Die Ö1 Fundgrube

Was hat 1967, das Gründungsjahr von Ö1 bewegt? Und was davon ist heute noch in Betrieb? Wir sammeln Erinnerungen, Erzählungen und Fundstücke aller Art: Als Texte und Bilder, kurze Audios und Videos, die Sie hier für die "Ö1 Fundgrube" hochladen können.

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1967

hermano58 - 21. März 2017, 16:39

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Volksschule

1967 besuchte ich die 3. Klasse Volksschule im innviertlerischen Sauwald. Unser Schulweg war 5 km lang durch Wald und Wiesen. Es gab noch keinen Schulbus und wir bewältigten diese Strecke jeden Tag hin und zurück. Da hieß es um halb sieben in der Früh von zu Hause weg gehen. Nach einer guten Stunde Schulweg und viel Spaß mit einer Menge anderer Kinder wartete ein gestrenger Direktor (der noch am Leben ist) mit einem Holzstab vor dem Schultor um die Fingernägel und die Hände allgemein auf ihre Sauberkeit zu überprüfen. Da gabs natürlich oft was mit dem Staberl auf die Finger, auf dem Schulweg war ja schon so manches manuell zu erledigen und die "Pratzerl" dann nicht mehr so sauber. Ich hatte immer das Gefühl es war ein richtiger Genuss für den Herrn Direktor, wenn er wieder einen ertappt hatte und ihm so richtig mit dem Staberl auf die Finger schlagen konnte.
Das ist eine meiner Erinnerungen an das Jahr 1967.
Ö1 hörte ich damals noch nicht, dafür heute um so lieber. Ich hoffe der Sender bleibt uns noch lange in der jetzigen Form erhalten und wünsche mir noch viel mehr Ö1-Hörer. Das täte der Allgemeinbildung im Land gut. Das Programm hebt sich ja wohltuend vom übrigen "Pallawatsch" ab. Meine Frau ist übrigens auch Baujahr 1967 und feiert heute ihren 50er. Ich wünsche ihr und Ö1 alles Gute für die nächsten 50 Jahre.

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1967 - Die Wende

ros23 - 17. April 2017, 17:01

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Mit dem Erwerb der ersten elektrischen Nähmaschine 1967 brach für mich ein neues Näh-Zeitalter an.

Während meiner Kindergartentage stand unsere Pfaff Nähmaschine in meinem Zimmer, gleich hinter meinem Bett. Wollte man damit nähen, musste man die Flügel des Möbels, in das sie eingebaut war, öffnen, die Nähmaschine herausklappen und fixieren. Dann stand sie auf dem Tisch, schwarz-golden glänzend, Star meines Zimmers. Wie liebte ich es, wenn sich meine Mutter mit einer Näharbeit dazusetzte und mit ihren Füßen das gusseiserne Pedal trat, wenn sich oben die Nadel Stich für Stich durch den Stoff fraß und eine gestrichelte Spur hinter sich herzog.
Später, als ich größer war und mit meinen Füßen das Pedal erreichte, durfte auch ich auf der Maschine nähen, meine Puppen bekamen phantasievolle Outfits, während meine Mutter uns Kindern weiterhin Blusen und Röcke, Sommerkleider und Schihosen anfertigte.
Es war im Jahr 1967, als meine Mutter und ich uns ins Nähmaschinengeschäft unserer Stadt aufmachten und uns verschiedene elektrische Modelle vorführen ließen. Wir entschieden uns für eine Bernina in zartem Gelbgrün und bekamen gleich eine Einführung in ihre Geheimnisse. Mir blieb der Mund offen stehen, es war unglaublich, was diese Maschine alles konnte! Sie nähte nicht nur vor, sondern auch zurück und schaffte spielend Zickzackstiche in verschiedenen Längen und Breiten… Man konnte Nähfüße abmontieren, neue einsetzen und damit Zippverschlüsse an Kleidungsstücke nähen, Knopflöcher anfertigen, Knöpfe aufnähen oder Zierstiche in vielen Variationen herunterrattern. Sogar die Zähnchen für den Weitertransport des Stoffes ließen sich versenken, sodass man den Stoff dann selber beliebig hin- und herschieben konnte… Ein Quantensprung!
Zu Hause saß ich tagelang an der neuen Bernina und probierte alles aus. Bald war ich Expertin und gab mein Wissen stolz an meine Mutter weiter, die viele Einzelheiten schon wieder vergessen hatte. Mit dieser Nähmaschine begann auch ich, mir einfache Kleidungsstücke zu nähen. Eine neue Welt hatte sich aufgetan!
Das Nähen begleitet mich noch heute. Als Textilkünstlerin entwerfe und nähe ich Patchworkarbeiten und Quilts, beteilige mich an Ausstellungen im In- und Ausland und gebe mein Wissen in Kursen und Workshops weiter. Andere elektrische Nähmaschinen sind dieser ersten gefolgt, ich selbst besitze inzwischen mehrere davon. Die Bernina meiner Mutter gibt es immer noch, sie kommt zwar schon ein wenig altmodisch daher, arbeitet aber verlässlicher als manche modernen Maschinen. Nur die alte Pfaff steht heute vergessen im Abstellraum unseres Großelternhauses und setzt Staub an.

