Michael Bünker über Friedrich Schleiermacher

"Religion und Vernunft". Michael Bünker, evangelischer Bischof in Österreich zum 250. Geburtstag des evangelischen Theologen Friedrich Schleiermacher. - Gestaltung: Alexandra Mantler

Seine größte Wirksamkeit entfaltete Friedrich Schleiermacher ab 1807 in Berlin. Er war beteiligt an der Gründung der Universität, er wurde Professor, Mitglied der Akademie der Wissenschaften und Pfarrer an der Dreifaltigkeitskirche.

Eine Vielzahl von Aufgaben war zu bewältigen und der Termindruck immer enorm, doch ist er damit sehr souverän umgegangen. Schleiermacher ist mit wenig Schlaf ausgekommen. Er stand so um fünf Uhr früh auf, ging zur Universität und begann um sechs mit den ersten Vorlesungen, insgesamt bis neun. Dann wieder zurück in die Pfarre, Konfirmandenunterricht um elf Uhr. Zum Mittagessen war er zu Hause, meistens gab es eine größere Tafel mit der Familie und Gästen. Er aß einfach und mäßig, wie es heißt, trank ein paar Gläser Bordeaux und gönnte sich eine kurze Pause, in der er dann und wann mit einem Freund Schach spielte.

Am Nachmittag ging er in die Akademie der Wissenschaften oder zu einem Krankenbesuch als Pfarrer, dann der Tee zu Hause und am Abend Sitzungen, immer wieder Besuche in Theater oder Oper, selten war er daheim. Einmal im Monat traf er sich in der "Gesetzlosen Gesellschaft" zu freiem Gedankenaustausch. In der Nacht dann, oft weit bis nach Mitternacht, die Arbeit am Schreibtisch. Am politischen Geschehen nahm er regen Anteil und engagierte sich für ein erneuertes Preußen nach den napoleonischen Kriegen. Seine politischen Ansichten machten ihn bald verdächtig, er wurde verhört und überwacht. Erst wenige Jahre vor seinem Tod kam es zur Versöhnung mit dem König.

Die Familie war ihm besonders wichtig, 1809 hatte er endlich geheiratet. Seine Frau Henriette war die Witwe eines Freundes, sie brachte zwei Kinder in die Ehe mit. Den beiden wurden noch vier Kinder geboren. Der jüngste und einzige Sohn, Nathanael, stirbt mit neun Jahren an Scharlach. Seine Eltern überwanden diesen Schicksalsschlag kaum, alles ging nun "langsamer und schwerer", schrieb Schleiermacher. Dennoch blieb er bis wenige Tage vor seinem eigenen Tod aktiv, heiter und gelassen.

Service

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Sendereihe

Gestaltung

Playlist

Komponist/Komponistin: Felix Mendelssohn Bartholdy/1809 - 1847
Gesamttitel: Lieder ohne Worte - für Klavier
Titel: Lied ohne Worte op.19 Nr.4 in A-Dur für Klavier : Moderato
Solist/Solistin: Andras Schiff /Klavier
Länge: 01:55 min
Label: Decca 421119-2