ACFNY

DAVID PLAKKE

7,6 Meter inmitten Manhattan

1992 - Austrian Cultural Forum New York

Obwohl das Trauma von 9/11 noch frisch war, herrschte am 18. April 2002 im gerade fertiggestellten Österreichischen Kulturforum in New York, an der 52. Straße, zwischen 5th und Madison Avenue, fröhliche Geschäftigkeit: nach langem großkoalitionären Hickhack und einem mühsamen Bauprozess wurde das Haus endlich eröffnet. Zehn Jahre zuvor war der Wettbewerb ausgeschrieben worden; es gab 256 Einreichungen, aus denen der Entwurf des in den USA lebenden österreichischen Architekten Raimund Abraham ausgewählt wurde. Ein aus der Fassade auskragender Würfel, gestützt auf eine Art Stab, lässt das Gebäude wie ein Totem wirken.

Nur 7,6 Meter schmal ist der Turm. "Für mich ist das Gebäude nicht ein Büroturm, sondern ein Haus. Es hat die Intimität eines Hauses", sagte der Architekt damals, als er die Ö1-Journalistin Dorothee Frank durch das Austrian Cultural Forum führte, "ich wollte vom Eingangsbereich bis ins Theater fließende Räume schaffen, sodass die Engheit des Gebäudes überwunden wird".

Auch der damalige Finanzminister Karlheinz Grasser besichtigte den Neubau und übte vor Journalisten scharfe Kritik am Architekten, der aus Protest gegen die schwarz-blaue Koalition seine österreichische Staatsbürgerschaft niedergelegt hat. Kritisiert wurden die Kostensteigerungen - die ursprünglich veranschlagten Kosten wurden ums Dreifache überschritten. "Das ist eine Buchhalter-Polemik, die interessiert mich an sich nicht", meinte Raimund Abraham 2002 dazu.

US-Medien, wie die New York Times, spendeten Abraham und dem damaligen Leiter des ACF, Christoph Thun-Hohenstein, höchstes Lob; das Hochhaus, das das Problem der extrem schmalen Parzelle scharfsinnig löst, gilt als wichtigstes Werk des 1933 in Lienz geborenen und 2010 in Los Angeles verstorbenen Architekten Raimund Abraham.

Architektur: Raimund Abraham
Wettbewerb: 1992
Adresse: 11 E 52nd St, New York, NY 10022, USA

Service

Mit der Sendereihe "Hundert Häuser" wird eine Geschichte Österreichs anhand seiner Architektur erzählt - vom Jahr 1918, in dem am 12. November die Erste Republik ausgerufen wurde, bis zur Gegenwart. Für jedes Jahr steht ein historisch bedeutendes, architektonisch spannendes oder eine Epoche prägendes Bauwerk, das in jeweils einem Radiobeitrag porträtiert wird. Zu hören ist die hundertteilige Reihe von Montag bis Donnerstag um 17:25 Uhr, von Mitte Mai bis 12. November 2018.

Austrian Cultural Forum New York

Sendereihe

Gestaltung

  • Dorothee Frank

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