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1967 - Jahr der Begegnungen

grunzo - 31. März 2017, 11:32

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Eine Erinnerung an eine wesentliche LP

Selten in der kurzen Zeit eines Jahres habe ich so viele faszinierende Menschen getroffen, wie in diesem fantastischen Jahr 1967. Gleich am Eingangsportal, bunt und wild bevölkert, traf ich Oskar Wilde und Marilyn Monroe, Oliver Hardy und Karl Marx, Albert Einstein und Aldous Huxley, Dylan Thomas und Johnny Weißmüller und und und…….Aber all diese teilweise bunten und teilweise farblosen Gesichter starrten mich nur an, ohne mit mir zu reden. Marlene Dietrich blickte in einer seltsamen Erwartungshaltung aus einem gelbseidenen Hosenanzug zu mir rüber, Alastair Crowley versuchte mich zu hypnotisieren, Dr. Livingstone starrte unverwandt in etwas, das er unmöglich einen afrikanischen Himmel nennen konnte. Doch ich ließ die schweigende Schar hinter mir.
Plötzliche Stille. Nur von einem leisen Gekratze unterbrochen. Natürlich werde ich die Show genießen. Und dann traf ich Billy Shears. Er eröffnete mir, gänzlich ohne Larmoyanz und eher trocken, nicht besonders bewegt, wie wichtig es sei gute Freunde zu haben. Aber das habe ich mir so ähnlich schon gedacht. Doch dann begegnete mir Lucinda McRainbow. Und das war, was eigentlich? Das gegenteil von ernüchternd?. Ich saß in einem leise dahingleitenden Ruderboot auf dem Doone River, Ye Banks and Braes oh Bonny Doone, wollte gerade ein Selfie mit mir, dem Fluss und blühendem Ginster machen, als ihr rosa - violtett, nein lila - himmelblaues, momentmal lindgrün - zitronenfaltergelbes,??? - eigenartig das Boot, in dem sie saß, wechselte dauernd die Farben. Fasziniert starrte ich hinüber und ich weiß nicht wie, plötzlich verwandelten sich die Ufer des Doone in verpackte Cellophanufer, als wären die Bäume, Sträuche und Blumen in ein gigantisches Blumenarrangement von "The British Garden" verwandelt, oder bloß von Lewis Carrol erfunden. Ich sah noch, wie sich die Farbenvielfalt der untergehenden Sonne als Reflexe des Wassers in den geweiteten Augen von Lucinda McRainbow spiegelten, dann trieb ich weiter. Doch eine leise Ahnung in mir, flüsterte, es könne ja nur besser werden. Und dann traf ich den "Lochmann". Keine Ahnung, wie er wirklich hieß, keine Ahnung, ob es durch ihn wirklich besser werden würde, obwohl schon etwas dran ist, wenn da einer im Lotussitz im strömenden Regen sitzt und den Gully anstarrt. Es hatte durchaus etwas Kontemplatives, aber sicher war ich mir nicht. Dann trat ich durch eine Türe, deren Ritzen gerade verspachtelt worden waren und stand auf einer dieser endlos langen Suburb Roads, die aussehen, als stünde man zwischen zwei Spiegeln und sähe in beiden Spiegeln ein Objekt ins Unendliche gespiegelt. Ich hatte so etwas schon einmal in einem Monty Python Film gesehen. Lauter graubraune, völlig gleich aussehende einstöckige Reihenhäuser, mit jeweils einer dreistufigen Treppe, die von abblätternden Türen zum grauschwarzen Trottoir führten. Ein älteres Paar stand in einem offenen Eingang. Er strich sich über die Halbglatze, sie weinte leise und unaufhörlich. Ihre Blicke waren auf das Fadenkreuz zwischen Horizontlinie und der sich ins Indifferente verlierenden Straße fixiert. Ganz kurz gegen den grauen Hintergrund vermeinte ich noch eine ferne, sich in den Hüften wiegende, schlanke Gestalt zu erkennen, aber das war vermutlich ein Trugbild.
