Gähnender Affe zeigt seine Zähne

AFP PHOTO / MATTHIAS HIEKEL

Was genau machen Mund-, Kiefer- und GesichtschirurgInnen?

Der große Radiodoktor Zahngesundheitsreport Teil 1: Von Fehlbildungen bis Knochenaufbau

Das Fach Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie (MKG) - ah ja, was machen die noch mal genau?
Dort, wo es für Zahnmediziner, HNO-Ärzte oder plastische Chirurgen zu sehr in die Tiefe geht, liegt das Tätigkeitsfeld der Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie.
Die Korrektur von angeborenen oder unfallbedingten Formveränderungen des Gesichts oder Anomalien des Gebisses, die Behandlung von Tumoren im Gesichts- und Halsbereich und der Aufbau von Kieferknochen sind einige der Hauptaufgaben dieser Disziplin.
Für die Betroffenen geht es dabei nicht nur um eine Wiederherstellung einer guten Kaufunktion, sondern vor allem auch um ästhetische Aspekte. So zählen etwa Lippen-Kiefer-Gaumenspalten - eine Erkrankung, die man früher noch despektierlich als "Hasenscharte" bezeichnet hat - zu den häufigsten angeborenen Fehlbildungen. Neue Operationsmethoden liefern in vielen Fällen zufriedenstellende Ergebnisse.

Vielfältiges Betätigungsfeld

Auch ein Fehlbiss, der nicht mit einer Zahnspange zu korrigieren ist, wird, in Zusammenarbeit mit der Kieferorthopädie, operativ behoben: Die orthognate Chirurgie sorgt, als Teilbereich der Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie, dafür, dass die Zahnreihen, etwa durch eine Operation an einem zu großen Oberkiefer (maxilläre Prognathie) bzw. einem zu kleinen Unterkiefer (Retromandibulie), aufeinanderpassen.
Da ein vorstehender Kiefer bzw. eine allzu große Nase nicht immer auch einen Krankheitswert haben, widmet sich die Kiefer- und Gesichtschirurgie auch jenen Patienten, die sich einem "Gesichtsdesign" unterziehen möchten. In diesen Fällen steigen die Krankenkassen naturgemäß meist aus.

Schwere Gesichtsverletzungen

Einen besonderen Stellenwert hat die chirurgische Rekonstruktion nach Unfällen oder Tumoren. Hier erfolgt die Wiederherstellung auch mit prothetischen Techniken bzw. der Transplantation von Muskeln, Fettgewebe oder Knochen.
Bei diesen meist überaus komplexen Operationen sind Computersysteme, die eine dreidimensionale Planung und die exakte Einpassung der Prothesen ermöglichen, unverzichtbar.
Neben den konventionellen bildgebenden Verfahren, wie Röntgen, CT oder MRT hat sich auch die digitale Volumentomografie etabliert. Dabei werden dreidimensionale Aufnahmen der Zähne, Kiefer und anderer Teile des Gesichtes angefertigt.

Implantate und Knochenaufbau

Letztlich sind Kieferchirurginnen und -chirurgen auch für Implantate zuständig. Die künstlichen Zahnwurzeln aus einem Ersatzmaterial, meist Titan, werden dabei in den Kieferknochen eingeschraubt und verwachsen mit diesem. Darauf können später dann Kronen, Brücken oder auch herausnehmbarer Zahnersatz befestigt werden. Voraussetzung ist jedoch eine ausreichende Menge von Kieferknochen. Denn ist ein Zahn nicht mehr an Ort und Stelle, schwindet auch der Knochen darunter. Bei einem solchen verstärkten Knochenverlust (Atrophie) muss vor dem Setzen eines Implantates ein Knochenaufbau durchgeführt werden, um den Kieferkamm zu verbreitern und dem Zahnersatz ausreichend Halt zu verschaffen. Ebenfalls eine Aufgabe, auf die sich die Kieferchirurgie spezialisiert hat. Mitunter muss das erforderliche Knochenmaterial aus anderen Bereichen des Körpers, etwa vom Beckenknochen oder der vorderen Schienbeinkante, entnommen werden. Auch hier greift man auf dreidimensionale Computermodelle zur Planung und Durchführung der Eingriffe zurück.

Moderation und Sendungsvorbereitung: Dr. Ronny Tekal
Redaktion: Dr. Christoph Leprich

Reden auch Sie mit! Wir sind gespannt auf Ihre Fragen und Anregungen. Unsere Nummer: 0800/22 69 79, kostenlos aus ganz Österreich.

Haben Sie sich schon einmal in die Hände der Kieferchirurgie begeben?
Haben Sie Beschwerden im Bereich der Kiefergelenke?
Welche guten (bzw. auch schlechten) Erfahrungen haben Sie mit Implantaten gemacht?
Hat Ihr Zahnarzt einen Kieferchirurgen beigezogen?
Musste bei Ihnen schon ein Knochenaufbau im Zuge eines Zahnersatzes durchgeführt werden?

Service

Ass. Prof.in Dr.in Gabriele Millesi
Fachärztin für Mund-, Kiefer-, und Gesichtschirurgie, Fachärztin für Zahnheilkunde, Vizepräsidentin der IAOMS (International Association of Oral and Maxillofacial Surgery)
Pfarrwiesengasse 18
Stiege 1, Tür 6
A-1190 Wien
Tel: +43/1/328 85 97
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Prim. Univ.-Prof. DDr. Franz Watzinger
Facharzt für Mund-, Kiefer-, und Gesichtschirurgie, Facharzt für Zahnheilkunde
Vorstand der Abteilung für Mund-, Kiefer-, und Gesichtschirurgie Universitätsklinikum St. Pölten
Karl Landsteiner Privatuniversität für Gesundheitswissenschaften
Dunant-Platz 1
A-3100 St. Pölten
Tel: +43/2742/9004/12840
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Österreichische Gesellschaft für Mund-, Kiefer-, und Gesichtschirurgie
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Aufgaben der Mund-, Kiefer-, und Gesichtschirurgie
Die häufigsten Zahn- und Kieferfehlstellungen
Zahnimplantat
Ästhetische Gesichtschirurgie
Eingriffe nach Unfällen
Zahngesundheit über Kiefer-Tumoren
Was kann die digitale Volumentomographie?
Informationen zu Lippen-Kiefer-Gaumenspalten (Gesundheitsministerium)
Informationen zu Implantaten und Knochenaufbau (Info-Medizin)

Thorsten Pfitzer, "Kiefer gut, alles gut", Riva Verlag 2018

Kirsten Kaspers, "Das andere Lächeln: Babys mit Lippen-Kiefer-Gaumenspalte", Zuckerschwerdt Verlag 2012

Jürgen Schmitter, "Wenn der Kiefer knirscht: Zähne, Kiefer, Kiefergelenk, Wirbelsäule",
Systemed Verlag 2017

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