Schatten eins Mannes auf Kopfsteinpflaster

AFP/JOHN MACDOUGALL

Das Spitzelwesen der Gestapo

Verrat im antifaschistischen Widerstand. Mit Hans Schafranek, Zeithistoriker und Publizist.
Gestaltung: Rosemarie Burgstaller

Denunziation in der Bevölkerung war unter dem NS-Regime weit verbreitet. Ob es das Hören feindlicher Radiosender war oder eine abfällige Bemerkung im Vorbeigehen, unzählige Vorfälle wurden von Nachbarn, Bekannten und zufällig Anwesenden an die Behörden berichtet, was zur drastischen Bestrafung der Beschuldigten führte. Nur ein Beispiel. Eine Wiener Hilfsarbeiterin hörte im Jahr 1942 in einem Geschäftslokal vom Erfrierungstod eines Bekannten an der Front. Im Entsetzen rief sie gegen das an der Wand prangende Porträt Hitlers aus: "Reissts'n runter, den Hund".
Mehrere Kunden denunzierten die Frau, sie wurde vom Landesgericht Wien zu sieben Monaten Kerker verurteilt. Während sich die Nationalsozialisten bei solchen vermeintlichen Straftaten Einzelner auf Hinweise aus der Bevölkerung verlassen konnten, musste im Zusammenhang organisierter Widerstandsgruppen mehr eigener Aufwand betrieben werden. Wenige Tage nach dem Einmarsch deutscher Truppen in Österreich wurde im März 1938 die Gestapoleitstelle Wien (Gestapo = Geheime Staatspolizei) im ehemaligen Hotel Métropole am Morzinplatz eingerichtet. Beim Aufspüren und Zerschlagen des aktiven politischen Widerstandes setzte die Gestapo stark auf Spitzel und so genannte V-Leute (= Vertrauensleute). Wie Hans Schafranek berichtet, genügte oftmals die Denunziation weniger Akteure um eine Gruppe weitestgehend "aufzurollen".

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