Gemeinsam erinnern
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Violinspieler im Hof
Charlotte Heinich, Jahrgang 1948 - 29. März 2025, 15:49
Ich wollte erzählen, wie ich etwa im Jahr 1952 einmal bei uns am Fenster in einem Zinshaus im 8. Bezirk gesessen bin. Und im Hof ist ein Violinspieler gekommen. Und der hat so schön gespielt. Ich habe danach gesagt, Mama, ich möchte unbedingt Geige lernen. Also gut, ich habe dann auch wirklich mit sechs Jahren begonnen. Und es war keine großartige Karriere. Aber es war für mich ein prägendes Erlebnis. Dieser Violinspieler, es dürfte ein Symphoniker oder Philharmoniker gewesen sein, die so arm waren nach dem Krieg, dass sie im Hof der Häuser gespielt haben, um ein bisschen Geld zu bekommen. Meine Mutter hat damals ein paar Groschen in ein Beitragspapier eingepackt und hinuntergeworfen in den Hof. Wie manche andere auch. Das war für mich schon ein sehr prägendes Erlebnis. Und als zweites wollte ich erzählen, es ist immer eine Frau gekommen, für mich, eine furchtbar alte Frau. Und sie hat uns einen selbstgemachten Sirup aus Spitzwegerich gebracht. Und das war so gut. Ich war so glücklich und habe auch gesagt, wenn wir was zu essen hatten, das Essen und das Trinken ist sowas Schönes.
Volksschule in der NS-Zeit und im Austrofaschismus
Herbert Grünwald - 15. April 2025, 14:55
Herbert Grünwalds Klassenkollege mit dunkler Haut
Vom Flüchtlingskind zum Förderer
Eduard Schüssler, Jahrgang 1940 - 19. April 2025, 23:36
Als Volksdeutscher musste Eduard Schüssler im Alter von 4 Jahren im Oktober 1944 mit seiner Familie aus Rumänien nach Österreich flüchten. Sie kamen zunächst in Niederösterreich unter und zogen später nach Pichl bei Wels, wo sie tatkräftig von der Gemeinde unterstützt wurden. Der Vater fand die Familie 1946 nach seiner Kriegsgefangenschaft wieder. Eduard Schüssler besuchte die Schule in Pichl und später in Wels, die Fahrtkosten dafür wurden von der Gemeinde Pichl bei Wels übernommen. Eduard Schüssler gründete später einen Fonds zur Unterstützung bedürftiger und geflüchteter Kinder als Dank für die Hilfe, die er selbst erhalten hatte. Den Eduard Schüssler-Fonds gibt es bis heute.
Vom russischen Pferdegespann abgesprungen
Josef Redl, Jg. 1945 - 29. April 2025, 12:09
Eines Sonntags ging ich mit einem anderen Buben aus der Volksschule in die Kirche. Ein russisches Pferdegespann winkte uns zu, wir mögen uns auf den Wagen setzen, mit etwas Angst aber auch Abenteuerlust setzten wir uns hinten hinauf. Bei einer Kreuzung bogen sie im Galopp in eine andere Richtung ab. Wir bekamen Angst und sahen uns schon in Sibirien, sind abgesprungen und haben uns sozusagen befreit. Buchtipp: „Die Hitlerzeit im Südburgenland“ mit vielen Erinnerungen u.a. von meiner Schwester.
Von Manila zurück nach Wien 1959
Ruth Steiner, Jahrgang 1944 - 29. März 2025, 14:51
Bin in Manila geboren, meine Eltern sind 1938 aus Wien geflüchtet auf die Philippinen, weil das war eines der Länder, die jüdische Flüchtlinge aufgenommen haben. Meine Eltern haben nie mit uns Kindern über die Situation in Wien gesprochen. Ich bin als 15-Jährige ins Internat nach Wien gekommen und habe das dann erst kennengelernt, was sich in Österreich abgespielt hat. Habe in Wien Jus studiert und habe mich sehr mit dem Thema auseinandergesetzt. Beschäftige mich mit dem jüdisch-christlichen Dialog und gehe auch in Schulen. Mein Vater hat immer gesagt, alle Österreicher sind Nazis und ich muss damit leben lernen.
Vorfall bei einer Theaterprobe - 1947
Vorfall bei einer Theaterprobe mit einem russischen Kommandanten - Februar 1947 - 8. Mai 2025, 16:48
Mein Vater Josef Leitner hat ab 1946 seinen Dienst bei der Zollwache versehen. Im Februar 1947 musste er sich mit einem betrunkenen sowjetischen Offizier auseinandersetzen (Rechtschreibung wie im vorhandenen Original).
Gendarmeriepostenkommando Oberkappel
Bezirk Rohrbach, Oberösterreich
E.Nr. 114/47
Vorfall bei einer Theaterprobe mit einem russ. Komdt.
An das Landesgendarmeriekommando f.d.M. in Urfahr
Oberkappel, am 14. Februar 1947
Bei einer Theaterprobe in Neustift, Gemeinde Rannastift ereignete sich folgender Vorfall. Gegen 20:30 Uhr am 11.2.1947, kam der russ. Kommandant von Neustift in das Gasthaus Wundsam in Neustift in welchem die Personen zur Theaterprobe versammelt waren. Der russ. Kommandant war unbewaffnet und in einem angeheiterten Zustand. Als nach einer Weile der Schuster Franz Kronawitter in Forstödt, Gem.Rannastift auch das Gasthaus betrat wurde er von den russ. Kommandanten kontrolliert. Kronawitter zeigt ihm den Identitätsausweis und mengte sich der Fleischhauergehilfe Karl Wallner in diese Amtshandlung ein und kam dadurch zwischen den Wallner und den russ. Kommandanten ein Wortgefecht zustande.
