Christian Rathner über Ingmar Bergman

"Nahaufnahmen". Zum 10. Todestag von Ingmar Bergman macht sich der Filmexperte und Journalist Christian Rathner Gedanken über das Leben und Werk des Filmemachers. Gestaltung: Alexandra Mantler

"Keine Kunstform geht wie der Film an unserem Tagesbewusstsein vorbei direkt auf unsere Gefühle zu, die tief im Dämmerraum der Seele verborgen liegen", schreibt Ingmar Bergman.

Seine Bilder, vorwiegend in Schwarzweiß, sind stark, eindringlich und klar - und dennoch oft dem Traum näher als der Realität. Zum Beispiel wenn an einer felsigen Küste der Tod sitzt und mit dem Ritter Schach spielt. "Das siebente Siegel" ist einer der berühmtesten Bergman-Filme. Antonius Blok heißt der Ritter, der mit seinem Knappen vom Kreuzzug heimgekehrt ist. Jetzt ziehen die beiden, bald auch mit anderen Gefährten, durch ein Land, in dem die Pest und religiöser Fanatismus wüten.

Der Tod spielt gerne Schach. Es wird eine lange Partie. Durch sie erhält der Ritter eine Fristverlängerung, die er nutzen will. Er möchte die Wahrheit über Gott herausfinden, sagt er in einem Beichtgespräch hinter schwarzen Gitterstäben und erkennt lange nicht, dass sich hinter dem vermeintlichen Priester wieder der Tod verbirgt. Gott soll die Hand ausstrecken, sein Gesicht enthüllen und zu mir sprechen. Aber er hüllt sich in Schweigen. Ich rufe zu ihm in Finsternis. Aber es ist, als wäre niemand da." Ingmar Bergmans existenzielles Ringen wird in solchen Worten spürbar.

Gegen den Tod gibt es kein Gewinnen. Aber bevor er Schachmatt ist, verhilft der Ritter einem Schauspieler und dessen Familie zur Flucht. Dieser Schauspieler, der Künstler, sieht und beschreibt am Ende, was andere nicht sehen: Den Totentanz der Gefährten. Der Tod ist das eine. Der beschriebene, gemalte, gefilmte oder getanzte Tod etwas anderes. Der gegen den Tod anspielende Ritter ist ein Bild menschlicher Würde. Die Kunst behauptet sich, ein wenig zumindest, gegen das eiserne Gesetz der Vergänglichkeit.

Seine Drehbücher schrieb Bergman selbst. Schwere Themen überwiegen. Trotzdem, sagt sein großer Verehrer Woody Allen, trotzdem wirken die Filme nicht deprimierend, sondern erhebend. Und zwar deshalb, weil in ihnen - so Allen - große Kunst gegenwärtig ist.

Service

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Sendereihe

Gestaltung

Playlist

Komponist/Komponistin: Jean Sibelius/1865 - 1957
Gesamttitel: 10 morceaux pour le piano op.58
Titel: Reverie op.58 Nr.1 - für Klavier
Anderer Gesamttitel: 10 Stücke für Klavier op.58
Solist/Solistin: Erik T. Tawaststjerna /Klavier
Länge: 02:00 min
Label: BIS CD 195

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