Digitaler Hass

Das Böse in den neuen Medien
Von Marlene Nowotny

Lange nicht mehr wurde so viel über offenen gelebten Hass diskutiert wie in den vergangenen Monaten. In den sozialen Medien, in Internetforen oder Blogs werden Dinge gepostet, die man im Zwiegespräch vermutlich nicht aussprechen würde. Krankheit, Elend und Tod werden da anderen gewünscht, gegen bestimmte Gruppen gehetzt und offen zur Gewalt aufgerufen. Und es sind immer mehr Menschen, die sich trauen, ihre menschenverachtenden, fremdenfeindlichen und antisemitischen Gedanken auszusprechen. - Haben wir das Recht zu jedem Gedanken, egal wie böse er ist? Wird die Moral erst wirksam, wenn es um unser Handeln geht, nicht aber, wenn wir die Taten nur denken?

Und haben sich diejenigen, die dem Guten den Rücken kehren, dem Bösen aus Dummheit oder aus Mangel an Vernunft angenähert? - Immanuel Kant kam in seiner Schrift "Über das radicale Böse im Menschen" zu dem Schluss, dass uns das Böse trotz unseres Verstandes stets nahe bleibt. Moralisch Übles entstehe, weil wir uns dem Guten nicht mehr zuwenden. Nicht, weil wir das Böse absichtsvoll wollten. Der Mensch werde einfach moralisch faul.

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