

20 Russen haben im Wohnzimmer geschlafen
Gertrude Weese
Die Kriegsereignisse waren nicht so stark spürbar am Außenrand von Wien, in Erinnerung geblieben sind mir die Menge an Flugzeuggeschwadern. Was ich in guter Erinnerung habe, waren die Russen, die bei uns im Haus einquartiert waren. Wir haben 20 Russen einmal über 14 Tage im Wohnzimmer meiner Eltern gehabt. Wir haben im Nebenzimmer geschlafen mit den Eltern und der Großmutter, Gott sei Dank ist nichts passiert. Man musste das Wohnzimmer durchqueren, um aufs Klo zu gehen. In der Nacht sind auch andere gekommen und haben die Kästen durchsucht, um zu schauen, ob sie wo Nazis finden. Zwei Jahre lang waren später auch zwei Offiziere einquartiert bei uns. Obwohl sie auf die alten Ölgemälde geschossen haben, haben wir uns nicht geängstigt, wir fühlten uns von den Eltern beschützt. Und ich erinnere mich an die unheimlich schönen Marschgesänge, die die Russen beim Marschieren durch die Straßen gesungen haben.
weiterlesenWohnen Wien 6. Mai 2025
Haft wegen NSDAP-Parteibuch im Kohlenkeller
Hr. Koitz
Ich erzähle die Geschichte meiner Lebensgefährtin, Jahrgang 1927, und die ihrer Mutter: Es war überall Vernaderung. Am 11. August 1945 ist die Mutter meiner Lebensgefährtin nicht mehr nach Hause gekommen. Die Mutter wurde von neidischen Nachbarn im Matteottihof im 5. Wiener Gemeindebezirk wegen ihrer seinerzeitigen Parteizugehörigkeit zur NSDAP angezeigt, weil diese zu einer Gemeindewohnung kommen wollten. Die schlimmste Erfahrung machte aber die Mutter mit ihrer Schwägerin. Um zu einer Wohnung zu kommen, verriet die Schwägerin den Behörden, dass sich das Parteibuch der Mutter im Kohlenkeller in einem Müllsack befindet. Sie hatte es, im Gegensatz zu den meisten, nicht sofort weggeworfen. Dabei hatte sich die Mutter nie politisch betätigt, im Gegenteil, sie hat als Straßenbahnschaffnerin schwer gearbeitet im Zweiten Weltkrieg (...) Erst eineinhalb Jahre später kam die Mutter meiner Lebensgefährtin frei, und zwar aus dem Grund, weil die Gerichtsbarkeit langsam arbeitete und we...
weiterlesenWohnen Wien 20. April 2025
Mäuse in der Lamperie
Helga Matis, Jg. 1945
Zu viert auf engstem Raum im Nachkriegswien: ohne Wasser, ohne Strom, ohne Heizung. Helga schlief im Gitterbett bis 14. Eine Gemeindewohnung war ohne Parteibuch nicht zu haben.
weiterlesenWohnen Wien 31. März 2025
Wohnen nach dem Krieg
Maxa H. Danesi, Jahrgang 1958
Großeltern 9 Jahre lang in einem Wohnhaus mit NS-Familie. Dabei war Großvater als Legitimist wegen Vorbereitung zum Hochverrat im Gefängnis, halbjüdische Großmutter überlebte nur mit viel Glück, samt ihren drei Töchtern, das Mörderregime.
In Mautern/Donau gab es eine russische Militärkommandantur und Bedarf nach zusätzlichem Wohnraum für die russischen Soldaten. Daher wurden meine Großeltern im Juni 1945 samt ihren Töchtern in ein, von ehemaligen Nationalsozialisten verlassenes Haus umgesiedelt (diese waren zu Kriegsende Richtung Westen geflohen). Das Glück sollte nur von kurzer Dauer sein. 1948 kamen die Hausbesitzer zurück und die beiden Familien mussten sich das Haus teilen (die einen lebten im Parterre, die anderen in der Mansarde). Obendrein wurde meine damals erst 18-jährige Tante von einem russischen Besatzungssoldaten geschwängert. Sie lebte daraufhin samt Kind bei ihren Eltern (s.o.). Von 1949 - 1954 arbeitete sie in der Schweiz, das Kind wurde während dieser Zeit von den Großeltern aufgezogen. Erst 1957 normalisierte sich die Lage. Es wurde ein Gemeindebau im Ort errichtet und meine Großeltern konnten dort einziehen. Über all diese Vorkommnisse wurde in der Familie nie gesprochen. Als mir diese, und viel...
weiterlesenWohnen Wien 13. März 2025