Ich bog bald rechts ab und stand in einem Vorstadtszenario von beifußumrankten Planken, alten Wohnwägen und in der Mitte, ein alter Pitch - sicher immer nur von Halbwüchsigen zum Fußballspiel genutzt. Doch heute schien das anders zu sein. Über dem buckligen Fußballfeld spannte sich ein rot gelbes Zelt, ein Zirkus - und die alten Wohnwägen gehörten natürlich dazu! Ich trat an einen bärtigen Gentlemen heran, der in einer rotgelben Zirkusuniform etwas fast Militärisches ausstrahlte. Knapp stellte ich mich als Mr. Blanque vor. Er antwortete ebenfalls kurz, fast abgehackt, ganz wie ein Hauptmann: Kite! Nett, sie zu treffen. Halten sie hier heute eine Vorstellung ab, gab ich eher unterwürfig von mir. Ja, Sir. Und es ist die Letzte. Morgen, samstags, müssten sie schon in Bishopsgate spielen. Dort sei doch alles so verbaut, wo können man denn einen Zirkus aufstellen, wollte ich wissen. Eben, es handelt sich auch um ein verkürztes Programm, sie müssen uns schon heute besuchen, wenn sie alles sehen wollen. OK, oK gab ich ihm eine vorläufige Bereitschaft meinerseits zu verstehen. Was denn die Highlights ihrer Vorstellung seien? Kite antwortete sofort, er, natürlich. Als ehemaliger Staatsmeister am Trampolin springe er fast bis an die Zirkusdecke, doch da seien noch die grandiosen Hendersons, Tänzer von Gottes Gnaden. Doch der Star des Abends, der Publikumsliebling, das sei Henry, ein weißer Hengst, der das Auditorium zu Begeisterungsstürmen enflammiere. Übrigens sei er von Geburt Franzose, so wie sein ehrenwertes Gegenüber - er meinte mich - und man könne diesen Namen Henry durchaus auch französisch aussprechen, so wie Henry Quatorze oder den 15., den 16. - ich wisse doch, er meine es nicht anzüglich. Nun gut, ich kaufte ihm eine Karte für den heutigen Abend, 19 Uhr, ab, doch es war erst genau 11h am.
Aus einem Shop in Camden Town drang der Rauch von Räucherstäbchen. Eine große Leere befiel mich. Des nächsten Herz bedeutet Unerreichbarkeit. Aber nein. Da, in dem kleinen Park saßen inmitten eines abgelatschten Wiesenstücks ein paar Senioren und spielten Schach und Schwarze Johanna auf einigen wenigen eng zusammenstehenden Bänken. Ein kleiner, drahtiger Schnauzbart erspähte mich und lud mich auf einen Drink ein. Gordon sei eben 64 Jahre alt geworden. Drei Kinder kamen angelaufen. Eines hatte ein kleines Geschenkpaket in der Hand. Die kleine Vera, ein brauner Ponykopf, gratulierte dem Großvater verschmitzt, während die zwei Hosenmatze, Chuck und Dave verstohlen versuchten, sich ein paar Shortbreads vom hohen Tisch zu grapschen. Jemand grüßte laut und übertrieben "Guten Morgen". Irgendwie schwang da sogar ein Kikereki mit. Weder passend noch lustig. Aber es war oK. Dann hörte ich das zweitemal eine Blasmusik, die von einem Oberwachtmeister mit knappen Gesten dirigiert wurde, bevor ich in die Stille der Guildhall Library eintrat. Ich war in Londons Zentrum angekommen. Mein leichtes Schnaufeb besorgt unterdrückend setzte ich mich an einen der runden Lesetische und schlug den "Guardian" auf, den ich mir vom Zeitungsständer geholt hatte. Tara Browne war mit 160 km/h die nicht gerade breite Earls Court Road hinabgedonnert und gegen einen Truck gekracht. Sein Vater Dominick Brown, der vierte Baron von Oranmore und seine Mutter Oonagh Guiness, die jüngste der drei "Golden Guiness Girls" nahmen die Meldung in gefasster Trauer entgegen. Eine Filmkritik zerriss einen Antikriegsfilm und in Blackburn, Lancashire stellte man 4000 Löcher in den Straßen der Stadt fest. Irgendein kurzsichtiger Spaßvogel wollte den Leuten weißmachen, dass diese 4000 Löcher alle und zwar genau alle in die Royal Albert Hall hineinpassen würden. Ha, ha, ha.
Na, ja ein gewöhnlicher Tag im Leben, halt.

