Wurst ganz frisch aus dem Brühkessel

Von Krainern, Knackern und Co.
Die Tradition der Kesselheißen

Wer es nicht kennt, den mag es verwundern: Einmal wöchentlich, häufig an einem Donnerstag, sind vielerorts in Oberösterreich bereits am Vormittag die Stuben und Gastgärten der Wirtshäuser dicht gefüllt.
Grund dafür sind die sogenannten "Kesselheißen". Dabei handelt es sich um Fleisch- und Brätwürste, die nach der Herstellung frisch verzehrt werden. Scharfe, Frankfurter, Debreziner, Käsekrainer, Weiße, Burenwürste, Knacker und vieles mehr bekommen die Gäste vor Ort direkt aus dem Brühkessel serviert. Im Gegensatz zu handelsüblichen Würsten werden die Kesselheißen also nicht bloß wieder aufgewärmt. Dadurch sind sie geschmacksintensiver, denn je öfter eine Wurst ins heiße Wasser kommt, umso mehr laugt sie aus.
Scheint die "Kesselheiße" ein rein oberösterreichisches Phänomen zu sein, so findet man sie unter dem Namen "Kesselwurst" sehr wohl auch in anderen Bundesländern und Teilen Deutschlands - üblicherweise dort, wo an ein Wirtshaus eine Fleischhauerei angeschlossen ist.
Für viele Besucher ist das Kesselheiße-Essen zu einem wichtigen Treffpunkt geworden: Sei es für den wöchentlichen Stammtisch oder Meetings mit Geschäftspartnern. In den Sommermonaten stellt die Kesselheiße eine willkommene Stärkung für Ausflugsgäste dar.
Doch der Fortbestand dieser Tradition ist ungewiss. Vielerorts mangelt es an Nachfolgern und die Konkurrenz durch Supermärkte macht kleinen Fleischhauerbetrieben das Leben schwer. Diese setzen ihre Hoffnung auf ein gewachsenes Bewusstsein der Kundschaft, die zunehmend Wert auf Qualität und Regionalität zu legen scheint.

Gestaltung: David Winkler-Ebner


Kostnotizen: Wolfger Pöhlmanns Buch "Es geht um die Wurst"

Gestaltung: Alexander Bachl

Sendereihe