Die wiedergefundenen Möbelstücke

Inge Reinisch

Also meine Familie. Das war meine jüngere Schwester.und meine Mutter, mein Vater. Wir sind nach Kriegsende wieder zurück nach Wien. Unter abenteuerlichen Umständen sind wir dann wieder in Wien gelandet. In Döbling in unserem Haus. Und haben da unsere Wohnung im ersten Stock fast leer vorgefunden. Die schönen Möbelstücke, die alten antiken waren alle weg. Wir mussten am Boden schlafen. Für uns Kinder war das lustig, für meine Eltern weniger lustig. Und wir haben dann sehr bald von den Nachbarn gehört, dass immer wieder Lastwagen von den Amerikanern vorgefahren sind. Das Haus war "Open House". Auch die Mieter waren nicht da, und die Soldaten haben immer wieder Möbelstücke verladen und sind weggedüst. Jetzt war folgendes: Mein Vater wollte diese Möbel immer unbedingt wieder auffinden. Er war kein Nazi, das hat er immer wieder betont. Also er hat ein Recht auf seine Möbel. Und meine Mutter. Und das ist das Schöne an der Geschichte hat wunderbar gezeichnet und gemalt. Ordentliches Zei...

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Heimkehrer Wien 26. Juni 2025

Immer Informationen über den Vater gesucht

Klaus Granegger

Mein Vater kam mit starkem Nierenleiden aus dem Krieg zurück und starb, als ich 7 Monate alt war. Ich habe Informationen über das Grazer Ludwig-Boltzmann-Institut für Kriegsfolgenforschung bezüglich der Einberufung und Kriegsgefangenschaft des Vaters in Jekaterinburg bekommen. Auch das Buch „Ihr dort oben, wir da unten“ über Flak-Helfer ist empfehlenswert.

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Heimkehrer Wien 28. April 2025

Mein Großvater, Bergungsleiche 194

Christine Schwarz, Jg. 1954

Am 12. März 1945 ist mein Großvater, Beamter im Unterrichtsministerium, verschüttet worden, da bei der Bombardierung der Oper auch der Philipphof neben der Albertina bombardiert worden ist. Mein Vater war an der Front in der Steiermark. Aufgrund der Nachricht vom Tod seines Vaters hat er sogar Urlaub bekommen. Er hat eine Nummer erhalten, der Großvater war Bergungsleiche 194. Hinten am Zentralfriedhof, an der Mauer, sind die Toten in Papiersäcken in provisorische Gräber gelegt worden. Als mein Vater eine oder 2 Wochen nach dem Tod seines Vaters in Wien angekommen ist, hat er den Papiersack aufgemacht. An den Haaren hat er seinen Vater erkannt. Jedes Mal, wenn wir bei der Albertina vorbeigegangen sind, hat uns unser Vater diese Geschichte erzählt. Ich hab unseren Großvater natürlich nicht gekannt, ich bin ja erst neun Jahre später zur Welt gekommen. Aber du hast einfach gespürt... Mein Vater hat immer gesagt, im Grunde hat ihm der Tod seines Vaters das Leben gerettet, weil die Einhei...

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Heimkehrer Wien 6. April 2025

Ö 1945-55: arm, aber reich an Bildung

Franz Albert Pichler

Darstellung der Armut, der politischen Widersprüche, aber auch der vielen Bildungsmöglichkeiten trotz Bombenruinen in Wien.

Wir waren Hunde arm. Kriegsbedingte Binnenflüchtlinge. Anfangs lebte ich als kleines Kind in einem Dorf an der oberen Donau, in Engelhartszell. Auf der einen Seite der schmalen Donau war eine Kaserne der US- Soldaten, die meisten waren Afro- Amerikaner. Am anderen Ufer war ein russisches Lager. Auf einem schmalen Streifen entlang der amerikanischen Seite der Donau war ein Flüchtlingslager: es waren Banater, Deutschsprachige aus Rumänien und Südosteuropa, die vor den sowjetischen Truppen flüchteten. Mit den Flüchtlingskindern spielte ich am liebsten. Mit den Nazikindern im Ort hatte ich keinen Kontakt. Mir zuliebe zog dann die Familie im Sommer 1949 nach Wien, damit ich statt in einer in zwei Klassen geteilten Volksschule eine gute Schule besuchen konnte. Bildung war für uns wichtig: am Donau Ufer hatte ich bereits die Großbuchstaben gelernt, die ich unter Anleitung meines Vaters mit einem Stecken in den feuchten Sand malte. Vor allem in Wien war- trotz der Bombenruinen - Bildung...

