Karfreitag: Nicht Fisch, nicht Fleisch?

Karfreitag: Religionsvertreter enttäuscht über "halben Feiertag" +++ Das Kreuz mit dem Populismus +++ Am Strich in Linz - Caritas unterstützt Prostituierte. Dieser Beitrag kann aus rechtlichen Gründen nicht zum Nachhören angeboten werden. - Moderation: Alexandra Mantler

1. Karfreitag: Religionsvertreter enttäuscht über "halben Feiertag"

"Nicht Fisch, nicht Fleisch", konnte man gestern etwa auf Twitter lesen in Bezug auf die neue Feiertagsregelung für den Karfreitag in Österreich. Der Karfreitag soll ja künftig ein "halber Feiertag" - nämlich ab 14 Uhr - für alle Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer werden. Für Evangelische und Altkatholiken bedeutet das eine Verschlechterung, hatten sie doch bisher den ganzen Tag frei. Der Karfreitag, an dem des Kreuzestodes von Jesus Christus gedacht wird, hat einen besonders hohen Stellenwert für evangelische Christinnen und Christen. Er ist aber auch für Katholikinnen und Katholiken von zentraler theologischer Bedeutung. "Das öffentliche Versprechen von Minister Gernot Blümel, dass bei der neuen Regelung keinem etwas genommen werden soll, kann ich hier nicht erkennen", zeigt sich der evangelisch-lutherische Bischof Michael Bünker enttäuscht vom Ergebnis der wochenlangen Diskussionen. Heinz Lederleitner, Bischof der altkatholischen Kirche, sieht in der Halbtagslösung "eine halbe Sache", keinesfalls aber eine befriedigende Lösung. Aber auch die katholische Kirche, beziehungsweise die jüdische Kultusgemeinde und die Islamische Glaubensgemeinschaft zeigen sich wenig begeistert von dieser neuen Regelung, und auch Religionsrechtler sind skeptisch, ob dies eine tragfähige Lösung darstellt. Schon der heurige Karfreitag am 19. April soll ein halber Feiertag für alle Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer werden. - Gestaltung: Kerstin Tretina


2. Das Kreuz mit dem Populismus

Christliche Werte und Populismus seien eigentlich ein Gegensatz, doch Versatzstücke christlichen Glaubens würden in vielen Ländern Europas zunehmend von populistischen Parteien vereinnahmt, meint der französische Politologe Olivier Roy. Er war zu Gast bei einer mehrtägigen soziologischen Forschungskonferenz der Österreichischen Akademie der Wissenschaften über Wertefragen, religiöse Identität und Populismus in Europa. Nach Büchern über politischen Islam und Islamismus hat sich Roy in seinem eben erschienen Buch "L'Europe est-elle chrétienne?", also "Ist Europa christlich?", mit der zunehmend säkularen Gesellschaft in Europa und ihrer komplexen Beziehung zum Christentum auseinandergesetzt. - Gestaltung: Lena Göbl


3. Am Strich in Linz - Caritas unterstützt Prostituierte

"Lange Zeit konnte ich keine Arbeit finden und dann leider - oder soll ich sagen: Gott sei Dank - hat man mir angeboten, in einem Bordell zu arbeiten", sagt eine der Frauen in der Reportage von Maria Harmer. 600 - 800 Prostituierte gibt es offiziell in Oberösterreich, die Dunkelziffer ist aber höher. Sexarbeiterinnen und -arbeiter erleben im Alltag vielfach Ausgrenzung, Diskriminierung, Stigmatisierung und Kriminalisierung. Das Projekt LENA der oberösterreichischen Caritas ist eine Beratungsstelle in Linz für Menschen, die in der Prostitution arbeiten oder gearbeitet haben. Die Türen von LENA stehen allen offen, egal, ob und zu welcher Religion sie sich bekennen, unabhängig davon, aus welchem Land sie stammen, welcher sexuellen Orientierung und Identität sie sich zugehörig fühlen und unabhängig davon, ob sie registriert oder nicht registriert sind. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter unterliegen der Verschwiegenheitspflicht. Ein bisschen Sicherheit in einer unsicheren Lebenssituation. - Gestaltung: Maria Harmer

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