Kurt Remele über Thomas Merton und Karl Barth

"Der Mönch, der Theologe und das göttliche Kind". Zum 50. Todestag von Thomas Merton und Karl Barth möchte Kurt Remele, der Ethik und christliche Gesellschaftslehre an der Karl-Franzens-Universität Graz lehrt, zwei "Giganten" des christlichen Glaubens im 20. Jahrhundert nahebringen und die beiden in Beziehung zueinander setzen. - Gestaltung: Alexandra Mantler

Einen Tag vor Heiligabend des Jahres 1959 war der reformierte Theologe Karl Barth auf dem Titelblatt des deutschen "Spiegel" zu sehen. Im Blattinneren wurde man unter anderem darüber informiert, dass Barths monumentale "Kirchliche Dogmatik" nicht nur diffizile theologische Fragen behandeln würde, sondern auch ethische Probleme der Sexualität und der Tiertötung.

Beginnen wir mit letzterem. Barth erkannte einerseits, dass der Mensch mit der Tötung von Tieren etwas tut, das, wie er formulierte, "der Menschentötung mindestens sehr ähnlich ist." Andererseits ist der Mensch laut Barth durch das geoffenbarte Wort Gottes ermächtigt, Tieren das Leben zu nehmen. Der Mensch stehe auch deshalb über den anderen Geschöpfen, weil Gott in Jesus Christus nicht Tier geworden sei, sondern Mensch.

In Jesus Christus ist Gott nicht Frau geworden, sondern Mann: Auch dieser fatale Satz, so erlaube ich mir leicht sarkastisch anzumerken, war Barth nicht ganz fremd. Mehr als dreieinhalb Jahrzehnte lang lebte er mit seiner Frau Nelly und seiner Sekretärin und Geliebten Charlotte von Kirschbaum zu dritt in einem Haus. Vor allem Nelly litt massiv unter dieser ihr von Karl aufgezwungenen Dreierbeziehung, die die Kinder der Barths in der Rückschau als für alle "unzumutbar" bezeichneten.

Intime Beziehungsprobleme hätte der Trappist Thomas Merton eigentlich keine haben sollen. Doch im April 1966 verliebte sich der einundfünfzigjährige Star-Mönch während eines Spitalsaufenthaltes in eine sich in Ausbildung befindliche Krankenschwester namens Margie Smith, die nicht einmal halb so alt war wie er. Die ungleiche, doch intensive Liebesbeziehung zwischen Smith und Merton dauerte ein knappes Jahr.

Eineinhalb Jahre später war Merton tot. Er starb am 10. Dezember 1968, am selben Tag wie Barth. Mertons Leichnam wurde mit einem Jet der amerikanischen Luftwaffe in die USA zurückgeflogen. Und das, obwohl er wie auch Karl Barth sein Leben lang ein erklärter Kritiker von Krieg, Rüstung und Militär war.

Service

Kostenfreie Podcasts:
Gedanken für den Tag - XML
Gedanken für den Tag - iTunes

Sendereihe

Gestaltung

Playlist

Komponist/Komponistin: Wolfgang Amadeus Mozart/1756 - 1791
Titel: Divertimento in D-Dur für Flöte,Oboe,Fagott,4 Hörner,Streicher KV 131
* 12. Allegretto - 4.Satz (00:03:15)
Orchester: Orpheus Chamber Orchestra
Länge: 03:15 min
Label: DG 4191922

weiteren Inhalt einblenden