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Heimkehrer Wien 2. April 2025

Flucht, Vertreibung und Gefangenschaft

Karolina

Flucht vor den Russen. Kriegsgefangenschaft. Vertreibung aus Südmähren. Überleben in Wien.

Ich bin 1953 geboren. Ich berichte über Erzählungen , die ich in meiner Kindheit in meiner Familie über die Zeit nach dem Krieg gehört habe. 1) Die Geschichte meiner Mutter und ihrer Mutter, die 1945 vor den Russen flohen : Ein paar Jahre vorher waren sie aus Wien ins Burgenland gezogen. Jetzt flohen sie vor den Russen, über die man furchtbare Dinge hörte, konnten nur wenige Dinge mitnehmen und fuhren in einem Viehwaggon, der immer wieder an andere Züge angehängt wurde, mit anderen Familien an ein unbekanntes Ziel, wussten nie, wo sie am nächsten Tag aufwachen würden. Schließlich landeten sie in OÖ, wo die Amerikaner zuständig waren. Dort lebten sie jahrelang in einer Baracke. Geschichten auch von Luftangriffen, Sirenen und Tieffliegern und das Laufen zu einem Luftschutzkeller hörte ich. Von der Angst sprach meine Mutter, und dass sie aus Angst immer etwas essen musste. Es gab aber wenig, rationierte Lebensmittel, Butter, Brot, Mehl, Zucker nur mit Essensmarken. Sie konnte mit d...

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Heimkehrer Wien 24. März 2025

Am Donaukanal

Annie Weich

Das Flüchtlingskind Annie Weich kommt als 11-Jährige erstmals nach Wien zurück und macht mit ihrer Mutter einen Spaziergang am Donaukanal

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Heimkehrer Wien 18. März 2025

Mit dem Schulbus unterwegs

Annie Weich

Annie Weich, als Kind Schülerin des Lycée francais in Breitensee, berichtet von der Fahrt in die Schule

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Heimkehrer Wien 18. März 2025

Vergessene jüdische Traditionen

Annie Weich

Annie Weich, aufgrund ihrer jüdischen Herkunft 1938 als Kleinkind aus Wien geflüchtet, erinnert sich anhand einer Etrogdose ihrer Großmutter an vergessene Traditionen

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Heimkehrer Wien 18. März 2025

Rückkehr nach Wien

Friedl Benedikt

Die Schriftstellerin Friedl Benedikt kommt im Sommer 1950 erstmals zurück nach Wien. Am 2. September besucht sie im Geheimen ihr arisiertes Elternhaus.

2. September 1950 Gegen Abend wanderte ich die steile Straße, wo wir früher gewohnt haben, hinauf – nicht den Weg auf der Rückseite, wie ich es bisher getan hatte. Ich wusste, dass die Amerikaner eine Familie in unserem Haus einquartiert hatten, und erwartete, dass das Gartentor und das Haus versperrt sein würden. Aber das Tor war offen. Ich trat ein und schlich auf Zehenspitzen zum hinteren Garten, weil ich Angst hatte, jemandem im Haus zu begegnen und ausgefragt zu werden. Seit Jahren hatte sich niemand um den Garten gekümmert, und nun war er eine Wildnis aus Blumen, Brennnesseln und Gebüsch. Ich konnte mich kaum zurechtfinden, aber einige Bäume stehen noch, die ich allmählich wiedererkannte. Unser Garten grenzt an die Weingärten, und von seinem hinteren Ende aus hat man einen Ausblick über die ganze Stadt. Das weiß ich, aber schon jetzt, um ein Uhr nachts, kann ich mich nicht mehr erinnern, es gesehen zu haben. Ich ging wie von Blindheit geschlagen durch den Garten. Ich sah ni...

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Heimkehrer Wien 18. März 2025