"Im Tarnungswege" erworben

Die Arisierung der Wiener Galerie Harding.
Von Gabriele Anderl

Die Galerie Harding in der Wiener Kärntner Straße befand sich im Eigentum der Brüder Arnold und Alfred, die nach dem "Anschluss" als Juden verfolgt wurden. Welch erbitterter Kampf 1938 um die Arisierung der Kunsthandlung begann, lässt sich anhand von Prozessakten und anderen Archivalien nachzeichnen. Den Zuschlag erhielt Helene Silverio. Was die zuständige Behörde nicht wusste: Silverio und Arnold Harding waren ein Paar; so blieb den Eigentümern zumindest die Wiener Galerie erhalten. Die Dependance in Marienbad konnte sich hingegen Eduard Nierscher aneignen.

Der ehemalige Geschäftsdiener versuchte aber weiterhin, "sich mit Brachialgewalt der Firma zu bemächtigen", wie es Silverios Anwalt in einem Schreiben formulierte. Nach Kriegsende wurde Nierscher wegen des Verdachts der Denunziation vor dem Volksgericht angeklagt, aber "mangels eines strikten Beweises" freigesprochen. Während Alfred Harding deportiert und ermordet wurde, überlebte sein Bruder Arnold den Krieg in Wien in einem Versteck bei Helene Silverio, seiner späteren Ehefrau.

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