Unruhen in Paris, 1968

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1968 in London, Paris, New York und San Francisco

"My 68". Ein Bericht von David Zane Mairowitz (DLR Kultur/ORF 2008)

Der Mai 1968 war ein besonderer, ein entscheidender Monat in meinem Leben. Ich pendelte zwischen London, Paris, New York und San Francisco hin und her, wo ich zwei "Underground-Zeitungen" herausgab. Ich muss gestehen, dass ich hier nur ein "teilnehmender Beobachter" bin, oder anders gesagt, ein "Voyeuraktivist". Ich bin involviert, ohne mir die Hände schmutzig zu machen.

In dieser Zeit sammle ich "wertlose" Zettel - Pamphlete, Abhandlungen, Flugblätter, Poster - lauter Zeug, das man normalerweise in den Müll schmeißen würde. Aber ich brauche es für mein Buch über die sechziger Jahre, BAMN, By Any Means Necessary. "Mit allen nötigen Mitteln". Alles, was nach "Revolution" riecht. So kam es, dass ich sehr viele der Mitspieler in dieser großartigen - "Mai 68" genannten - musikalischen Komödie recht gut kannte.

Das Feature ist ein Road-Movie zwischen vier Städten. In San Francisco treffe ich die "Diggers", visionäre Utopisten des Mai 1968. In New York begegne ich der anarchistischen Straßengang mit dem Namen "International Werewolf Conspiracy" oder (poetischer) "Up Against The Wall, Motherfucker".

In London spielen sich die Ereignisse auf friedlichere Weise ab. Britisch eben. Die psychedelische Musikszene ist auf dem Zenit, und ich organisiere Pink-Floyd-Konzerte und Smoke-Ins und Be-Ins. Von London aus nehme ich die Fähre nach Frankreich und beobachte die Straßenkämpfe. Paris bleibt die ganze Zeit im Hintergrund, eine Referenz für alle anderen Bewegungen.

Indessen war es mir möglich, einen kurzen Augenblick erlebter Geschichte lang, die verschiedenen Seiten des herrschenden Zeitgeists zu sehen: Gewalt, Anarchie, Straßenpoesie, utopische Visionen, Psychedelia. Alles in einem Monat. Dies ist "My 68". Im Mai 68.
Redaktion: Eva Roither

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