Michou Friesz liest Lydia Davis

"Das Schweigen von Mrs. Iln" u.a. Erzählungen aus "Samuel Johnson ist ungehalten". Von Lydia Davis. Es liest Michou Friesz. Gestaltung: Gudrun Hamböck

Zwei Geschichten der US-amerikanischen Erzählerin: Die erste: Die alte Mrs. Iln wird von ihren Kindern für senil gehalten, dabei ist sie nur endgültig verstummt. Viel gesprochen hat sie ohnehin nie, als junge Ehefrau schwieg sie aus Unsicherheit, als alte Ehefrau weil es nichts Neues zu sagen gab, als Witwe, weil niemand da war. Jetzt ist jede Konversation eine Störung. Der vorerst gefürchtete Gang ins Pflegeheim wird zur Befreiung ... Die zweite: Ein weibliches Ich stellt sich seine letzte Lebensphase vor und fragt sich, welche glücklichen Erinnerungen sie dann wärmen werden. Welche Eigenschaften muss ein Erlebnis haben, um zu einer glücklichen Erinnerung zu werden? Ein Glück ist für sie zum Beispiel zu lesen und dabei zu naschen, oder ihre Katze zu streicheln. Aber wird aus diesem Glück auch eine glückliches Erinnerung?

Lydia Davis, "eine der stillen Giganten in der Welt der amerikanischen Literatur" (Los Angeles Times), wurde 1947 in Northampton, Massachusetts, geboren. Nach Jahren in Irland und Frankreich lebt sie heute in New York. In Paris begann sie zu übersetzen, zuerst für den Film und für Kunstgalerien, danach literarische Texte, u. a. von Blanchot, Butor, Flaubert, Leiris und Proust. Von letzterem erschien eine preisgekrönte Neuübersetzung des ersten Bandes der "Recherche".

Ihre zahlreichen, preisgekrönten Geschichten erschienen 2009 gesammelt in den "Collected Stories", außerdem veröffentlichte sie 1995 den Roman "The End of the Story". Für ihren Erzählband "Can't and Won't" ("Kanns nicht und wills nicht") erhielt Lydia Davis 2013 den Man Booker International Prize.

Service

Lydia Davis, "Samuel Johnson ist ungehalten. Stories". Aus dem Amerikansichen von Klaus Hoffer. Literaturverlag Droschl, Graz, 2017

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