Im Kartoffelkeller bei Bombenalarm

Pindur Johanna, Jahrgang 1939

Fliegeralarm – Luftschutzkeller

Bei dem Bauern, bei dem meine Mutter mit mir und meinem kleinen Bruder untergebracht waren, gab es keinen Luftschutz“keller“. Bei Fliegeralarm mußten wir in ein kleines Nebengebäude laufen, in dem die Kartoffel für das ganz Jahr gelagert waren. Ich kann mich noch erinnern, daß meine Mutter bei Fliegeralarm zum Himmel schaute, die herannahenden Flugzeuge im Auge behielt und auch manchmal sagte, wenn diese die Bomben ausklinkten „die erreichen uns nicht“. Und sie hatte immer recht. Im obersten Stock des Bauernhauses war eine Frau untergebracht, die immer Karten legte. Sie kam nie in den Kartoffelkeller. Doch eines Tages kam sie gerannt und rief „heute wird’s gefährlich“ … und tatsächlich schlug eine Bombe hinter dem Haus ein.

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sonstiges Oberösterreich 8. November 2025

Freundschaft mit polnischem Zwangsarbeiter

Frau Sammer

Mein Vater wohnt seit seiner Geburt in Gunskirchen, 1937 ist er geboren. Er hat mir viel erzählt, was er so als Kind erlebt hat. Er war bei Kriegsende acht Jahre. Zum Beispiel gab es einen polnischen Zwangsarbeiter am Bauernhof. Mit dem ist er befreundet gewesen und er hat ihm auch die Sprache gelernt. Also mein Vater hat polnisch gekonnt mit 5-6 Jahren. Dieser Zwangsarbeiter hat dann zum Kriegsende in das Barackenlager nach Wels müssen. Dan haben sie ihn mit einem Pferdefuhrwerk wegebracht und der Kleine war dabei. Der hat dann gewusst ungefähr, wo das ist, und er ist ihm noch nachgelaufen. Das heißt er ist von zu Hause weggelaufen zu dem Zwangsarbeiter, zu dem befreundeten.

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sonstiges Oberösterreich 27. Juni 2025

Meine Begegnung mit befreiten KZlern

Frau Loidl

Das Allerprägendste für mich war, als die entlassenen KZler, die noch gehen konnten, einmal bei uns durch Neukirchen durchgegangen sind, drei KZler noch in den gestreiften Häftlingsanzügen. Es war ein sehr schöner Frühlingstag 1945, wir sind draußen gesessen. Da sind sie zu uns hergekommen und haben uns in gebrochenem Deutsch gefragt, ob sie hier richtig sind - das dürften Italiener gewesen sein, weil sie Richtung Attersee wollten. Und sie haben uns gebeten, ob wir ein bisschen was zu essen hätten. Meine Mama und meine Oma, die sonst nicht die Freigiebigste war, haben alles zusammengesucht an Brot und gekochten Kartoffeln, daran erinnere ich mich sehr genau. Ich habe noch nie in meinem Leben so etwas gesehen - Menschen, die nur mehr Haut und Knochen sind.

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sonstiges Oberösterreich 15. Mai 2025

Mit 11 Jahren war ich "Das Neukirchner Tagblatt"

Fr. Loidl

Schwarzsender gehört und vom KZ erfahren: Die Schule war schon Anfang März 1945 zu Ende, lange Ferien also. Ich war damals 11 Jahre alt. In dieser Zeit haben wir die ersten Informationen über das KZ-Nebenlager Ebensee bekommen, durch ein Flüchtlingsmädchen aus Schlesien, die bei uns einquartiert war und ins Lager arbeitsverpflichtet worden ist. Sie ist ganz aufgeregt zurückgekommen, obwohl sie gar nicht so viel zu sehen bekommen hat, weil sie ja im Büro war. Trotzdem: es hat genügt, um uns alle in helle Aufregung zu versetzen. Wir hatten davor nichts mitbekommen von den Lagern. Ab da war meine Mutter ganz, ganz streng, denn damals waren im Stadl meiner Großmutter schon Volkssturmmänner aus Wien einquartiert. Die haben die Frequenz eines Schwarzsenders im Radio gehabt - und die haben mich animiert, den zu hören. Meine Mutter hatte Angst, dass uns jemand anzeigt, aber ich habe gesagt: Wer soll denn uns hören? Ich drehe ja eh ganz leise. Ich habe immer diesen englischen Schwa...

