Universalgelehrter spielt Beethoven

Royal Liverpool Philharmonic Orchestra, Dirigent: Vasily Petrenko; Stephen Hough, Klavier. Ludwig van Beethoven: Konzert für Klavier und Orchester Nr. 1 C-Dur op. 15 * Claude Debussy: a) Iberia aus "Images"; b) La Mer (aufgenommen am 22. März 2018 in der Philharmonic Hall, Liverpool). Präsentation: Peter Kislinger

Hough, Beethoven und "Love Me Do"

Stephen Hough wurde von Lokalzeitungen als Heimkehrer begrüßt, als er zwischen Februar und Juni 2018 mit dem 1840 gegründeten Royal Liverpool Philharmonic Orchestra in Liverpools Philharmonic Hall alle fünf Klavierkonzerte Beethovens spielte. Der 1961 in einer nordwestenglischen Kleinstadt geborene Pianist hatte in Liverpool seine erste Klavierstunde erhalten. Hough, der 2017 seinen ersten Roman - "The Final Retreat - veröffentlichte, war 2001 der erste Klassikinterpret, der das "Genie-Stipendium" der MacArthur Foundation in der Höhe von 500.000 US-Dollar zugesprochen bekam.

Hat der von "The Economist" als einer von "zwanzig lebenden Universalgelehrten" Ausgezeichnete so etwas wie eine Lieblingsmusik? Das zu beantworten, sagte er im "Culture Fix" der "Times" Ende Dezember 2018, wäre so, "als wollte man die Blätter auf den Bäumen im Londoner Hyde Park zählen - im Juni". Auf die Frage, welches Musikstück ihn zuletzt zu Tränen gerührt habe, hatte Hough allerdings eine Antwort parat: "Love Me Do" von den Beatles. Grund? Wegen der "Assoziationen und Nostalgie und Liverpool, wo ich viele Jugendjahre verbrachte, und der Vergänglichkeit und der sexuellen Revolution und der nicht verstärkten Instrumente. Diese Mundharmonika." All das habe ihn unerwartet getroffen, als er in einem Café in Liverpool eine Pilzsuppe schlürfte.


War Debussys "La Mer" englisch?

Auf Beethovens 1. Klavierkonzert, das seiner Entstehung nach sein zweites war, dirigierte Wassili Petrenko, seit 2006 Chefdirigent des Orchesters, zwei von Debussys effektvollsten Orchesterwerken. Den Schlusspunkt des Konzerts bildete die erste Symphonie von Claude Debussy - na gut, er hat diese drei symphonisch gearbeiteten Sätze mit "La Mer" überschrieben. Mit dem scheinbar nur so hingeworfenen Untertitel "Drei symphonische Skizzen" sollte ja wohl angedeutet sein: Symphonie, aber nicht so ganz wie die seiner Vorgänger, doch eine "Symphonische Dichtung" mit detailliertem Programm sollte es nun auch wieder nicht sein. Diesen wunden Punkt erwischte Komponistenkollege Erik Satie, der den Titel des 1. Satzes - "Von der Morgendämmerung bis zum Mittag auf dem Meer" - bekanntlich spöttisch kommentierte: Besonders gefalle ihm der Abschnitt von halb elf bis dreiviertel elf (für nicht Nichtwiener: viertel vor elf). Der 2. Satz " Spiel der Wellen" und der 3. Satz, "Dialog des Windes und der Meeres" blieben von Spott verschont. Übrigens hat Debussy "La Mer" tatsächlich mit echtem Seeblick fertig gestellt: nicht in Frankreich, sondern in England, im Grand Hotel in Eastbourne.

Sendereihe

Gestaltung

Playlist

Komponist/Komponistin: Ludwig van Beethoven/1770 - 1827
Titel: Konzert für Klavier und Orchester Nr.1 in C-Dur op.15
* Allegro con brio - 1.Satz
* Largo - 2.Satz
* Rondo - 3.Satz
Klavierkonzert
Solist/Solistin: Stephen Hough, Klavier
Orchester: Royal Liverpool Philharmonic Orchestra
Leitung: Vasily Petrenko
Länge: 31:53 min
Label: EBU

Komponist/Komponistin: Claude Debussy/1862 - 1918
Titel: Iberia - Nr.2 aus "Images pour Orchestre"
* Par les rues de par les chemins - 1.Satz
* Les parfums de la nuit - 2.Satz
* Le matin d'un jour de fete - 3.Satz
Orchester: Royal Liverpool Philharmonic Orchestra
Leitung: Vasily Petrenko
Länge: 20:22 min
Label: EBU

Komponist/Komponistin: Claude Debussy/1862 - 1918
Titel: La Mer - drei symphonische Skizzen
Anderssprachiger Titel: Das Meer
* De l'aube a midi sur la mer
Anderssprachiger Titel: Von der Morgendämmerung bis zum Mittag auf dem Meer
* Jeux des vagues
Anderssprachiger Titel: Spiel der Wellen
* Dialogue du vent et de la mer
Anderssprachiger Titel: Zwiesprache des Windes mit dem Meer
Orchester: Royal Liverpool Philharmonic Orchestra
Leitung: Vasily Petrenko
Länge: 24:30 min
Label: EBU

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