Brennende Kerze auf einem verschneiten Ast

APA/BARBARA GINDL

Bischof Hermann Glettler über Stille Nacht, Heilige Nacht

"Stille Nacht, Heilige Nacht". Gedanken über ein soziales und mystisches Glaubenslied, das vor 200 Jahren komponiert wurde, macht sich Hermann Glettler, Bischof der katholischen Diözese Innsbruck. - Gestaltung: Alexandra Mantler

Oftmals wird das vorweihnachtliche Shopping angeprangert - manchmal mit Recht, nicht selten auch mit einem falschen Pathos. Ich sehe das gelassener. Am Ende des Tages weiß es jeder: Glück lässt sich nicht kaufen. Liebe lässt sich nicht kaufen. Gott lässt sich nicht kaufen. Das Wesentliche im Leben kann man ökonomisch nicht darstellen.

Viel problematischer scheint mir, dass unser ganzes Leben zum großen Geschäft verkommen ist. Alle Lebensbereiche, inklusive Partnerschaften und Freizeit müssen optimiert werden - größere Leistung, mehr Erfolg, bessere Unterhaltung, mehr Erlebnis, höhere Attraktivität! Dieser Optimierungswahn treibt uns in die Erschöpfung. Unser Leben ist doch mehr als nur Geschäft! Nur die Liebe macht es kostbar.

"Stille Nacht" - das populär-mystische Lied betrachtet in jeder Strophe das "himmlische" Kind. Obwohl es kein Wunschkind ist und in keinem tollen Ambiente zur Welt kam, erobert es unser Herz. "Oh wie lacht, lieb aus deinem göttlichen Mund." Das Kind blickt uns an. Die alles belebende Liebe, die wir Gott nennen, in Person. Versuchen wir, diesen Blick auszuhalten. Von einem Neugeborenen geht keine Gewalt aus, kein raffiniertes Geschäftsinteresse, nur absichtslos, "lachende" Liebe.

Aus dem "göttlichen" Mund des erwachsenen Jesus werden Worte kommen, die ebenso Ausdruck dieser Liebe sind: "Geh, auch ich verurteile Dich nicht! Selig, die arm sind vor Gott! Selig die Nicht-Gewalttätigen! Fürchte dich nicht! Steh auf!" Worte, die trösten, aber auch provozieren, wie jene gefährliche Ansage im Tempel: "Macht dieses Haus meines Vaters nicht zu einer Räuberhöhle!" Gemeint hat er nicht nur das jüdische Heiligtum, sondern das Innere jedes Menschen. Es soll Wohnung sein für Gott und nicht Marktplatz.

Ich nehme mir vor, in der Geschäftigkeit des heutigen Tages, immer wieder an den entscheidenden Blick zu denken. Ich darf sein, weil ich Gottes Ansehen habe.

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Playlist

Komponist/Komponistin: Traditional
Bearbeiter/Bearbeiterin: George Shearing
Album: SANTA'S BAG - AN ALL-STAR JAZZ CHRISTMAS
Titel: Away in a manger/instr.
Ausführender/Ausführende: George Shearing /Piano
Ausführender/Ausführende: Louis Stewart /Gitarre
Ausführender/Ausführende: Allan Ganley /Drums
Ausführender/Ausführende: Neil Swainson /Bass
Länge: 03:18 min
Label: Telarc CD 83352

Sendereihe

Gestaltung

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