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1967 - als alles begann

koehlmeiero - 4. Juli 2017, 06:15

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Der Widerstand gegen das Alte und die Alten - vom braven, konservativ und katholisch erzogenen kleinen Buben zum linken Rebellen.

1967. Ich wurde 18. Und begann, gegen das Alte und die Alten aufzubegehren. Obwohl Vorarlberger – streng, katholisch und konservativ erzogen – spürte ich, dass es da noch etwas Anderes gab, nicht nur „das Ländle“, die Kirche und die ÖVP. Angeregt von „Bravo“ und „Radio Luxemburg“, von Berichten im Fernsehen und der Kino-Wochenschau, von der Nähe zu München und Zürich, ließ auch ich mir die Haare wachsen, begann auch ich mich anders zu kleiden, erlaubte auch ich mir, Fragen zu stellen und ein klein wenig anders zu denken als Eltern, Lehrer und Pfarrer dies vorgaben. Und es sollte nicht lange dauern, bis ich von einem Extrem ins andere fiel: von Karl May zu Karl Marx, von der Bibel zum „Kapital“, vom „schaffa, schaffa, Hüsle baua“ zu „ho-ho-ho-tschi-minh“. Und es verließ, das Ländle. Damals: 1967 ... als alles begann.

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1967 - das Jahr meiner Geburt

susannedrothler - 20. März 2017, 15:37

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Nicht nur Ö1, auch ich habe im Jahr 1967 das Licht der Welt erblickt

Ich freue mich ganz besonders, dass ich das gleiche Baujahr wie mein Lieblingssender habe. Und kann auch mit Fug und Recht behaupten, dass ich nicht nur immer noch, sondern mehr denn je in Betrieb bin. Und mein ganz spezieller Lebensbetrieb ist seit vielen Jahren auf's Engste mit Ö1 verbunden. In diesen 50 Jahren waren es unzählige Journalsendungen, die mich begleitet haben. Dann kamen Herzenssendungen, wie »Diagonal«, die Jazznacht, die »Jet Lag All Stars Radio Show«, das »Nachtquartier«, das »Ö1-Quiz« und viele, viele andere dazu.

