Auf der schiefen Ebene des anderen Geschlechts

"Die blauen Augen deiner Mutter" von Ulrike Almut Sandig. Es liest Eva Mayer. Gestaltung: Nicole Dietrich

Eine junge Frau wandelt sich zu einem jungen Mann. Die ersten körperlichen Zeichen der Hormongaben - Bartwuchs, Stimmbruch - erlebt der Journalist in Istanbul, einem "mutterlosen Gebiet", wo er über die Proteste im Gezi Park berichten soll. Seine Gedanken vagabundieren, er ist unsicher und befangen, folgt den kleinsten Haarrissen der Selbst- und Fremdwahrnehmung . Die Erinnerungen an die Kindheit als Mädchen und an die Mutter bilden das Netz der Geschichte. Ein Telefonat mit der Mutter schiebt er vor sich hin, zu nah kann sie ihm kommen, zu rätselhaft ist er sich selbst.

Ulrike Almut Sandig, 1979 in Sachsen in geboren, veröffentlicht - vielfach ausgezeichnet - Lyrik, Prosa, Hörbücher und Hörspiele. Sie tritt mit Sprechkonzerten und vertonten Gedichten auf und arbeitet viel mit Musikern zusammen. Auf ihren ersten Erzählband "Flamingos" folgte 2015 "Buch gegen das Verschwinden", eine Sammlung von Geschichten. Darin schreibt sie vom Entgleiten - der inneren Sicherheit, der Gewissheiten, der Zeit. Poetisch, melodiös und erzählerisch geschickt bringt sie den Lesern und Leserinnen Figuren nahe, die schwanken. Die Zerbrechlichkeit eines Schicksals wird spürbar.

Service

Ulrike Almut Sandig, "Die blauen Augen deiner Mutter", aus: "Buch gegen das Verschwinden", Geschichten. Schöffling & Co, 2015

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