Teresa Vogl

ORF/URSULA HUMMEL-BERGER

Zauber der Momente

Elisabeth Raabe über den Literaturkalender 2019

Jedem Anfang wohnt bereits sein Ende inne. Um dieser betrüblichen Tatsache etwas entgegenzusetzen und kostbare Momente festzuhalten, hat die Verlegerin Elisabeth Raabe soeben den "Literaturkalender 2019" (edition momente) herausgebracht. Darin sind Augenblicke im Leben von Dichtern und Schriftstellerinnen versammelt, die für das Kalendermotto "Anfang & Aufbruch" stehen:
Da wird eine Entscheidung getroffen, dort ein Koffer gepackt; einer begibt sich auf die Flucht, eine andere folgt dem Ruf der Liebe. Auf dem Cover des Literaturkalenders befinden sich ein berühmter Schriftsteller und eine noch berühmtere Blondine. Es sind Marilyn Monroe und Arthur Miller, deren Liebe ebenfalls von Anfang an das Ende bereits in sich getragen habe, so Elisabeth Raabe.

Aus 53 Blättern besteht der Kalender, der übrigens früher "Arche Literaturkalender" hieß und aus unternehmensrechtlichen Gründen nun ohne das Wort "Arche" im Titel auskommen muss. Jedes Wochenblatt enthält neben dem Kalendarium ein Originalzitat der abgebildeten Person, dazu wird kurz der historische Zusammenhang erklärt. Die Schriftsteller, Autoren und Dichterinnen erzählen in Briefen, Tagebuchnotizen und Romanauszügen über entscheidende Schritte ihres Lebens, sei es in die Flucht, in den Ehestand oder in ein neues Zeitalter. Das Jahresmotto "Anfang & Aufbruch" ist Hermann Hesses Gedicht Stufen entliehen.

Karl Kraus schreibt von einem unstillbaren Liebessehnen, dem er folgen müsse, F. Scott Fitzgerald vom bevorstehenden Ehestand, Anna Seghers berichtet aus ihrem Fluchtortort in Mexiko; Henry David Thoreau, ein Ahnherr aller Naturbewegten, besingt die frische Luft des anbrechenden Tages. Und auch Ken Saro-Wiwa, dem ökologischen Kämpfer im Niger-Delta, der 1995 hingerichtet wurde, weil der Ölkonzern Shell mit der nigerianischen MIlitärregierung paktierte, erweist der Literaturkalender die Ehre.

Auch Migration ist Aufbruch und Anfang, so die Verlegerin Elisabeth Raabe. Namhafte Emigranten wie etwa Primo Levi oder Elias Canetti sind im Literaturkalender unter diesem Blickpunkt dargestellt. Canetti floh vor den Nazis und litt sehr unter der Ablehnung der konservativen und teils antisemitischen Gesellschaft in seinem englischen Exil.

Seit 35 Jahren gibt Elisabeth Raabe nun schon gemeinsam mit ihrer Partnerin Regina Vitalis den Arche-, und nun eben "Literaturkalender" heraus. Und jedes Jahr zieht sie neue Lehren aus der Beschäftigung mit Menschen, die aufbrechen und den Zauber des Anfangs - ohne Ende am Leben halten.- Gestaltung: Christa Eder

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