Ö1 hat mir sehr persönlich eindrucksvolle Momente beschert, wie zB die Teilnahme als Kandidat an der Livesendung des Ö1-Quiz' im Schloss Eggenberg im September 2015. Oder gerade vorige Woche die Erfüllung meines Musikwunsches im »Nachtquartier«.

Ich wünsche Euch allen und auch mir einen schönen 50. Geburtstag und mindestens 50 weitere erfüllende Jahre!

Liebe Grüße
Susanne Drothler

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1967 ... als alles begann

koehlmeiero - 13. Juli 2017, 06:29

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1967

1967. Ich wurde 18. Und begann, gegen das Alte und die Alten aufzubegehren. Obwohl Vorarlberger – streng, katholisch und konservativ erzogen – spürte ich, dass es da noch etwas Anderes gab, nicht nur „das Ländle“, die Kirche und die ÖVP. Angeregt von „Bravo“ und „Radio Luxemburg“, von Berichten im Fernsehen und der Kino-Wochenschau, von der Nähe zu München und Zürich, ließ auch ich mir die Haare wachsen, begann auch ich mich anders zu kleiden, erlaubte auch ich mir, Fragen zu stellen und ein klein wenig anders zu denken als Eltern, Lehrer und Pfarrer dies vorgaben. Und es sollte nicht lange dauern, bis ich von einem Extrem ins andere fiel: von Karl May zu Karl Marx, von der Bibel zum „Kapital“, vom „schaffa, schaffa, Hüsle baua“ zu „ho-ho-ho-tschi-minh“. Und es verließ, das Ländle.

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1967 ... im Englischen Garten in München

koehlmeiero - 8. Juli 2017, 11:08

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jpg - münchen 67

Juli 1967. Ein Schulfreund und ich beschlossen, in den Sommerferien für ein paar Tage nach München zu trampen. Wir waren beide 17, bald 18. Trotzdem durften unsere Eltern nichts von unseren Plänen wissen. Man stelle sich das vor. Heute marschieren achtjährige von Syrien bis England, von Afghanistan bis Schweden. Unbegleitet. Unsere Eltern hätten uns – Siebzehnjährigen - niemals erlaubt, die nicht mal 200 Kilometer von Vorarlberg bis München zu trampen. Also sagte ich meinen Eltern, dass ich ein paar Tage bei meinem Schulfreund in Bregenz verbringen werde. Und mein Schulfreund sagte zu seinen Eltern, dass er ein paar Tage bei mir in Hard (der Nachbargemeinde von Bregenz) sein werde. Und wir zogen los. Und erreichten nach einem langen Tag auf der Bundesstraße München, wo wir (wie zuvor schon beschlossen) im Englischen Garten in unseren Schlafsäcken übernachten wollten. Der Englische Garten in München hatte für uns Jugendliche einen abenteuerversprechenden Namen, während er von der älteren Generation verteufelt wurde. Vor allem wegen dem, was sich dort ab Mitte der 60er-Jahre abspielte. Der Hügel um den Rundtempel „Monopterus“ wurde zum Treffpunkt der Hippies und Gammler, der alternativen Bewegung, der Musiker, Dichter, Kleinkünstler. Er – der Englische Garten – wurde zum Feindbild der Bürgertums, zum Symbol der Gegenkultur. Und eben diese alternative Gegenkultur erlebten wir, zwei Jugendliche aus dem bieder-konservativen Vorarlberg. Was sich da drei Tage und Nächte hindurch in diesem Englischen Garten abspielte, das war für uns unglaublich und hat uns (zumindest mich) für den Rest unseres (meines) Lebens geprägt. Da lagen junge Männer und Frauen friedlich im Gras und sagen Lieder. Jeder umarmte jeden. Die Mädchen trugen lange wallende Kleider, bunte. Viele zeigten ganz selbstverständlich ihren Busen. Die Burschen hatten lange Haare und Bärte. Allerorten wurde Musik gemacht und von Friede gesungen. Jede und jeder rauchte und über allem lag ein süßlicher benebelnder Duft. Es war unglaublich. Und spätestens ab dem Zeitpunkt wusste ich: es gibt noch etwas Anderes, es gibt auch eine andere Welt, nicht nur die, die uns von Pfarrer, Lehrer, Ortsparteivorsitzendem in Vorarlberg vorgezeigt und als erstrebenswert dargestellt wurde.

