Gemeinsam erinnern

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Als der Bahnhof von Hausmenning bombardiert wurde

Franz Kastner - 30. März 2025, 13:13

Bahnhof von Hausmenning bombardiert, das Geräusch von den Granaten vergesse ich nie! Franz Kastner, Jahrgang 1940

Als die Kosaken zu uns Kulturlosen kamen

Veronika Philipp - 9. Mai 2025, 17:32

Wir haben ganz am Stadtrand gewohnt, also wirklich schon fast auf dem Land. Das Haus der Großeltern war ehemals eine Meierei und da hat es einen großen, großen Hof gegeben, um den das Haus herum gebaut war. Und 45 sind Kosaken gekommen, mit sehr vielen so kleinen Pferdewagen und unser ganzer Hof war vollgestellt. Es waren keine Männer im Haus, sie haben uns gut behandelt, sie haben sogar gekocht. Es war eine Art Eierspeis mit Speck, sie haben uns auch aufgefordert, zu essen. Meine Mutter hat gesagt, es ist uns so schlecht davon geworden, weil wir waren ja so ausgehungert und das fette Essen, das war ein bissl mühsam. Ich habe einen gleichaltrigen Cousin. Sie können sich vorstellen, 45, wir waren zweieinhalb Jahre ungefähr alt, und in der Mitte des Hofes ist ein großer Tisch gestanden, um den haben wir im Sommer immer gegessen, und mein Cousin und ich, wir sind auf den Tisch geklettert, damit wir sozusagen besseren Überblick haben über all das Gewurl. Da ist ein Offizier, der auch ein bisschen Deutsch konnte, zu uns gekommen und hat mit dem Finger so verneinend gesant, nix Kultura. Also auf den Tisch zu steigen, ist kulturlos. Und meine Großmutter, die eine sehr grantige Frau sein konnte, hat gesagt: "Na, die haben´s notwendig."

Als mein Vater fast erschossen wurde

Elfriede Jira - 13. Mai 2025, 17:50

Elfriede Jiras 17jähriger Vater als Deserteur

Am Donaukanal

Annie Weich - 18. März 2025, 16:03

Das Flüchtlingskind Annie Weich kommt als 11-Jährige erstmals nach Wien zurück und macht mit ihrer Mutter einen Spaziergang am Donaukanal

Anekdote zum Kriegsende

Armsdorfer - 24. April 2025, 10:24

So erzählte meine Großmutter das Kriegsende

Meine Großmutter (geboren im Oktober 1928) war gegen Kriegsende als Magd bei einem Bauernhof in Seekirchen am Wallersee beschäftigt. Als sie eines Tages aus der Stalltüre hinaussieht, sagt sie zur nebenstehenden Bäuerin:“ jetzt kann der Krieg nicht mehr lange dauern, die haben ja nicht mal mehr Türen an ihren Wägen!“ Darauf erwiderte die Bäuerin: „Dummes Dirndl, das sind ja schon die Amerikaner!….

Ankunft in Österreich 1944

Johann Kilianowitsch - 5. April 2025, 23:39

Ich erzähle von meiner Kindheit - Heimat und Fluchtgeschichte 1939 - 1947.
Aufgeschrieben von Marion Kilianowitsch.

