Radiokolleg - Die Magie der Medien

Die Magie der Medien

McLuhans Botschaft (1). Gestaltung: Ina Zwerger, Armin Medosch

Der am 21. Juli 1911 in Edmonton in Kanada geborene Herbert Marshall McLuhan war bereits über 50 Jahre alt, als er mit seinen Büchern "The Gutenberg Galaxy" und "Understanding Media" endlich den langersehnten Durchbruch schaffte. Anfang der 1960er Jahre wird der wortgewandte Kritiker des Fernsehzeitalters selbst zum Medienstar und erobert die US-amerikanischen TV-Shows. Aussagen wie "Das Medium ist die Botschaft" und die Rede vom "Global Village" haben sich seither tief in das kollektive Gedächtnis eingegraben.

1967 veröffentlichte McLuhan einen unkonventionellen Bildband mit dem Titel "The medium is the massage". Darin findet sich eine aussagekräftige Fotomontage: McLuhan in schwarzem Anzug, mit Krawatte, hält mit der einen Hand seinen Hut, mit der anderen die Aktentasche und reitet, auf einem Surfbrett stehend, über große Wellen. Er bezieht sich auf Edgar Allen Poe's Geschichte "Sturz in den Mahlstrom", für ihn eine passende Metapher zur Selbstpositionierung im Strudel der elektronischen Medien.

Wie kam der "Prophet des elektronischen Zeitalters" zu seinen visionären Einsichten? Durch die Beschäftigung mit den Strukturen der Sprache, entwickelte McLuhan seine These über die grundlegende Bedeutung der Medien für das Denken. Er beschreibt Medien als Ausweitung, als Prothesen des menschlichen Nervensystems. Da Medien damit Verlängerungen unseres Wahrnehmungsapparates sind, habe ihre Beschaffenheit auch eine direkte Rückwirkung auf unser Denkvermögen. Die Konfiguration der Medien beeinflusse die Konfiguration des Gehirns, so die Kernthese, die sich an kybernetischen Modellen orientierte.

Nicht soziale Konflikte, Stichwort "Klassenkampf", sondern Medien und Technologien begriff McLuhan als treibende Kraft des sozialen Wandels. Dieser "technologische Determinismus" wirkt bis heute nach. Und wenn von der "Internet oder Facebook-Revolution" die Rede ist, dann entspringt dieses Denken ebenfalls dem theoretischen Framework des "McLuhanismus".

Service

Marshall McLuhan: Eine Biographie
Douglas Coupland (Autor), Nicolai von Schweder-Schreiner (Übersetzer)
Tropen (Klett-Cotta); 1. Aufl. (März 2011)

The Medium is the Massage
Marshall McLuhan (Autor), Quentin Fiore (Autor)
Penguin (25. September 2008)

Understanding Media
Marshall McLuhan (Autor)
Taylor & Francis; 2nd Revised edition (18. Mai 2001)

Die magischen Kanäle
Marshall McLuhan (Autor)
Fischer-Bücherei; Ungekürzte Ausg. (1970)

The Gutenberg Galaxy: The Making of Typographic Man
Marshall McLuhan (Autor)
(1962)

Die Mechanische Braut
Marshall McLuhan (Autor)
Gingko Press (1996)

McLuhan neu lesen: Kritische Analysen zu Medien und Kultur im 21. Jahrhundert
Derrick de Kerckhove (Herausgeber), Martina Leeker (Herausgeber), Kerstin Schmidt (Herausgeber)
Transcript; 1. Aufl. (April 2008)

absolute Marshall McLuhan
Martin Baltes (Herausgeber), Rainer Höltschl (Herausgeber)
Orange Press; 1. Aufl. (24. Mai 2011)

Imaginary Futures: From Thinking Machines to the Global Village
Richard Barbrook (Autor)
Pluto Press (2007)

Art, Time and Technology (Culture Machine)
Charlie Gere (Autor)
(2006)

Kultur der Digitalität
Felix Stalder (Autor)
Suhrkamp (2016)

Sendereihe

Gestaltung