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1967: Sie nannten uns Schnittlauchfresser

phili - 3. April 2017, 21:57

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1967 war ich mit dem Maler und Free-Jazz-Musiker Barabbas verheiratet. Wir lebten in Reichenau/Rax in einer Villa meiner Schwiegermutter, Das offene Haus war ein beliebter Treff für die aufstrebende Künstleravantgarde.

Sowie ich mein Erinnerungsarchiv durchforste, flimmern Momentaufnahmen meines bisherigen Lebens über den inneren Bildschirm. Das läuft ab wie ein Film. Ich kann wählen, was auf der Gedächtnisbühne Revue passieren soll. Die Wahl fällt auf das Jahr 1967. Damals lebte ich mit Barabbas und unseren gemeinsamen Kindern in Reichenau an der Rax. Wir wohnten in einer repräsentativen Jahrhundertwende-Villa, die meiner Schwiegermutter gehörte. Ein geräumiges Haus mit fünf Wohnungen. In den 1960er Jahren wurde Barabbas, der Schöpfer farbenprächtiger Bilderwelten, als Senkrechtstarter gehandelt. Unkonventionell als Maler und ebenso kompromisslos in der Musik: Das war Claus Mayrhofer, der 1958 im Alter von 15 Jahren das Enfant terrible der Wiener Kunstszene Padhi Frieberger traf, daraufhin beschloss, die Schule abzubrechen, um Künstler zu sein. Fortan nannte er sich Barabbas.

In der zweiten Hälfte der 1960er Jahre wurde die Reichenauer Villa zum beliebten Treff einer aufstrebenden Künstleravantgarde, zumal nach der Schließung der legendären Wiener Galerie „Zum roten Apfel“ (in Wien 3, Landstraßer Hauptstraße 74) bot das offene Haus in Reichenau einen Ort der Diskussion und gemeinsamen Arbeit. Es kamen Ernst Fuchs, Jürgen Leskowa, Walter Malli, Richard Pechoc, Franz Ringel, Heinz Stangl, Othmar Zechyr, Robert Zeppel-Sperl und der Fotograf Gerhard Trumler. Kein Wunder, schließlich übte Reichenau an der Rax seit der Romantik große Anziehungskraft auf Künstler aus. Die Holzriesen vom Thalhof in die Eng hinein inspirierten ebenso wie die Geröllhalden und bizarren Felsformationen im Höllental.

Othmar Zechyr, der anfänglich nur fallweise zu Besuch gekommen war, lebte von 1967 an zwei Jahre mit seiner Frau und neugeborenen Tochter bei uns. Wenngleich in unseren Familien Schmalhans Küchenmeister herrschte, beeinträchtigte das nicht im geringsten die Kreativität und Schaffensfreude der jungen Künstler. Es ist sogar die Gründung einer Künstlerkolonie geplant gewesen. Romantik und revolutionäre Utopien gehörten damals noch zum Programm.