TEIL 2:
Am 16. Oktober 1944 kamen wir in Antiesenhofen an und wurden auf der Ladefläche eines Lastwagens nach Obernberg am Inn gebracht. Am Marktplatz in Obernberg warteten schon Frauen auf uns, die uns anzeigten, in das Gasthaus Zöpfl zu gehen. Dort sind wir im Veranstaltungssaal untergebracht worden. Wir bekamen Säcke die aus Papierschnüren gewebt waren und stopften diese mit Stroh aus. Das waren unsere Matratzen. Jeder Erwachsene bekam einen Strohsack, eine dünne Decke und einen Platz zum Schlafen. Ich kann mich nicht erinnern ob ich einen eigenen Strohsack gehabt habe. Aber das war nichts Außergewöhnliches damals es ging allen so. wir waren bis Ende November in diesem Saal untergebracht alle dicht nebeneinander gereiht. Es gab keine Rücksicht auf Intimsphäre.
Mein Vater sah sich schon am zweiten Tag nach unserer Ankunft nach Arbeit um. Er begann in einer Schneiderei am Marktplatz an zu arbeiten.
Nach ungefähr sechs Wochen bekamen wir eine Zwei-Zimmer-Wohnung in der wir zu sechst nur ein Zimmer bewohnten. Das zweite Zimmer hatte eine Mutter mit ihren zwei Kindern bekommen. Sie mussten immer durch unser Zimmer gehen. In unserem Raum hatten wir einen Kachelofen mit Backrohr und darin konnten wir Erdäpfel braten. Wir hatten nicht genug Betten im Zimmer. Mein Vater schlief alleine, meine Mutter und Lisl hatten zusammen eine Schlafstelle, auch Magda mit ihrem kleinen Sohn hatte ein Bett und ich schlief auf einer Zweierbank, ich konnte mich nie ausstrecken. Aber wir waren zufrieden, besser gesagt wir alle haben zufrieden sein müssen.
Vor Weihnachten musste ich zum ersten Mal in Österreich in die Schule. Ich habe absolut nichts verstanden, habe nur “bitte“ und “danke“ sagen können. Wenn mich jemand lächelnd und freundlich etwas gefragt hat, habe ich mit „Ja“ geantwortet. Wenn mich jemand ernst und unfreundlich angeschaut hat, habe ich „Nein“ gesagt. Mehr konnte ich nicht. Einmal sprach mich ein Lehrer in der Schule an. Seinen Gesichtsausdruck war freundlich deshalb habe ich „Ja“ gesagt, plötzlich hat er zu schimpfen begonnen, alle Mitschüler haben gelacht ich weiß heute noch nicht was er damals zu mir gesagt hat. So ist es mir öfter gegangen, dass mein „Ja“ oder „Nein“ überhaupt nicht auf die Frage passte. Dadurch sind die Leute draufgekommen, dass ich überhaupt nichts verstehe.
Zu Weihnachten gab es für uns Flüchtlinge eine Weihnachtsfeier wir bekamen sogar Geschenke. Ich habe gestrickte rostfarbene Stutzen bekommen die ich mir bis über die Knie ziehen konnte aber das war mir egal warm sind‘s gewesen. Im Winter ging ich gern Schlitten fahren auch wenn ich keinen Schlitten besaß. Ich sah den Kindern beim Schlittenfahren zu und manchmal wurde ich gefragt ob ich mitfahren möchte „Ja, ja!“ rief ich voller Freude. Auch wenn ich damals noch nicht richtig Deutsch konnte habe sofort „aus da bahn“ gerufen. Für‘s mitfahren habe ich den Schlitten hinaufziehen müssen. So bin ich zum Schlittenfahren gekommen.
Für eine Person waren 800 Kalorien vorgesehen. Die Brotmarken für sechs Personen pro Tag ergaben einen Laib Brot ca. 900 g wir teilten das Brot wie eine Torte in sechs Teile. Jeder musste mit diesem Stück ca. 150 g am Tag auskommen. Meine Mutter hat mir öfter von ihrem Stück Brot etwas zugeschoben. Ich war im Wachstum und hatte immer Hunger.
Wenn uns jemand fragte, was wir heute zu Mittag gegessen haben sagten wir zum Spaß “heute gekochte Kartoffeln, gestern hatten wir Erdäpfel und vorgestern Krumbiren. Das waren Kartoffel mit Schale im Kachelofenrohr gebraten. Diese mussten im Rohr immer hin und her bewegt werden dann wickelten wir die Kartoffeln in ein großes Tuch und darin wurden sie fertig gedünstet.
Als ich mein erstes Zeugnis bekam sah ich, dass dort wo bei meinen Mitschülern Noten standen alles durchgestrichen und mit „Mangelhaft“ bezeichnet war. Ich wusste nicht was das heißt. Nach der Schule zeigten wir uns gegenseitig die Zeugnisse und meine Schulkollegen erklärten mir mit den Worten “nix gut“ dass ich überall ein nicht genügend hatte.

Auf der Flucht vor den Russen

Herbert Grünwald - 15. April 2025, 14:32

Herbert Grünwald flüchtet mit Mutter und Bruder aus Wien

Auf der Flucht vor den Russen

Gilda P. - 5. Juni 2025, 15:47

April 1945, Söding in der Weststeiermark. In einem nationalsozialistischem Landdienstheim für Mädchen herrscht Aufregung: Die Russen kommen, das Heim muss geräumt werden. In diesem Heim sollten die Mädchen eine landwirtschaftliche Ausbildung machen. Gilda P. (16) hätte nach dem - erhofften - Sieg der Deutschen ins eroberte Russland geschickt werden sollen, um dort die Landwirtschaft auf Vordermann zu bringen. Doch es kam anders. Die Mädchen flüchten zu Fuß in ihre jeweiligen Heimatorte. Gilda P. ist mehrere Tage unterwegs. Sie marschiert querfeldein. Auf einer Wiese macht sie plötzlich eine grausige Entdeckung: zwei Soldaten hängen an einem Baum. Offenbar Deserteure. Ermordet in den letzten Kriegstagen. Gilda setzt sich in die Wiese und weint bitterlich. Ein Erlebnis, das sie niemals vergessen konnte.

Aufpassen, dass sie ihre Neugeborenen mitnehmen

Susanna Goedhart, Jg. 1938 - 6. Mai 2025, 19:03

Meine Mutter leitete 1945 in Vertretung die Frauenklinik in Wels. Dort war ein reges Leben von geflüchteten Ärzten, Krankenschwestern, Leuten mit Kindern und natürlich auch Patienten und Frauen auf der Flucht, die dort entbinden konnten. Man musste nur aufpassen, dass sie ihre Kinder mitnahmen. Die Frauen wussten nicht, wie sie die Kinder durchbringen sollten. Was mit den Kindern danach geschehen ist, weiß ich nicht. Nur dass die Mutti immer erzählt hat, wir mussten aufpassen, dass die Kinder nicht einfach zurückgelassen wurden aus Not.

Aus dem Tagebuch meines Vaters

Irmgard Maislinger - 24. März 2025, 13:14

In meiner Kindheit und Jugend wurde nicht über den Krieg gesprochen. Nach dem Tod meiner Eltern, wurde das Tagebuch meines Vaters gefunden, das er während der 5 1/2 Jahre im Krieg geführt hat.