Kurt Remele über Thomas Merton und Karl Barth

"Der Mönch, der Theologe und das göttliche Kind". Zum 50. Todestag von Thomas Merton und Karl Barth möchte Kurt Remele, der Ethik und christliche Gesellschaftslehre an der Karl-Franzens-Universität Graz lehrt, zwei "Giganten" des christlichen Glaubens im 20. Jahrhundert nahebringen und die beiden in Beziehung zueinander setzen. - Gestaltung: Alexandra Mantler

Der US-amerikanische Schriftsteller Edward Rice bezeichnete seinen Freund Thomas Merton einmal als "Buddhist Catholic Hippie Monk". Da ist was dran: Merton war vom Zen-Buddhismus angezogen und tat auch sonst manches, was gehorsame Mönche traditionellerweise nicht tun. In seinem letzten Lebensjahrzehnt begriff Merton sein Mönchsein vorrangig als prophetische Kritik an einer gewalttätigen, kranken Gesellschaft. In einem Brief an einen Freund beschwerte er sich, dass ihn sein Abt und sein Orden dabei massiv einschränkten. Er schreibt: "Nun, ich hasse es, vulgär zu sein, aber ein Großteil der klösterlichen Parteilinie ist reiner und ungetrübter Schwachsinn. Versuche, irgendetwas Ernsthaftes zu machen und sofort werfen sie dir Aktivismus vor."

Wie Merton wurde auch Karl Barth von vielen als "unbequemer Störenfried" betrachtet. Zu Recht: Bereits zwischen 1911 und 1921 stellte sich Barth als Pfarrer des Industrie-Örtchens Safenwil an die Seite der Arbeiterschaft und trat der Sozialdemokratischen Partei bei. In diese Zeit fällt auch sein Widerstand gegen den Ersten Weltkrieg und dessen religiöse Legitimierung. Als Theologieprofessor in Deutschland gehörte er der Bekennenden Kirche an und wirkte maßgeblich an deren Barmer Erklärung von 1934 mit, die sich gegen eine nationalsozialistische Vereinnahmung der evangelischen Kirche wehrte.

Als Gegner des Nazi-Regimes verlor er 1935 seinen Bonner Lehrstuhl. Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs sprach sich der streitbare Theologe gegen die Remilitarisierung, gegen die atomare Bewaffnung Deutschlands und gegen Konrad Adenauer aus. Dies alles, wie es in der Ausgabe des "Spiegel" vom 23. Dezember 1959, hieß, "im Namen des unnahbaren Gottes, den er proklamierte und der dabei paradoxerweise eine etwas rötliche Färbung annahm."

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Sendereihe

Gestaltung

Playlist

Komponist/Komponistin: Wolfgang Amadeus Mozart/1756 - 1791
Titel: Divertimento in D-Dur für Flöte,Oboe,Fagott,4 Hörner,Streicher KV 131
* 11. Menuetto; Trio I; Trio II; Trio III; Coda - 3.Satz (00:05:46)
Orchester: Orpheus Chamber Orchestra
Länge: 05:46 min
Label: DG 4191922

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