Von meinem Leben in Wien war ich zwischenmenschliche Anonymität gewohnt. Im Gegensatz dazu zeigen Menschen im ländlichen Raum Interesse aneinander. Das war auch in Reichenau der Fall. Dort wusste jeder von jedem alles, oder zumindest fast alles. Natürlich redete man über uns. Schließlich mischten wir das Einerlei des Reichenauer Alltags ordentlich auf. Für die Einheimischen waren wir und unsere Künstlerfreunde, die gelegentlich zu Besuch kamen, Exoten, die Aufsehen erregten. Allein das Äußere von Barabbas, sein Bart, die farbenfrohen Gewänder, die er fallweise trug, sorgte für Gesprächsstoff. Und dann die Musik, die von früh bis spät bei uns gespielt wurde. In der schönen Jahreszeit, wenn wir die Fenster geöffnet hatten, bekamen die Reichenauer Jazz zu hören, der damals für ihre Ohren zumeist fremdartig klang. Noch fremdartiger kam an, wenn Barabbas - er war auch Mitglied der österreichischen Free-Jazz-Formation „Masters of Unorthodox Jazz - seine Free-Jazz-Soli am Saxophon los lies. Das mag sich für manch einen angehört haben, als röhrte ein wildgewordener Stier. Musikalischer Gruselwahnsinn in Reinkultur. Schon allein das roch nach Skandal.

Wovon wir lebten, wird sich der eine oder andere gefragt haben. Schließlich gingen wir keiner geregelten beruflichen Tätigkeit nach, und man sah mich fast nie bei Frau Maceczek Lebensmittel einkauften. Auch der Metzger machte kein Geschäft mit uns. Als sich herumsprach, dass wir kein Fleisch aßen, sondern uns hauptsächlich von Getreidekörnern, die wir direkt vom Bauern bezogen, ernährten, dürfte das Maß ungläubigen Staunens voll gewesen sein. Kein Fleisch zu essen, das brachte der Durchschnittsbürger der Nachkriegszeit unweigerlich mit Armut oder Krankheit in Verbindung. Kein vernünftiger Mensch nahm einen derartigen Verzicht freiwillig auf sich, jetzt, wo es endlich wieder zu essen gab, was das Herz begehrte. Wir tanzten also auch dahingehend aus der Reihe. Die Mieter der Reichenauer Villa wussten zu berichten, dass wir Fleischgenuss aus ethischen Gründen ablehnten, was ein weiterer Grund war, über uns den Kopf zu schütteln. Nun ist es eine natürliche Folge, dass Menschen versuchen, Seltsamkeiten zu benennen. Also bedachten uns die Reichenauer mit einem Spitznamen. Da es ihnen nicht entgangen war, dass ich in Blumentöpfen Schnittlauch zog, nannten sie uns kurz und bündig „die Schnittlauchfresser“, was ich allerdings erst erfahren habe, als ich längst nicht mehr in Reichenau lebte.

1967 war für uns ein ereignisreiches Jahr. Gleich zu Beginn konzertierten die „Masters of Unorthodox Jazz“ im Internationalen Kulturzentrum (Wien 1, Annagasse 20). Niemand geringerer als Kurt Kren, einer der prominentesten Vertreter des österreichischen Avantgarde-Films, machte bei diesem Konzert Aufnahmen und der junge Xaver Schwarzenberger fotografierte. Der Bekanntheitsgrad des Künstlers Barabbas stieg. In diesem Jahr hatte er seine ersten Ausstellungen in Deutschland – im K.O. Braun-Museum in Ludwigshafen, kurz darauf in der Galerie Krokodil in Hamburg und in der Galerie Mathias in Köln, wo er seiner farbenfrohen Malerei wegen von der Presse als „Farbgeometer“ gehandelt wurde. Endlich gab es Einnahmen aus Bildverkäufen, die jedoch, wie das bei Künstlern zumeist üblich ist, sofort wieder in die Kunst investiert wurden. Malmaterial wurde angeschafft, ein neues Saxophon und Geld für die Produktion einer Schallplatte zurückgelegt, die zwei Jahre später auch erschien. „Overground“ (Barabbas Records, Reichenau/Rax) hieß Österreichs erste Free-Jazz-LP. Und sie war tatsächlich Barabbas‘ Produkt. Er mietete das Tonstudio und trug alle anfallenden Kosten.

Mein Erinnerungsfilm läuft und läuft. Unmöglich, mit dem Schreiben nachzukommen. Ich gebe auf. Nur eine Sache sei noch vermerkt. Was auch alles geschehen ist, das für mich wichtigste Ereignis des Jahres 1967 war die Geburt meiner dritten Tochter. So ist es. Und jetzt schalte ich den inneren Bildschirm aus.

