Karl Großschmidt

ORF/URSULA HUMMEL-BERGER

Karl Großschmidt und was Knochen über uns erzählen

Der Knochenmann. Die jenseitige Welt des Anthropologen Karl Großschmidt. Von Ernst Weber.

"Knochen lügen nicht", sagt Karl Großschmidt - und er muss es wissen. Wo Knochen untersucht werden, ist der weltweit anerkannte Anthropologe zugegen: Auf historischen Friedhöfen und antiken Gräberfeldern, in Gruften von Pfarrkirchen, in Kriegsgräbern oder beim Hausbau - wenn die Besitzer auf Zufallsfunde stoßen. In St. Pölten, am Domplatz, hat er bisher mehr als 17.000 Skelette untersucht.

Der Anthropologe stellt Alter und Geschlecht der Verblichenen fest, er kann erkennen, unter welchen Krankheiten sie litten, er sieht manchmal auch, woran sie starben. Und er zieht Rückschlüsse auf deren Lebensweise. Römische Gladiatoren etwa seien keine Muskelmänner, sondern dicke Vegetarier gewesen, die sich von Bohnen und Getreide ernährt hätten. Das hat er aus dem Gebein der Berufskämpfer aus einem Friedhof in Ephesos gelesen.

Knochen sind auch im privaten Alltag von Karl Großschmidt allgegenwärtig: Das Gebein des berühmten Minnesängers Neidhart von Reuental etwa untersuchte er daheim am Küchentisch, seine Familie begleitete ihn zu Grabungen in die Türkei. Sein Haus im Weinviertel wird ausgebaut - um Platz für Knochen zu schaffen, die an der Medizin Universität Wien nicht mehr gelagert werden können.

Ton: Anna Kuncio
Redaktion: Eva Roither

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