Selbstbildnis, Kopf um 1909

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Johanna Schwanberg über Egon Schiele

"Schonungsloser Blick auf das Selbst". Anlässlich seines 100. Todestages beleuchtet Johanna Schwanberg, Direktorin des Dom Museum Wien, die skandalumwitterte Biografie des Ausnahmekünstlers im Wien der Jahrhundertwende - Egon Schiele. Gestaltung: Alexandra Mantler

Eindrucksvolle Schwarzweißfotos. Zu sehen ist das Gesicht eines attraktiven jungen Mannes mit aufgestellten Haaren, der gekonnt posiert. Die Hände sind ausdrucksstark ins Bild gesetzt, die stechenden Augen blicken ungemein fesselnd aus dem Bild.

Der Dargestellte ist Egon Schiele, aufgenommen von dem tschechisch-österreichischen Fotografen Anton Josef Tr?ka. Seit dem Jahr 1912 machte der experimentelle Fotograf, der auf den Fotos mit dem Pseudonym "Antios" unterschrieb, eine Reihe von legendären Aufnahmen des jungen Künstlers. Sie sind mittlerweile genauso in die Kunstgeschichte eingegangen wie die Zeichnungen und Gemälde des Künstlers selbst. Sie faszinieren mich, da sie verdeutlichen, wie inspirierend die Zusammenarbeit sein kann, wenn sich zwei kreative Persönlichkeiten kongenial ergänzen. Vor allem aber interessieren mich diese Porträts, weil sie Egon Schieles Hang zur Selbstinszenierung, sein Wissen um die Bedeutung der Körpersprache - in Form von Mimik und Gestik - spiegeln.

Beinahe ein Jahrhundert bevor es Selfies, Instagram, YouTube-Kanäle und SnapChat gab, hat Egon Schiele erkannt, dass die Inszenierung der eigenen Person unabdingbar für den Erfolg eines Produktes oder einer Idee ist. In dem Zusammenhang hat er auch seine Signatur ab dem Jahr 1904 gezielt wie ein modernes Logo eingesetzt.

Ohne die Kunst auf ein Podest heben zu wollen, begeistert mich an herausragenden Künstlerpersönlichkeiten immer wieder eines aufs Neue: Nämlich wie sehr es ihnen gelingt, gesellschaftspolitische, ästhetische oder auch soziale Entwicklungen vorwegzunehmen und ihrer Zeit weit voraus zu sein: Egon Schiele war von der Zeitlosigkeit der Kunst überzeugt. So schrieb er auf eine aquarellierte Bleistiftzeichnung aus Jahr 1912: "Kunst kann nicht modern sein; Kunst ist urewig".

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Sendereihe

Gestaltung

Übersicht

Playlist

Komponist/Komponistin: Sergej Rachmaninoff
Album: RACHMANINOFF: ASHKENAZY - Klavier (CD-3)
Titel: Etude Tableau op.33 Nr.1 in f-moll
Titel: 8 Etudes Tableaux op.33 für Klavier
Solist/Solistin: Vladimir Ashkenazy /Klavier
Länge: 02:00 min
Label: London 4552342 (6-CD Box)

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