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3-Monats-Koliken im 6-Tage-Krieg

dunja - 10. Juli 2017, 11:10

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1967 kam mein Bruder zur Welt. Immer abends litt er stark an den sogenannten 3-Monats-Koliken. Nur die Redionachrichten, insbesondere die Berichterstattung zum 6-Tage-Krieg, konnten ihn beruhigen.

Ich war fünf, als mein Bruder am 4.5.1967 geboren wurde. Wir lebten damals in Zagreb im damaligen Jugoslawien. Im August 1968 sind wir dann nach Oberösterreich übersiedelt.
Meine Mutter, mein Bruder und ich lebten im Sommer 1967 vorübergehend während des 4-monatigen Mutterschutzes bei den Großeltern, die ein Häuschen mit Garten im Osten der Stadt hatten. Mein Vater blieb indessen in unserer Wohnung im Westen der Stadt, wo sich auch sein Arbeitsplatz befand.
Mein Bruder litt schon wenige Wochen nach der Geburt an den sogenannten 3-Monats-Koliken. Das bedeutete abendliches Geschrei über ein bis zwei Stunden, bis er schließlich vor Erschöpfung einschlief.
Mein Opa (1901-1983) verfolgte damals mit großem Interesse die Weltnachrichten über das Radio - Fernseher gab es keinen. Rund um den 6-Tage-Krieg gab es vermehrt Sendungen, die mit einer besonderen akustischen Kennung eingeleitet wurden. Gerade diese Kennung aber auch die nachfolgende Berichterstattung, möglicherweise auch mit O-Tönen, konnte meinen Bruder herrlich beruhigen. Dreimal ist er dabei sogar eingeschlafen. Der 6Tage-Krieg dauerte glücklicherweise nicht lange, leider gab es bald auch keine Sondersendungen mehr. Der Beruhigungseffekt war dahin. Aber mein Opa besann sich der Kennung und gestaltete mit seiner tiefen Stimme einen rhythmischen Sing-Sang, der meinen Bruder ebenfalls beruhigen konnte.
Natürlich habe ich erst viel später gecheckt, worum es sich beim 6-Tage-Krieg handelte. Und es gibt auch keine Aufnahmen, weder vom Geschrei noch von der Berichterstattung - unser erstes Magnetophon kam ins Haus, als mein Bruder schon Sätze bilden konnte, also ca. 1971. Ich weiß nicht, ob es bei "Radio Zagreb" Archivaufnahmen aus der Zeit gibt. Ich würde mir das gerne wieder anhören.
Ö1 trat bewusst in mein Leben 1972, als ich zehn war und ins Gymnasium kam. Ich musste täglich um 7:10 das Haus verlassen, um den Zug in die nächste Bezirksstadt zu erreichen. Morgens lief immer Ö1, und alle konnten sich daran zeitlich orientieren. Jeweils zu Beginn des Morgenjournals sollte ich mit dem Frühstücken fertig sein...

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Abrüsten ja oder nein

aloisf - 26. März 2017, 13:29

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Angst durch den 6Tagekrieg

Ich war von Oktober 1966 bis Juni 1967 beim Bundesheer in Wiener Neustadt eingerückt. Kurz vor dem Abrüsten (der 16. Juni 1967 war geplant) brach der 6Tagekrieg (5.-10. Juni) zwischen Israel und arabischen Ländern aus.
Da waren wir Soldaten in der Kaserne geistig schon zuhause und plötzlich hatten wir Angst, dass wir nicht abrüsten dürfen , weil nicht klar war, wie lang der Krieg dauern und welche Auswirkungen er auf die Weltpolitik haben würde.
Wir waren dann heilfroh, dass der Krieg so schnell vorbei war und wird doch ganz regulär abrüsten und in unser normales Leben zurückkehren konnten. Ich fuhr - bevor ich wieder arbeiten ging - zu meinen Grosseltern nach Holland.