Die Bildschirme und das Leben

"Überleben". Von Frederika Amalia Finkelstein (Roman, Ausschnitt). Aus dem Französischen von Sabine Erbrich. Es liest Silvia Meisterle. Gestaltung: Gudrun Hamböck

Ava sitzt in einer Pariser Bar und hängt ihren Gedanken nach, während auf dem TV-Bildschirm über der Theke eine Nachrichtensendung läuft und sich ihre Sitznachbarin am Mobiltelefon mit einem martialischen Videospiel vergnügt, das Ava bestens vertraut ist ...

Ava ist 23 Jahre alt und gefangen im Entsetzen. Das medial ausgeschlachtete Attentat auf den Pariser Konzertsaal Bataclan am 13. November 2015 wird für sie zum Sinnbild einer hilflosen Generation, die sich selbst den Krieg erklärt hat. Ava verliert sich in einer Welt der Grausamkeit - während sie immer tiefer in den blutigen Bildern vergangener Anschläge versinkt, wie besessen die Fotografien von Opfern sammelt und Wikipedia-Artikel zu Terroranschlägen auswendig lernt, verbringt sie die Tage in Erwartung noch grauenvollerer Attentate.

Die in Paris geborene Frederika Amalia Finkelstein ist beinahe ebenso jung wie ihre Protagonistin; die Generation über die sie schreibt, ist ihre eigene. In ihrem zweiten Roman fragt die Autorin, wie man existieren kann, wenn man ständig von Bildschirmen, auf denen sich Hass und Angst spiegeln, umgeben ist. Mit schmerzhafter Direktheit spricht sie von der Einsamkeit ihrer Zeit inmitten von digitaler Selbstdarstellung, Überdruss und ständig drohender Gewalt. Wie kann man in einer solchen Welt überleben?

Service

Amalia Finkelstein, Überleben. Roman. Aus dem Französischen von Sabine Erbrich. Suhrkamp 2018.

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