Gemeinsam erinnern
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Ausgemergelte Russen waren zu uns Kindern reizend
Ingeborg Hagg, Jg. 1940 - 9. Mai 2025, 13:58
Neben einem Haus in Wien hatten wir einen festen Wohnsitz in Niederösterreich. 1944 ist meine Mutter mit meiner Schwester und mir auch in diesen Gutshof gezogen, weil wir dort größere Überlebenschancen hatten. Als der Krieg zu Ende war, war das Schlachtfeld nur zehn Kilometer von uns entfernt und die erste Invasion kam direkt über unser Haus, das war furchtbar. Es waren viele Frauen im Haus, weil die Männer alle im Krieg waren. Die Vergewaltiger wurden zum Teil erschossen und nach drei Tagen mit Lastwagen eingesammelt. Jeden Abend kamen mit Lastwagen Russen, die Frauen stürzten in ihre schon vorbereiteten Höhlen im Wald. Wir Kinder waren allein in dem Haus, und diese ausgemergelten Soldaten holten sich im Haus, was sie fanden. Zu uns Kindern waren sie reizend. Sie können sich ja nicht vorstellen, wie sie ausgeschaut haben wir schon wochenlang nur mehr Gras gegessen gehabt, waren natürlich in allen Richtungen ausgehungert. Und das war schrecklich. Einer hat mich einmal unter eine grausliche, stinkende Manteldecke gesteckt, ich dachte, dass ich sterbe. Aber es war alles nur nur nur liebevoll gemeint.
Aussteuerkiste meiner Oma Rosa
Birgit Müller - 10. April 2026, 13:32
In früheren Zeiten war es üblich, dass eine Braut eine sog. Aussteuer mit in die Ehe brachte. Diese bestand meist aus Bett- und Tischwäsche. Es ist anzunehmen, dass die Aussteuerkiste meiner Oma Rosa seit mehreren Generationen weitergereicht wurde.
Die Beschriftung wurde erst 1946 hinzugefügt, da meine Großeltern diese Kiste als persönliches Gepäckstück bei der Vertreibung aus der Heimat mitgeführt hatten.
Heute befindet sich dieses einmalige Erbstück im Besitz einer meiner Cousinen.
Badevergnügen mit russischen Soldaten
Krista Grünwald - 15. April 2025, 15:04
Krista Grünwald fährt mit russischen Soldaten an die Donau
Bahn-Odyssee zu Kriegsende
Herbert Grünwald - 15. April 2025, 14:58
Herbert Grünwald erlebt das Kriegsende mit Schulkameraden fern von Wien
Ballspielen mit Besatzerkindern
Frau Pfeifer, Jg. 1943 - 26. Juni 2025, 15:59
Wir waren in Niederösterreich im Sommer in meinen Ferien, ich war vielleicht acht, neun Jahre. Wir waren in den ganzen Sommerferien in einem Dorf bei Stockerau in der Nähe und das war so quasi der Sommerurlaub, weil mein Vater bei der Vermessung gearbeitet hat und wir immer dort hingefahren sind, wo er gerade gearbeitet hat. Meine Mutter hatte die Gabe gehabt, die Dorfjugend immer zu aktivieren und wir sind auf der Dorfwiese dann gewesen und haben verschiedene Spiele gespielt und das war ja russische Besatzungszone. Und da kamen die jungen Russen und haben gefragt, ob sie mit uns mitspielen dürfen. Und sie haben dann bei unserem Spiel einen Ball über die Schnur und solche Sachen mitgespielt. Also auch da habe ich eigentlich nur positive Erinnerungen. Allerdings hat mir meine Mutter schon erzählt, auch von den grauslichen Taten, die sie im Freundeskreis gehört hat bzw. die Freunde von ihr erlebt haben. Ich selbst habe das nie erlebt. Ich habe alles immer nur positiv erlebt.
Basketball und amerikanisches Englisch
Franz Vranitzky, Jahrgang 1937 - 19. März 2025, 17:11
US-Soldaten laden den jungen Franz Vranitzky und andere zum Basketballspielen in den Wiener Messepalast ein, wo sie ein Basketballfeld errichtet hatten. Vranitzky schnappt die amerikanische Sprache auf und eckt damit bei seiner Englisch-Professorin an. - Das Interview führte Oliver Rathkolb für ORF Topos.
