Revolution bei der Behandlung entzündlicher Hauterkrankungen

Neue Therapien gegen Neurodermitis und die Schuppenflechte

Menschen mit einer entzündlichen, für die Umwelt sichtbaren Hauterkrankung wie Neurodermitis oder Schuppenflechte, sind oft einer großen psychischen Belastung ausgesetzt. Mittelschwere und schwere Verläufe waren bisher nur mit Medikamenten mit unangenehmen Nebenwirkungen zu behandeln. Nun gibt es neue Therapiemöglichkeiten.

Die atopische Dermatitis

Von Neurodermitis sind mehr als zehn Prozent der Kinder betroffen. Wenn der Juckreiz stark ausgeprägt ist, kratzen sich die Kinder blutig. Für die ganze Familie eine große Belastung. Meist beginnt die Krankheit zwischen dem 3. und 6. Lebensmonat. Es kann aber auch spät im Erwachsenenalter zur Erstmanifestation kommen. Viele Faktoren können die atopische Dermatitis begünstigen: genetische Veranlagung, Störungen der Hautbarriere und des Immunsystems sowie Umwelteinflüsse.

Was läuft hier falsch?

Seit einigen Jahren weiß man, dass diese Hauterkrankung durch bestimmte Zellen der Körperabwehr, den sogenannten B-Helferzellen, ausgelöst wird.
Im Verlauf spielen weitere Abwehrzellen, verschiedene Arten der T-Zellen, eine große Rolle. Für diese entzündliche Hauterkrankung sind also vor allem Reaktionen des körpereigenen Immunsystems verantwortlich. Dieses Zusammenspiel ist nun soweit verstanden, dass gezielt eingegriffen werden kann.

Das Immunsystem gezielt beeinflussen

Viele der neuen Therapiestrategien haben sich bereits bei der Psoriasis als wirksam erwiesen.
Es wird zum Beispiel versucht die Wirkung bestimmter Interleukine (Botenstoffe des Immunsystems) zu neutralisieren.
Wird Interleukin 31 blockiert, lindert das den Juckreiz. Wird der Neurokinin-1-Rezeptor inaktiviert, verringert sich der Juckreiz ebenfalls.
Die Substanz Dupilumab greift an den Interleukinen 4 und 13 an und stellt eine neue Alternative für schwere Formen der Neurodermitis dar.
Ustekinumab inaktiviert die Interleukine 12 und 23. Die Substanz hat sich bei der Behandlung der Psoriasis etabliert und hilft nun auch bei atopischer Dermatits.
Es gibt eine ganze Reihe weiterer neuer Wirkstoffe.

Die Schuppenflechte

Bei der Psoriasis sind die leichten Verlaufsformen mit den bisherigen Therapiemöglichkeiten gut zu behandeln.
Gegen die schweren Ausprägungen wurden früher das Immunsystem unterdrückende Medikamente wie z.B. Methotrexat oder Cyclosporin A verwendet. Die Nebenwirkungen konnten beträchtlich sein.

Die neue Epoche begann vor etwa 15 Jahren

Seit damals werden TNF (Tumor-Nekrose-Faktor)-Antagonisten eingesetzt. Diese blockieren - wie der Name sagt - den Tumor-Nekrose-Faktor, der die schweren Entzündungen vermittelt. Das war der erste Schritt in Richtung Behandlung der körpereigenen Entzündungsfaktoren.
Nun wurde jener Signalweg entschlüsselt, der den Krankheitsprozess überhaupt erst in Gang setzt, die sogenannte IL-23/IL-17-Achse. Es handelt sich ebenfalls um Interleukine, die eben die Entzündung anfachen.

Eine wahre Flut an Medikamenten

In den vergangenen Jahren wurde eine Reihe von Antikörpern entwickelt, die diese Abläufe günstig beeinflussen. Es handelt sich um Substanzen mit komplizierten Namen wie Ustekinumab, die beiden gegen Interleukin 17A wirksamen Antikörper Secukinumab und Ixekizumab sowie Brodalumab, der den Interleukin-17-Rezeptor blockiert.
Die neueste Substanz ist der Interleukin-23-spezifische Antikörper Guselkumab.
Alle diese Medikamente wirken gut bis ausgezeichnet. Das Nebenwirkungsprofil ist ebenfalls akzeptabel.

Moderation: Univ.-Prof. Dr. Markus Hengstschläger
Sendungsvorbereitung: Dr. Christoph Leprich

Reden auch Sie mit! Wir sind gespannt auf Ihre Fragen und Anregungen. Unsere Nummer: 0800/22 69 79, kostenlos aus ganz Österreich.

Haben Sie Neurodermitis oder Psoriasis?

Wie reagiert die Umwelt auf Sie?

Welche Therapien wirken bei Ihnen?

Sind Sie schon mit einem der neuen Medikamente behandelt worden?

Service

Prim. Univ.-Prof.in Dr.in Beatrix Volc-Platzer
Hautärztin, Humangenetikerin, Angiologin
Sozialmedizinisches Zentrum Ost - Donauspital
Vorstand der dermatologischen Abteilung
Langobardenstraße 122
1220 Wien
+43/1/288 02/4102
E-Mail
Homepage

o. Univ. Prof. Dr. Georg Stingl em.
Hautarzt und Immunologe
Medizinische Universität Wien
Uniklinik für Dermatologie
Währinger Gürtel 18-20
1090 Wien
Tel: +43/1/403-69-33
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