Gemeinsam erinnern

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Wie Oma dem Russen die Waffe aus der Hand schlug

Anna S., Jg. 1944 - 8. April 2025, 21:33

Und dann sind die Russen gekommen. Sie sind einfach hineingegangen in die Küche. Einer hat eine Pistole in der Hand gehabt. Daneben war meine Großmutter, sie war aus der Tschechei. Sie hat gesehen, dass der Soldat die Waffe auf meinen Vater oder meine Mutter gehalten hat - das weiß ich nicht mehr so genau. Dann ist sie zu ihm gegangen und hat ihm die Pistole runtergeschlagen. Danach ist er wieder verschwunden.

Wie die Musik meiner Großmutter rettete

Frau Fellbauer - 13. Mai 2025, 17:46

Frau Fellbauer studiert Musik und erinnert sich an ihre Großmutter

Wie mein Vater fast von den Russen verhaftet wurde

Gemeinsam erinnern - 6. Mai 2025, 11:30

Peter Webers mutiger Vater kämpft nach dem Krieg um "seine" Maschinen

Windeln im Wasser der Dampflok gewaschen

Elfriede Högler - 8. Mai 2025, 13:04

Die Erinnerungen spielen von Böhmisch Budweis über Freistadt bis Wien. Bei der Flucht von der Tschechoslowakei nach Österreich haben Frauen, die kleine Kinder im Windelalter hatten , ihre Windeln mit dem Wasser der Dampflok gewaschen . Meine Mutter hatte zwei kleine Kinder und hat mich auf der Flucht geboren in Böhmisch Budweis bei einer Freundin. Und mein Vater war Tierarzt in Mährisch Ostrau und konnte dort nicht weg, weil er dort die Fleischbeschau gemacht hat. Und er hätte natürlich raus können, aber moralisch hat er nicht gewollt. Oder in den Lagern, die dann unterwegs waren, gab es Dreifach-Stockbetten. Die Kinder waren ja alle so krank, haben Blasenentzündung gehabt und es hat von der obersten Matratze dann runter getropft, weil es gab ja nix. Das ganze Geschehen war sehr, sehr schwer auszuhalten.

Wir Kinder haben die Erdäpfel am Acker gestohlen

Manfred Golda, Jg. 1941 - 31. Mai 2025, 16:27

Ich mich noch gut erinnern, wie es die ersten Lebensmittelkarten gab. Bei uns war weit und breit kein Geschäft, da mussten wir ziemlich weit laufen, bis man dann nach St. Peter, einem Vorort von Klagenfurt-Ost gekommen ist. Dort habe ich dann eingekauft, was man halt so gekriegt hat auf Lebensmittelkarten. Große Äcker hat die Firma Fischl gehabt, die spätere Kärntner Hefe- und Spiritusfabrik, die hat eine ziemlich große Landwirtschaft gehabt bei unserer Siedlung. Dort haben die auch Kartoffeln angepflanzt. Wir Kinder sind oft tagsüber auf den Kartoffelacker gegangen und haben die Erdäpfel gestohlen und dann geschaut, dass wir wieder heimkommen, ohne dass das wer bemerkt. Es ist auch immer ein Aufseher herumgegangen, der aufgepasst hat, dass nichts gestohlen wird. Wenn dann abgeerntet war, dann durfte man auch offiziell nach übriggebliebenen Kartoffeln suchen. Da haben dann auch andere Leute aus der Nachbarschaft den Acker abgesucht.

Wir Kinder haben nur noch Polnisch geredet

Stefan Ebner - 30. März 2025, 13:19

Während des Krieges kamen zwei Polinnen, eine Russin und ein Franzose zu uns, um am Bauernhof zu helfen. Wir waren immer bei den polnischen Mädchen, unsere Mutter hat gesagt, sie schickt uns nicht mehr in die Schule, wir reden nur noch Polnisch.