Webseite
https://topos.orf.at/ploetzlich-international-vranitzky100
Beeindruckt von den russischen Soldaten
Robert Heiterer, Jg 1947 - 6. April 2025, 20:44
Als Kind habe ich in Floridsdorf in einem Gemeindebau in der Prager Straße gewohnt, nahe der russischen Kommandantur. Ich habe diese Soldaten bewundert wegen ihrer Stiefeln und Reithosen. Am Eck der Prager Straße war ein Greissler, wo mich meine Mama zum Einkaufen hingeschickt hat. Vor mir in der Reihe haben sich zwei russische Soldaten die Einkaufsnetze mit Bierflaschen füllen lassen, und als die draußen waren, sagt eine Verkäuferin zur anderen: "Jetzt feiern's in Stalin sein Tod" und ich habe nicht gewusst, wer der Stalin ist und warum man das feiert. Beim Abzug der Russen stehe ich auf der Prager Straße und schaue zu, wie die letzten LKWs mit winkenden russischen Soldaten auf der Ladefläche abfahren. Später habe ich als Hauptschullehrer in Vorarlberg oft den Kindern davon erzählt.
Befreier und Vergewaltiger
Judith Beer - 24. März 2025, 14:25
wiederholte Gruppenvergewaltigungen in der Steiermark
Meine Mutter, Jahrgang 1922, ihre Geschwister, Eltern und Verwandte lebten zu Kriegsende östlich von Graz – beim Hauenstein, eine wunderschöne Gegend. Anfang Mai 45 – meine Mutter war 23 Jahre alt und hatte ein Neugeborenes – kamen die „Befreier“ ein ukrainisches Regiment der Roten Armee von Osten. Sie blieben vorübergehend in der Gegend, für einige Wochen, wenige Monate und trieben im Chaos des Kriegsendes ihr Unwesen, verübten Verbrechen, über die bis heute viel zu wenig bekannt ist und kaum geredet wird. (Vielleicht auch um darüber weiter schweigen zu können, was die Wehrmacht in Russland mit den Frauen tat?)
Der Cousin meiner Mutter berichtete: (meine Mutter schwieg, sie sprach nur mehr „funktional“, war in gewisser Weise sprachlos für den Rest ihres Lebens)
Abends klopften die Soldaten an Türen, um Frauen und Mädchen abzuholen. Wurde nicht gleich geöffnet, schossen sie in die Luft, verbreiteten so Angst und Schrecken. Es war ihnen keine zu jung und keine zu alt.
Die Kirche half, Frauen zu versteckten, aber es gab auch Leute, die Verstecke für einen Vorteil verrieten.
Meine Mutter, ihre Cousine und eine Freundin waren Opfer wiederholter Gruppenvergewaltigungen.
Sie blieben schwer traumatisiert zurück, ohne Hilfe und Unterstützung und lebten (und schwiegen oder verschwiegen) diese „Schande“. („Mir ist es nicht passiert, aber von der oder der weiß ich es“)
Eine suchte Hilfe beim Arzt, wurden aber noch verhöhnt:
„Haben sie sich gewehrt?“ Wie denn mit einem auf den Hals gerichteten Messer? „Dann ist es keine Vergewaltigung“.
Nach dem Krieg bekamen sie keine Entschädigungen, keine Behandlungen, kein Gedenken!
Absolut alleine gelassen mit dem grauenhaften Erlebten.
Die nachfolgende Generation arbeitet sich in langen Therapien daran ab, bis endlich wird über das Grauenhafte gesprochen werden kann!
Die Täter sind tot – eine Genugtuung.
Erst seit 2008 wird Vergewaltigung endlich auch als Kriegsverbrechen anerkannt.
Danke für ihre Initiative und die Möglichkeit beizutragen!
Befreiung durch einen traumatisierten Russen
Herbert Izbicki - 19. April 2025, 16:10
Herbert Izbickis Großmutter berichtet von der Befreiung 1945
Befreiung Österreichs 1945
Johann Kilianowitsch - 5. April 2025, 23:41
Ich erzähle von meiner Kindheit - Heimat und Fluchtgeschichte 1939 - 1947.
Aufgeschrieben von Marion Kilianowitsch.
TEIL 3:
Am 2. Mai 1945 hörten wir, dass geschossen wurde. Die SSler schossen mit der Flak über den Inn nach Deutschland auf die Amerikaner. Als diese mit ihren schweren Geschützen zurückfeuerten, flüchteten die SSler. In Obernberg war weithin der einzige Übergang über den Inn. In Schärding und Braunau waren die Brücken nicht mehr befahrbar. Am gleichen Tag fuhren die Amerikaner über die Stauwerksbrücke, die nur mit Jeeps befahrbar war, über den Inn nach Österreich.
Der Bürgermeister ging mit einigen Leuten und einer weißen Fahne zum Inn hinunter und übergab Obernberg. Als die Amis in den Ort hinauf kamen, waren alle vorsichtig und ängstlich am Marktplatz versammelt. Die Wirtin vom Gasthaus nebenan winkte als erste begeistert mit dem Taschentuch.
