Porträt Kaiser Friedrichs III. zugeschrieben Hans Burgkmair d. Ä.

KUNSTHISTORISCHES MUSEUM WIEN

Der Kaiser von Wiener Neustadt

Zur historischen Bewertung Friedrichs III. (1415 - 1493). Mit Renate Kohn, Österreichische Akademie der Wissenschaften, Stellvertretende Institutsdirektorin, Leiterin der Arbeitsgruppe Inschriften des Mittelalters und der frühen Neuzeit).
Gestaltung: Martin Adel

Vorne, im rechten Seitenschiff des Stephansdoms in Wien kann man ein monumentales Meisterwerk nicht nur österreichischer Spätgotik bewundern: das rot-marmorne Hochgrab Friedrichs III., des Vaters von Maximilian I.; jener noch im Mittelalter verankert, dieser schon ein Renaissancefürst. Bei dieser Kurzcharakteristik geht vieles unter, was durchaus von Bedeutung war. Falsch wäre jedenfalls Friedrich daran zu messen, dass er gegen seinen Widersacher, den Ungarnkönig Matthias Corvinus, stets den Kürzeren zog.

Er konzentrierte sich in seiner langen Regierungszeit mehr auf die Festigung und den Ausbau der eigenen Herrschaft als um Reichsangelegenheiten: Er vereinigte wieder die beiden Habsburger-Linien, die Albertinische und die Tiroler Linie, leitete einen tiefgreifenden Struktur- und Verfassungswandel ein, erwarb Burgund und mit der Anwartschaft auf das Königreich Ungarn legte er den Grundstein für den Aufstieg zur europäischen Großmacht. Nicht zuletzt sicherte er auch die Nachfolge seines Sohnes.

Lange Zeit galt er - auch in der Forschung - als "des Heiligen Römischen Reiches Erzschlafmütze", ein Urteil, das sich zum einen auf unzureichende Quellen stützte - bloß auf die (grob gesprochen) erste Hälfte seiner Regentschaft - zum anderen, weil die Reichsgeschichte im Zentrum der Beurteilung lag, und das 15. Jahrhundert insgesamt eher als Zerfallszeit und nicht als Zeit gesellschaftlichen und politischen Wandels begriffen wurde.

Und Friedrich III. hatte kein Kriegsglück und wenig Lust, sich gegen die "Türkengefahr" in Stellung zu bringen (1453 war Konstantinopel von den Osmanen erobert worden). Er setzte auf Verhandlungsgeschick, Urteilsvermögen und Geduld. Das machte sich bezahlt. Und er hatte das Glück, seine Widersacher - nicht zuletzt auch seinen Bruder Albrecht IV. oder Matthias Corvinus - um viele Jahre zu überleben. Er erhob das A.E.I.O.U. zu seinem Signé, seinem "Markenzeichen", zur Kennzeichnung seiner Besitztümer (erstmals wohl in Wiener Neustadt, wo er aufgewachsen war und das er zur Residenzstadt ausbauen ließ). Als Wahlspruch hat diese Signatur viele Deutungen erfahren, die sinngemäß aber zumeist mit der häufigsten übereinstimmt: "Alles Erdreich ist Österreich untertan." Austriae est imperare orbi universo" - Es ist Österreich bestimmt, die Welt zu beherrschen. Bis zu einem gewissen Grad machte sein Urenkel Karl V. diesen Anspruch wahr. Den Grundstein legte aber schon Friedrich - mit Heiratspolitik und Verhandlungsgeschick.

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