Spiegelungen

APA/AFP/DPA/PETER STEFFEN

Mein Avatar im Spiegel

1. Wie künstliche "Gesundheits-Zwillinge" unser Leben verändern könnten.
Gestaltung: Sylvia Andrews.

2. Nur mehr ein menschenloser Klimaschrank für Bilder? Das Kunstmuseum im digitalen Zeitalter.
Gestaltung: Andreas Maurer

1. Nicht nur in der Film- und Spielebranche übernehmen Avatare die Identität von Nutzern und Protagonisten, auch in der Medizin haben künstliche Kreaturen längst ihren Platz gefunden. Als virtuelle Gesundheits-Zwillinge simulieren sie zum Beispiel die physiologischen Vorgänge von Menschen und können so gesundheitliche Veränderungen aufzeigen oder auch Therapien und Vorsorgemaßnahmen veranlassen.

Vor allem als Unterstützung für ältere, allein lebende Menschen eröffnen die Potentiale dieser Technologie neue Möglichkeiten des medizinischen Handelns: vom interaktiven Badezimmerspiegel, der als Schalt- und Kommunikationsplattform an die Medikamenteneinnahme erinnert und nach der aktuellen Befindlichkeit fragt, bis zum Toiletten-Sensor, der automatisch Harnwerte misst und Auffälligkeiten an den Hausarzt oder an Angehörige meldet. So vielversprechend diese Technologie aufs Erste klingt, wirft sie auch viele Fragen auf, vor allem hinsichtlich der Privatsphäre und der Autonomie des Patienten.

Ist es wünschenswert, dass Avatare Entscheidungen treffen und Informationen an Familie oder Mediziner weiterleiten können? Wie kommen Angehörigen damit zurecht, und welche Pflichten und Rechte ergeben sich für sie daraus? Diesen und weiteren Fragestellungen widmen sich Grazer Wissenschafter/innen in einem interdisziplinären Forschungsprojekt, wie Sylvia Andrews erfahren hat.

2. Museen habe sich lange Zeit über sehr konservative Tugenden definiert: Sammeln, Bewahren, Ausstellen, Erforschen und Vermitteln. Zunehmend werden aber auch diese Horte der Vergangenheit von digitalen Erweiterungen durchdrungen.

Das Wiener Belvedere etwa besitzt 17.000 Werke. Nur 3-4% davon sind derzeit in den Ausstellungsräumen zu sehen. Kurz vor Jahresende ging das Belvedere mit knapp der Hälfte der Sammlung online, als Open Content. Hochaufgelöst stehen die Kunstwerke nun zum Download bereit und können ohne Einschränkungen vervielfältigt und bearbeitet werden. Vor allem die Forschung, die persönliche Beschäftigung mit einem Gemälde oder einer Skulptur und die Bedeutung der österreichischen Kunstgeschichte sollen damit gestärkt werden. Doch auf dem Weg zur "Kunsthalle der Zukunft" warten neben Chancen auch Risiken. Vor allem kleineren Museen fehlt es an finanziellen und personellen Ressourcen, um mit der Digitalisierung Schritt zu halten.

Museumsexpertinnen fragen sich aber auch, ob die Tempel der Kunst in Zukunft nur noch als Klimaschränke für die analogen Meisterwerke dienen und von einem rein virtuellen Museum abgelöst werden und was mit dem Kunstmuseum im digitalen Zeitalter insgesamt passiert.

Zu diesem Thema fand letzte Woche am Wiener Belvedere eine Konferenz mit über 20 internationalen RednerInnen statt. Andreas Maurer hat dabei u.a. mit ExpertInnen aus dem Wiener Belvedere, dem Grazer Universalmuseum Joanneum, dem Getty Research Institute Los Angeles sowie dem Rijksmuseum Amsterdam gesprochen.

Redaktion: Franz Zeller
Moderation: Wolfgang Ritschl

Service

Interviewpartner "Mein Avatar im Spiegel":

Bernhard Wieser / Sozialwissenschaftler /TU Graz
Ingeborg Holzer / Einsatzleiterin Volkshilfe Murtal
Martina Lang /Soziologin / TU Graz
Kurt Zatloukal / Med Uni Graz
modelling-health.at


Interviewpartner "Das digitale Museum":

Christian Huemer/ Hauptabteilungsleitung Research Center Österreichische Galerie Belvedere

Belvedere.at
Belvedere - Sammlung digital

Mag. Anita Brunner-Irujo/ Fachbereichsleitung Digitale Medien, Universalmuseum Joanneum
Museum Joanneum

Prof. Dr. Hubertus Kohle/ Institut für Kunstgeschichte, Ludwig Maximilians-Universität München (LMU)

Saskia Scheltjens, Head of Research Services, Rijksmuseum Amsterdam
Rijksmuseum.nl
Rijksmuseum-Sammlung online

Anne Helmreich/ Digital Initiatives, Getty Research Institute
Getty Museum Collection - online

Das digitale Bild. DFG-Schwerpunktprogramm an der LMU München

Digitale Lösungen im Arbeitsumfeld und Umgang mit Kunden (Museumsblog Joanneum)

Die Zukunft des Museums ist integrativ (ZukunftsInstitut 2014)

Mehr als heiße Luft? Digitale Strategien für Museen im Vergleich (Museum.Beckstage 2018)

Museum 4.0


Bücher:

Nina Simon: The Participatory Museum. (Museum 2.0, 2010)

Susanne Gesser/ Martin Handschin/ Angela Janelli/ Sibylle Lichtensteiger: Das partizipative Museum: Zwischen Teilhabe und User Generated Content. Neue Anforderungen an kulturhistorische Ausstellungen. (Schriften zum Kultur- und Museumsmanagement 2012)

Hubertus Kohle: Museen digital. Eine Gedächtnisinstitution sucht den Anschluss an die Zukunft. (Heidelberg University Publishing 2018)

Sendereihe