Ab diesem Zeitpunkt waren die Menschen in Österreich nicht mehr so freundlich und hilfsbereit zu uns Flüchtlingen. Sie änderten ihre Meinung und beschimpften uns als „s’Gfrastleut, Banatergfrast schaut's, dass wieder weiterkommt’s. Warum seid‘s überhaupt herkommen!“ Seitdem behandelte man uns wie das Letzte!
In dieser Zeit musste mein Bruder Franz den ganzen Rückzug von Russland, Ungarn bis nach Österreich machen. Als mein Bruder zu Hause ankam freute sich die ganze Familie. Von nun an lebten wir zu siebt in unserem Zimmer, in dem mein Vater mittlerweile als selbständiger Schneider auch seinen Arbeitsplatz hatte. Die Lebensmittel teilten wir nun durch sieben.
Bei Kriegsende ließen die Soldaten, im Flieger Quartier des Militärflugplatzes Stift Reichersberg alles liegen und stehen und haben das Weite gesucht. Die Uniformen, Lederstiefel usw. alles was liegen geblieben war, nahmen sich die Leute aus der Umgebung mit. Auch wir nahmen uns, was wir brauchen konnten. Die Uniformen trennten meine Mutter und ich fein säuberlich auf, mein Vater wendete die Stoffe und schneiderte neue Sakkos, Hosen und Mäntel daraus. Auch die Kundschaften brachten Uniformen, die mein Vater änderte.
Am Flugplatz in Reichersberg spielten meine Freunde und ich „Fliegersoldaten“. Wir versammelten uns im Flugzeughangar und besprachen wer die Piloten, die Funker und die Bordschützen waren und den nächsten „Angriffsplan“, dann rannte jeder zu seinem Flugzeug.
In diesem Frühsommersommer 1945 fanden wir sehr viel Munition und andere technische Geräte, die einfach in der Gegend herum lagen. Wir sammelten Gewehrpatronen, sowie 2cm-Flakpatronen. Klopften den Sprengkörper aus der Hülse, sammelten das Schießpulver und das Zündpulver und legten uns ein Lager in Säckchen an. Bei Gelegenheit streuten wir eine „Straße“ mit Zündpulver auf und entzündeten eine gewisse Menge Schießpulver, dabei hatten wir immer sehr viel Spaß.
Einmal war ein Junge sehr unvorsichtig mit einer Handgranate. Die Handgranate explodierte vorzeitig und seine Hand wurde dabei weggerissen. Rundherum lagen Benzinkanister und verschiedene Munitionsarten. Alles fing Feuer und explodierte.
Mein Bruder Franz musste sich bei der Gemeinde in Obernberg melden. Seine Daten wurden aufgenommen. Die Amerikaner kontrollierten seine Herkunft und seinen Aufenthalt in der Kriegszeit. Er wurde ins Gefangenenlager nach Lambach gebracht. Meine Mutter und ich besuchten ihn und fuhren auf einer Lastwagenladefläche voll Menschen, die auch ihre Angehörigen besuchen wollten, nach Lambach, um etwas zum Essen zu bringen.
In Lambach mussten wir vor dem Eingang neben dem Büro sehr lange warten. Mussten Angaben machen, wer wir sind, wen wir besuchen und was wir mitbringen. Das Packerl für meinen Bruder mit Äpfeln und Kartoffeln mussten wir im Büro lassen. Erst nach gründlicher Untersuchung der Aufsicht bekam es Franz. Während der Wartezeit schlich ich am äußeren Zaun eines Doppelzaunes des Lagers, in dem dazwischen Wachtürme standen, entlang um vom Zeltlager der Gefangenen mehr zu sehen. Ich sah Latrinen die ein langer Holzbalken waren, wo sich die Häftlinge draufsetzten, dahinter lag der ganze Mist von den Leuten. Mein Bruder erzählte mir später, dass die Gefangenen oft zu schwach vor Hunger waren, verloren das Gleichgewicht auf dem Balken und fielen rückwärts hinunter. Die anderen Gefangenen halfen ihnen wieder hinauf. Obwohl es Frühjahr war gab es keinen einzigen Grashalm im Lager, weil die Gefangenen das Gras aufaßen.
Nach einer ausreichenden Prüfung bekam Franz leichtere Haftbedingungen. Im Herbst, irgendwo zwischen Lambach und Gmunden, mussten die Gefangenen einen Wald roden und Baracken bauen, in denen sie im Winter unterkommen konnten.
