Solisten uraufgeführt.

Der 2. Satz ist einer dieser krampfhaft fröhlichen Sätze von Schostakowitsch. Zu hören sind der riskante Übermut des Verzweifelten und fast heroisch zu nennender Widerstand: Schostakowitsch verwendet in der Zeit des wildesten sowjetischen und russischen Antisemitismus Elemente jüdischer Volksmusik.

Der Höhepunkt dieses Werkes ist vielleicht der dritte Satz, eine Passacaglia. Ein Thema von wenigen Takten ist also nicht nur im Bass, wie in der Chaconne, fast unverändert zu hören, sondern in allen Registern - darüber spinnt sich ein bewegender, wunderschön trauriger Gesang.
Der 4., mit Burleske überschriebene, Satz ist so fröhlich wie das Finale der 5. Symphonie des Komponisten, so fröhlich wie jemand, dem man mit einer Eisenstange auf den Schädel haut, und von dem der Peiniger fordert, er möge doch fröhlich sein. Und der so Verhöhnte nickt, wenn er's denn noch kann: Ich bin fröhlich, ich bin fröhlich, ich bin ... Am Ende lässt sich das Motiv D-(E)S-C-H vernehmen: die Kürzelunterschrift des Dmitrij Schostakowitsch.

Playlist

Komponist/Komponistin: Peter Iljitsch Tschaikowsky/1840 - 1893
Titel: Symphonie Nr.1 in g-Moll op.13
Populartitel: Wintertagträume
* Träume einer Winterreise : Allegro tranquillo - 1.Satz
* Land der Öde, Land der Nebel : Andante cantabile ma non tanto - 2.Satz
* Scherzo : Allegro scherzando giocoso - 3.Satz
* Finale : Andante lugubre; Allegro moderato; Allegro maestoso; Allegro vivo - 4.Satz
Orchester: Dänisches Nationalsymphonieorchester
Leitung: Dmitrij Kitajenko
Länge: 45:10 min

Komponist/Komponistin: Dimitri Schostakowitsch/1906 - 1975
Titel: Konzert für Violine und Orchester Nr.1 in a-Moll op.99
Violinkonzert
* Nocturne : Moderato - 1.Satz
* Scherzo : Allegro - 2.Satz
* Passacaglia : Andante - 3.Satz
* Burlesque : Allegro con brio; Presto - 4.Satz (00:04:43)
Solist/Solistin: James Ehnes / Violine
Orchester: Dänisches Nationalsymphonieorchester
Leitung: Dmitrij Kitajenko
Länge: 40:00 min
Label: EBU

Sendereihe

Gestaltung