Die Stimme der Patienten stärken

Mehr Geld für die Selbsthilfe

Die Stimme der Patienten stärken - mehr Geld für die Selbsthilfe

Wer von einer Erkrankung betroffen ist, der benötigt neben medizinischer Betreuung oft auch ein Netzwerk an Gleichgesinnten, das fachliche Hilfe, aber auch Unterstützung in psychosozialen Belangen geben kann. Hier kommt der Tätigkeit der zahlreichen Selbsthilfegruppen eine ebenso wichtige Rolle für die Patientinnen und Patienten zu, wie der ärztlichen, therapeutischen oder pflegerischen Arbeit.
Österreichweit sind rund 250.000 Personen in 1.700 Selbsthilfegruppen organisiert. Neben dem Informations- und Erfahrungsaustausch von Betroffenen werden oft auch die Angehörigen betreut. Außerdem gibt es enge Kontakte zu Spezialisten.
Meist sind es lose Zusammenschlüsse von Personen, die als Schicksalsgemeinschaft mit ähnlichen gesundheitlichen oder psychischen Problemen zu kämpfen haben.

Selbsthilfe im 21. Jahrhundert

Auch wenn viele Gruppen bereits mehrere Jahrzehnte existieren, haben die Organisationen Nachwuchssorgen. Konnte man mit gemeinsamen Ausflügen, Fachvorträgen oder regelmäßigen Turngruppen früher noch zahlreiche aktive Teilnehmerinnen und Teilnehmer gewinnen, so sind gerade jüngere Menschen, die von einer Erkrankung betroffen sind, von diesen Angeboten weniger begeistert. Sie beziehen ihre Informationen eher aus dem Internet und vernetzen sich sozial mit Gleichgesinnten auf anderen Wegen. Diese Entwicklung führt zu einem Mitgliederschwund und damit auch einem akuten Personalmangel, sodass sich manche Gruppierung genötigt sieht, das Handtuch zu werfen. Einige Selbsthilfeorganisationen haben die Zeichen der Zeit erkannt und bieten eigene Gruppen für Jugendliche an.

Finanzielle Unterstützung

Bei allem Engagement - die meisten in der Selbsthilfe tätigen Personen arbeiten ehrenamtlich - fehlt es oft an ausreichenden finanziellen Mitteln, um Büroräumlichkeiten, Werbe- und Infomaterialien oder Veranstaltungen zu organisieren. Zwar gab es auch in der Vergangenheit dafür vorgesehene Förderungen, vor allem für kleinere Vereine ist es jedoch nicht immer so einfach, an die Gelder heranzukommen. Nun haben Sozialversicherung, Gesundheitsministerium und Fonds Gesundes Österreich gemeinsam mit Vertreterinnen und Vertretern der einzelnen Selbsthilfeorganisationen ein umfassendes Konzept zur öffentlichen Förderung entwickelt.
Seitens der Sozialversicherung werden jährlich 1 Million Euro zur Umsetzung zur Verfügung gestellt. Auf Bundesebene wurde die Österreichische Kompetenz- und Servicestelle für Selbsthilfe (ÖKUSS) ins Leben gerufen. Sie soll bedarfsgerecht den verschiedenen themenbezogenen Gruppen finanziell unter die Arme greifen.

Im März 2018 wurde zudem der Bundesverband Selbsthilfe Österreich gegründet. Als unabhängige Interessensvertretung von Selbsthilfe- und Patientenorganisationen soll er dabei helfen, die Rolle der Patientinnen und Patienten im Gesundheits- und Sozialwesen sowie in der Gesellschaft zu stärken.

Dieses Mal spricht Dr. Ronny Tekal mit seinen Gästen über die neuen Strukturen und die wichtige Arbeit der Selbsthilfegruppen.


Reden auch Sie mit! Wir sind gespannt auf Ihre Fragen und Anregungen. Unsere Nummer: 0800/22 69 79, kostenlos aus ganz Österreich.

Fragen:

Wirken Sie selbst aktiv in einer Selbsthilfeorganisation mit?
Wo liegen Ihrer Erfahrung nach die Schwierigkeiten?
Sind Internetforen für Sie ein Ersatz für eine Selbsthilfeorganisation?
Funktioniert Ihrer Erfahrung nach der Informationsaustausch mit Ärztinnen und Ärzten zufriedenstellend?
Wie soll sich das Modell Selbsthilfegruppe Ihrer Ansicht nach entwickeln?
Möchten Sie selbst gerne eine Gruppe ins Leben rufen?

Moderation und Sendungsvorbereitung: Dr. Ronny Tekal
Redaktion: Dr. Christoph Leprich

Service

Waltraud Duven
Dachverband Restless Legs Österreich, Stv. Vorsitzende Selbsthilfe Österreich
Leesdorfer Hauptstrasse 30/ top 1
2500 Baden
Tel: +43/676/ 70136 32
E-Mail
Dachverband Restless Legs Österreich

Angelika Widhalm
Vorsitzende Bundesverband Selbsthilfe Österreich
Verein Selbsthilfe Frulak & Co
Hepatitis Hilfe Österreich
Anton-Burg-Gasse 1/44
A-1040 Wien
E-Mail
Bundesverband Selbsthilfe Österreich

Dominik Formanek
Stellvert. Leitung von RHEUMALIS - Kompetenz, Rat und Hilfe für an Rheuma erkrankte Kinder, Jugendliche, junge Erwachsene und Angehörige
Kinder- und Jugendbeauftragter
Pilzgasse 14/2/7
1210 Wien
+43/699/1974 8811
E-Mail
Rheumalis

Hubert Kehrer
Obmann-Stellvertreter der Selbsthilfe OÖ
Dachverband der Selbsthilfegruppen
Garnisonstraße 1 a/2. Stock
4021 Linz, Postfach 61
+43/732/7976/66
Selbsthilfe Oberösterreich

Österreichische Kompetenz- und Servicestelle für Selbsthilfe (ÖKUSS)
Verzeichnis der Selbsthilfegruppen und der Dachverbände (Bundesministerium für Gesundheit)
Datenbank Selbsthilfeorganisationen
Medizinisches Selbsthilfezentrum Wien "Martha Frühwirt"

Fabian Haller, Horst Gräser, "Selbsthilfegruppen", Verlag Beltz Juventa 2012

Stefan Groß, "Moderationskompetenzen: Kommunikationsprozesse in Gruppen zielführend begleiten", Springer Gabler 2018

Oskar Meggeneder (Hrsg.), "Selbsthilfe im Wandel der Zeit. Neue Herausforderungen für die Selbsthilfe im Gesundheitswesen", Mabuse Verlag 2011

Sendereihe

Gestaltung