Ishraga Mustafa Hamid

LINDA ZAHRA

Ishraga Mustafa Hamid, Sudanesin in Wien

Mit jedem Verlust habe ich auch etwas gewonnen.
Ishraga Mustafa Hamid - Sudanesin in Wien.
Porträt von Eva Roither.

Die glitzernden Schneeflocken bezaubern sie, als sie aus dem Flugzeug steigt. Es ist Februar 1993, in Wien misst man einen Schnee-Rekord, als die Anfang 30jährige sudanesische Journalistin Ishraga Mustafa Hamid am Flughafen in Schwechat ankommt. Man hat der bekennenden Kommunistin und Frauenrechtlerin aus der Stadt Kosti im Osten des Sudan nahegelegt, das Land zu verlassen. Generalleutnant Omar Hassan al-Baschir hat 1989 durch einen Putsch die Macht übernommen und ein autoritäres, streng islamistisches Regime errichtet. Oppositionelle wie Ishraga Mustafa Hamid, die sowohl die Regierung kritisieren als auch den Bürgerkrieg im Südsudan, sind bedroht.

In Wien versucht sie so rasch wie möglich, sich zu etablieren. Aber es ist nicht einfach. Sie ist alltäglichen Vorurteilen ausgesetzt, sie wird zwar mit einem Stipendium unterstützt, aber das Geld ist knapp. Im Sudan hat sie bereits ein Publizistik-Studium abgeschlossen und als Journalistin gearbeitet, in Wien schreibt sie erneut eine Diplomarbeit im selben Fach. Dieses Mal auf Deutsch. Daneben arbeitet sie als Reinigungsfrau und verteilt Inserate vor der Universität.

Später absolviert sie ein Doktoratsstudium, übernimmt einen Lehrauftrag am Institut für Politikwissenschaft, widmet sich intensiv der Migrantinnenforschung in Österreich, organisiert internationale Konferenzen, hält Vorträge - und schreibt: Gedichte und Prosatexte, in denen sie über ihr Leben zwischen Europa und Afrika reflektiert.

Heute, 25 Jahre nach ihrer Ankunft in Wien, hat Ishraga Mustafa Hamid viel erreicht.
Während eines winterlichen Spaziergangs durch die Stadt blickt die Autorin zurück auf eine wechselvolle, manchmal schwierige Zeit im Exil. Und trotz vieler Veränderungen ist eines geblieben: Die glitzernden Schneeflocken bezaubern sie immer noch.

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Buch-Tipps

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Ishraga Mustafa Hamid: das weibliche der flöte, edition pen, Löcker Verlag

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Ishraga Mustafa Hamid, Mark Klenk, Anton Marku, Helga Neumayer (Hrg.): Wir, bewegende Steine, pen Austria

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