Menschen vor Riesenbüchern

APA/dpa-Zentralbild/Hendrik Schmidt

Sachbücher im Juli

Die monatlich erscheinende Sachbuch-Bestenliste der Medienpartner "Die Literarische Welt", Radiosender WDR 5, "Neue Zürcher Zeitung“ sowie Ö1.

Unabhängiges Gremium

Unsere Liste wird von einem unabhängigen Gremium erstellt, dem Fachjournalisten und renommierte Publizisten angehören, darunter Wissenschaftler wie Herfried Münkler und Jochen Hörisch. Das Gremium, das ab Januar noch erweitert werden wird, ermittelt monatlich zehn Bücher auf Basis von Punkten. Jeder Juror, jede Jurorin kann 8, 6, 4 oder 2 Punkte für vier Bücher vergeben.

1. Hans-Peter Müller

"Max Weber - Eine Spurensuche", Suhrkamp Verlag (stw), 484 Seiten

2. Markus Gabriel

"Fiktionen", Suhrkamp Verlag, 636 Seiten

3. Robert Pfaller

"Die blitzenden Waffen - Über die Macht der Form", S. Fischer Verlag, 282 Seiten

4. Helmut Böttiger

"Celans Zerrissenheit - Ein jüdischer Dichter und der deutsche Geist", Galiani Berlin Verlag, 208 Seiten

ex aequo, Volker Ullrich

"Acht Tage im Mai - Die letzte Woche des Dritten Reiches", C. H. Beck Verlag, 317 Seiten

6. Alexander Kluge

"Russland-Kontainer", Suhrkamp Verlag, 444 Seiten

7. Robert J. Shiller

"Narrative Wirtschaft. Wie Geschichten die Wirtschaft beeinflussen - ein revolutionärer Erklärungsansatz. Übersetzt von Philipp Seedorf, Plassen Verlag, 480 Seiten

8. Binyamin Appelbaum

"Die Stunde der Ökonomen - Falsche Propheten, freie Märkte und die Spaltung der Gesellschaft", übersetzt von Martina Wiese, S. Fischer Verlag, 552 Seiten

9. Jane Bennett

"Lebhafte Materie - Eine politische Ökonomie der Dinge", übersetzt von Max Henninger, Verlag Matthes & Seitz, 271 Seiten

10. Gerd Hankel

"Das Dilemma: 'Entwicklungshilfe' in Afrika - Ein Erfahrungsbericht", zu Klampen Verlag, 150 Seiten

Dass Bewegungen des Kehlkopfes Laute erzeugen, die sich dem Gegenüber als Zeugnisse der gesamten Persönlichkeit mitteilen, ist das Wunder der Lautsprache. Es findet seine höchste Form im Vortrag, und dessen wiederum anspruchsvollstes Ereignis ist die Wiedergabe von Literatur. Das über 1000 Seiten umfassende Buch des Potsdamer Professors für Literaturwissenschaft Reinhart Meyer-Kalkus erschließt die Geschichte dieser literarischen Vortragskunst. Sie reicht von den antiken Rhapsoden über Friedrich Gottlieb Klopstock bis zu Peter Handke und Klaus Kinski und schließlich zum Poetry Slam unserer Tage. Bestechend ist der Nachweis, wie mit dem minimalen Einsatz der Stimme ein Kosmos von körperlicher Kommunikation erzeugt werden kann, der über die Mimik und die Körpersprache auch das Sehen einbezieht. Darin zeigt sich der literarische Vortrag als ein Modell aller Geschehnisse, die das Individuelle als ersehnte Kollektivform begreifen. Das opus magnum von Meyer-Kalkus ist daher auch ein Buch zur Krise der jüngeren Zeit: dem Verlust der körperlichen Begegnung.(Horst Bredekamp)

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