Hommage an die Schwierigen

Sepp Dreissinger: Immer noch Frost

"Die Schwierigen. Portraits zur österreichischen Gegenwartskunst" hieß ein Buch, das Sepp Dreissinger 1986 gemeinsam mit Ingrit Seibert veröffentlichte. Und wenn der Fotograf und Buchautor "schwierig" sagt, meint er das als Kompliment für ganz besondere Künstler: Elfriede Jelinek gehört dazu, Hermann Nitsch, Friedrich Gulda, Thomas Bernhard und wenige andere.
Anlässlich des 30. Todestags von Thomas Bernhard in dieser Woche hat Dreissinger soeben den Band "Immer noch Frost" und dazu einen Kalender mit ausgewählten Bildern von Bernhard veröffentlicht. "Frost" war Thomas Bernhards erster Roman. Sepp Dreissingers im Album Verlag erschienenes Buch "Immer noch Frost" enthält 26 Betrachtungen dazu: Sigrid Löffler, Claus Peymann, Bruno Ganz, Walter Henisch, Josef Winkler u.v.a. äußern sich darin zum Wirken des 1989 verstorbenen Schriftstellers.

Auch mit dem Pianisten und Komponisten Friedrich Gulda verband Dreissinger eine innige Freundschaft - ein gemeinsame Musikaufnahme gibt Zeugnis davon: Concerto for Ursula heißt das Stück, in dem Sepp Dreissinger gemeinsam mit Gulda musiziert.-

Es sei die Musik, so Sepp Dreissinger, die ihm Zugang zu den von ihm verehrten Künstlern verschaffe, und Musik spielte auch eine Rolle in der Freundschaft, die ihn mit Maria Lassnig verband. Der Fotograf hat die Malerin u.a. im Buch "Maria Lassnig. Gespräche und Fotos" sowie im Film "Es ist Kunst, jaja" auf berührende Weise porträtiert.

Keiner wolle mehr ein Risiko für die Kunst eingehen, meinte Sepp Dreissinger einmal und erklärt dies damit, dass bei kreativer Arbeit heute allzu oft ausschließlich marktstrategisches Denken im Vordergrund stehe. Um schöpferisch tätig zu sein, bedarf es jedoch vollkommener existenzieller Hingabe. Seine sogenannten "schwierigen" Künstler, so der Fotograf und Autor Sepp Dreissinger, haben für die Kunst ihr ganzes Leben riskiert.- Gestaltung: Christa Eder


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