Wodka auf Ex trinken rettete Cousine

Udo Saldow, Jg. 1929 - 20. Mai 2025, 12:58

Ich war 16 Jahre bei Kriegsende. Ich war, wie Alle, ein strammer, kleiner Hitlerjunge, das musste man ja sein, das war verpflichtend. Und es war auch nicht unlustig für uns. Wir waren nicht von Politik beleckt, nur von, wie sich dann herausgestellt hat, leerem Patriotismus. Und so gingen die letzten Tage des Krieges im Chaos und als eigentlich von uns empfundenes Abenteuer zu Ende. Mir fällt ein, dass zum Beispiel in der Wohnung meiner Großmutter zwei sowjetische Offiziere einquartiert waren, die sehr höflich und nett waren. Und ich hatte eine hübsche Cousine, etwas älter als ich. Sie war mal zu Besuch und die beiden Offiziere wollten sich diese Cousine aneignen und versuchten das damit uns betrunken zu machen. Also nicht mit Gewalt. Und ich erinnere mich, ohne je Alkohol getrunken zu haben, habe ich dann aus Wassergläsern den Wodka für meine Großmutter, für meine Cousine oder mich Ex getrunken. Und die Reaktion der Offiziere war überraschend. Sie haben mir Beifall geklatscht. Und daraufhin habe ich meine Damen genommen, ins nächste Zimmer gesperrt, und die Situation war bereinigt. Das war also eine Nachkriegsepisode. Eine eigentlich ganz witzige.

Wohnen nach dem Krieg

Maxa H. Danesi, Jahrgang 1958 - 13. März 2025, 22:31

Großeltern 9 Jahre lang in einem Wohnhaus mit NS-Familie. Dabei war Großvater als Legitimist wegen Vorbereitung zum Hochverrat im Gefängnis, halbjüdische Großmutter überlebte nur mit viel Glück, samt ihren drei Töchtern, das Mörderregime.

In Mautern/Donau gab es eine russische Militärkommandantur und Bedarf nach zusätzlichem Wohnraum für die russischen Soldaten. Daher wurden meine Großeltern im Juni 1945 samt ihren Töchtern in ein, von ehemaligen Nationalsozialisten verlassenes Haus umgesiedelt (diese waren zu Kriegsende Richtung Westen geflohen). Das Glück sollte nur von kurzer Dauer sein. 1948 kamen die Hausbesitzer zurück und die beiden Familien mussten sich das Haus teilen (die einen lebten im Parterre, die anderen in der Mansarde).
Obendrein wurde meine damals erst 18-jährige Tante von einem russischen Besatzungssoldaten geschwängert. Sie lebte daraufhin samt Kind bei ihren Eltern (s.o.). Von 1949 - 1954 arbeitete sie in der Schweiz, das Kind wurde während dieser Zeit von den Großeltern aufgezogen.
Erst 1957 normalisierte sich die Lage. Es wurde ein Gemeindebau im Ort errichtet und meine Großeltern konnten dort einziehen.
Über all diese Vorkommnisse wurde in der Familie nie gesprochen. Als mir diese, und viele andere Details der turbulenten Familiengeschichte Jahre nach dem Tod der Hauptbeteiligten zur Kenntnis gelangten, beschloss ich, die Familiengeschichte in Romanform aufzuschreiben. Das Resultat ist 2022 im Verlag Bibliothek der Provinz unter dem Titel "Ungarische Beste" erschienen.

Wäsche waschen für Nahrungsmittel

Frau Valentinic - 9. Mai 2025, 18:36

Mutter und Großmutter waschen für Briten

Wütender Schulaufsatz über geizige Nachbarin

Manfred Golda, Jahrgang 1941 - 20. April 2025, 21:52

Zu essen war daheim einfach nichts da. Die Nachbarn haben einen Garten gehabt und haben dort Gemüse angepflanzt, aber die dürften meiner Mutter und uns 3 Kindern nichts gegeben haben. Später hat mir meine Mutter das erzählt. Sie wurde damals in die Schule bestellt. Dort mussten wir einen Aufsatz schreiben: Was wir am liebsten machen würden. Meine Mutter wurde danach zur Rede gestellt, was denn das bei uns für Familienverhältnisse seien. Denn ich hatte in dem Aufsatz anscheinend meine ganze Wut auf die Nachbarn abgelassen. Ich hatte geschrieben, dass ich am liebsten die Nachbarin mit einem Schirhakl über den Kopf schlagen und sie in den Keller hinunterschupfen würde. Aber wie gesagt, die haben was zu essen gehabt, und wir haben praktisch nichts gehabt.