Währenddessen steckte der russ. Kommandant den Identitätsausweis des Kronawitter zu sich und machte die Bemerkung, sich um ein Gewehr und um Verstärkung nachhause zu gehen um einen Mann erschiessen zu können.
Der russ. Kommandant gab an, von einem Mann ein dummes Schwein genannt worden zu sein. In dieser Zeit entfernte sich der Fleischhauergehilfe Wallner aus dem Gasthaus, da er wie durch Angaben der Versammelten hervorgeht in russ. Sprache einen Ausdruck gebraucht hat, welcher dem russ. Kommandaten in Zorn brachte und ihm zur Herbeiholung von einer Waffe und Verstärkung veranlasste. Kronawitter war nun ohne Ausweis und dachte er sich denselben mit Hilfe des Bürgermeisters am nächsten Tag wieder zurück zu erhalten, wonach er ebenfalls das Gasthaus verließ und den Heimweg antrat.
Nach einer Weile kam der russ. Kommandant mit einem Gewehr, jedoch ohne Verstärkung wieder in das Gasthaus zurück und in seinen angeheiterten Zustand sich des Aussehens des Wallner nicht mehr genau erinnern konnte, befahl er dem Hubert Krenböck, sich auf einen Sessel zu setzen, da er ihn erschiessen wolle.
Der russ. Kommandant ging sodann einige Schritte zurück, richtete die Laufmündung auf Krenböck und lud in dieser Haltung die Waffe durch. In diesem Augenblick konnte Krenböck durch die Tür des Bühnenraumes entfliehen und gab der Kommandant im Saale 2 Schüsse auf den Gang über die Stiege herunter einen Schuss in Richtung des Flüchtenden und zwei Schüsse heraußen im Freien in die Luft ab. Die Schüsse im Saale liegen ungefähr einen Meter über den Fußboden und der im Gang ungefähr 10 cm über der Treppe. Aus diesem Anlass verließen alle Gäste das Gasthaus und es herrschte soweit Ruhe.
Nun kam der russ. Kommandant der Gedanke, der Mann, von dem er den Ausweis hatte, habe ihm den Schimpfnamen gegeben und beschloß nun in die Wohnung des Kronawitter zu gehen und ihm zu erschießen, dies drohte er noch im Beisein mehrerer Personen an und machte sich der Zollbeamte Leitner von der Zollwachabteilung Neustift sofort auf den Wege, um den Kronawitter hievon zu verständigen.
Kaum war Leitner in der Wohnung des Kronawitter, klopfte der russ. Kommandant schon zweimal am Fenster und forderte das Öffnen der Haustüre. Kronawitter packte sofort seine Stiefel und verließ durch eine Hintertür das Haus, während der Zollbeamte Leitner dem Komdt. die Türe öffnete.
Der Kommandant trat mit vorgehaltenem Gewehr ein, zeigte in der Stube den Ausweis des Kronawitter und fragte wo der Mann wäre. Hiezu bemerkte er, dass er auf den Kronawitter warten werde und wenn es 5 Tage dauern sollte.
Der Zollbeamte Leitner verabschiedete sich nach einer Weile und ging mit Kronawitter nach Oberkappel, um am hiesigen Posten die Anzeige zu erstatten. Der Versuch, mit Rohrbach um 1 Uhr nachts zu telefonieren blieb erfolglos und nach Vorsprache bei den russ. Kommandanten von Oberkappel wurde die Amtshandlung auf den 12.2.1947 um 10 Uhr festgesetzt.
Kronawitter war derart in Furcht und Unruhe versetzt und bat sofort mit dem in seinem Hause weilenden russ. Komdt. zu verhandeln, da er sich nicht zurück in sein Haus getraut.
Bein Betreten des Hauses Kronawitter durch den prov. Gend. Peyrl und dem Zollbeamten Leitner, schlief der Kommandant auf dem Otoman und hat das Gewehr im entladenen Zustand an der Mauer stehen. Nach dem erwachen ließ der Kommandant gut mit ihm verhandel, stand auf, gab den Ausweis zurück und verließ mit den 2 Organen das Haus.
M.d.F.d.P. betraut:
Peyrl
prov. Gend.
Wasser für die erschöpften deutschen Soldaten
Frau Sengstschmidt - 9. Mai 2025, 18:41
Frau Sengstschmidts Mutter vollbringt eine gute Tat
Wegen eines Fahrrads erschossen
Karl Krenn - 30. März 2025, 12:41
Der Schwager meiner Großmutter war in Russland im Krieg. Er war ein "wilder Hund" und kam nach Kriegsende wieder nach Hause. Als ein russischer Besatzer sein Fahrrad haben wollte, weigerte er sich. Der zweite erschoss ihn.
Wer war wann ein Nazi?
Franz Weich - 18. März 2025, 16:55
Franz Weich, Jahrgang 1932, erzählt einen Witz
Wertvolle Fracht
Werner Merkatz, Jahrgang 1947 - 25. März 2025, 23:36
Auf dem Leiterwagen seines Stiefgroßvaters ging es für Werner Merkatz als Kind regelmäßig in den Wald - doch so manches blieb den Blicken der russischen Soldaten dabei verborgen
