Landstreicher am Wegesrand, 1936

AP

Von Ort zu Ort: Die Landstreicher

Wandernde Arbeitslose oder arbeitsscheue Vagabunden? Mit Sigrid Wadauer, Institut für Wirtschafts- und Sozialgeschichte, Universität Wien.
Gestaltung: Isabelle Engels

Die Verfolgung von Menschen, die mittellos und ohne anerkannt redlichen Erwerb herumwanderten, lässt sich in der gesamten Geschichte der Neuzeit finden. Seit dem späten 19. Jahrhundert jedoch änderten sich das Verständnis dieses Phänomens und der Umgang damit.

Der Begriff der "Arbeitslosigkeit" taucht nun erstmals in den Wörterbüchern auf. Er beschreibt Erwerbslosigkeit, die nicht individuellem Müßiggang geschuldet sondern markbedingt und unfreiwillig ist - und daher sozialpolitische Maßnahmen erfordert. Ohne Arbeit zu sein, war damit nicht mehr ausschließlich eine Sache von Armenhilfe, der Moral oder strafrechtlicher Verfolgung als Landstreicher, sondern auch eine der Arbeitsmarktpolitik.

Es wurden Herbergen für arbeitssuchende Wanderer errichtet. Nach dem Ersten Weltkrieg entstanden staatliche Arbeitsvermittlung und Arbeitslosenunterstützung. Das Phänomen der Landstreicherei verschwand allerdings auch in diesen Jahren nicht. Viele hatten keine Ansprüche auf Versicherungsleistungen, da nicht alle Erwerbe eingeschlossen waren. Gerade in der Weltwirtschaftskrise wurde neuerlich eine "Bettler- und Landstreicherplage" beklagt.

Aber wie konnte man in Zeiten der Massenarbeitslosigkeit arbeitssuchende Menschen von denen unterscheiden, die ziel- und zwecklos herumwanderten und scheinbar mutwillig der Arbeit aus dem Weg gingen? Woran ließ sich unter solchen Umständen der Arbeitswille, der über Hilfe oder Bestrafung entschied, festmachen? Mit landesweiten Razzien und einem "Bettlerlager" wurden im Austrofaschismus radikalere Maßnahmen in der Verfolgung von Bettlern und Landstreichern gesetzt.

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