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sonstiges Oberösterreich 15. Mai 2025

POW im Gefangenlager Manchester (England)

Josef Bauchinger

Josef Bauchinger, geb. 16.09.1926 in Ried im Innkreis, zur Erinnerung an die Gründung der 2. Republik, als Kriegsgefangener im Lager Manchester.

Erinnerung zum 80. Geburtstag der Republik Österreich / Josef Bauchinger / geb. 16.09.1926 Im Jahr 1945 endeten der Zweiten Weltkrieg und die NS-Herrschaft in Europa. In Österreich wurde die Zweite Republik gegründet, die nun im Jahr 2025 ihr 80. Jubiläum feiert. Am 25. April 1945 wurde in Österreich eine provisorische Regierung eingesetzt und am 14. Mai die Demokratische Republik Österreich ausgerufen. Vor 80 Jahren war ich als POW (Prisoners Of War) in Manchester/England in Kriegsgefangenschaft. Als deutscher Soldat (geboren in Ried im Innkreis/Österreich), gefangen genommen von den alliierten Streitkräften (in Nancy/Frankreich von den Amerikanern). Immer wieder wurden wir von der Lagerleitung darauf hingewiesen, dass politische Aktivitäten bei Strafe verboten waren. Am Tag der Ausrufung des österreichischen Staates, wurde am Platz in der Mitte des Lagers, an dem die POW anzutreten hatten, auf einem hohen Baum die österreichische Flagge gehisst. Das wurde von der Lagerl...

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sonstiges Oberösterreich 26. April 2025

"Sie Znaimer Gurkn!", "Sie foaste Nudel!"

Helmut Friedrichsmeier, Jahrgang 1944

Wortgefechte mit den Einquartierten Die Amerikaner waren die ersten Einquartierten bei uns in der Bad Ischler Sommervilla meines verstorbenen Großvaters. Ich hab das spannend gefunden, diese Soldaten in Uniform bei uns zu haben. Meine junge Mutter war auch interessiert am Kontakt. Und das hat meine Großmutter verurteilt: Was werden die Leute sagen! Bald darauf mussten wir eine Flüchtlingsfamilie aus der Brünner Gegend in unserer Villa aufnehmen. Das war natürlich nicht das, was meine Großmutter wollte; die Amerikaner hatten noch einen gewissen Status verliehen. Mich hat es gefreut, weil ich als einen Spielkameraden hatte, während meine Großmutter sich bald mit der Frau dieser Flüchtlingsfamilie verfeindet hat. Meine Großmutter hat immer gesagt: Sie Znaimer Gurkn! Znaim war ja eine Gemüsezucht Gegend. Und die Frau aus Südmähren hat gesagt: Sie foaste Nudel! Meine Großmutter war ja nicht ganz schlank. An solche Wortgefechte kann ich mich erinnern. Die sind dann auch nach einei...

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sonstiges Oberösterreich 21. April 2025

Onkel Rudolf, erzähl vom Krieg

Johann Grabner

Informant war der damals gut 15- jährige Bruder meines Vaters: Es geht um eine SS- Einheit in unserem Ort zu Kriegsende, Desertation und Arbeit für die Besatzer

„Onkel Rudolf, erzähl vom Krieg“ „Der Endsieg ist unser. Selbst wenn russische Soldaten in meinem Garten stehen, weiß ich: Wir werden den Krieg gewinnen!“ So im April 1945 die Worte eines fanatisierten Bauern aus der Nachbarschaft meiner Großeltern. In Weitersfelden hatten sich Soldaten des sich auflösenden Regimes breit gemacht: eine Einheit der SS mit fünf Panzern, Kanonen und Granaten, mit Fanatismus in Uniform und jenem Mut, der aus den Mündungen der Gewehre kommt. Einen der Panzer hatten sie im Hof meiner Großeltern postiert, wo sich mehrere Soldaten einquartiert hatten. Die anrückenden amerikanischen Truppen standen bereits im benachbarten St. Leonhard. Männliche Dorfbewohner jeglichen Alters hatten an der Aist sogenannte Panzergräben auszuheben. Auf der Brücke wurden als Hindernis für die Panzer Baumstämme platziert. Mit dabei bei diesen Arbeiten: der jüngere Bruder meines Vaters, Rudolf, damals gut 15 Jahre alt. Die Brücke wurde zur Sprengung vorbereitet. Eini...

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sonstiges Oberösterreich 26. März 2025