Mein Vater, der fremde Mann

Manfred Golda, Jg. 1941

Mein Vater kam erst 1948 aus der Kriegsgefangenschaft zurück. Da stand plötzlich ein fremder Mann in der Tür. Meine Mutter hat sich umgedreht und geschaut, was denn da los ist und hat einen Freudenschrei ausgestoßen. Die zwei sind sich da im Arm gelegen - und ich bin daneben gestanden und hab nicht gewusst, was los ist. Und dann hat sie gesagt, das ist dein Papa! Oder: dein Vater. Ha! Bis ich mich daran gewöhnt habe, dass da jetzt noch ein männliches Wesen im Haus ist, das hat eine Weile gedauert.

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Heimkehrer Kärnten 31. Mai 2025

Zurück in die alte Heimat

Renate Scherr

Aus den Aufzeichnungen meiner Mutter Renate Scherr, née Wagner, 1927-2021. Nach der Flucht aus einem kath. Erziehungsheim bei Laupheim und die Rückkehr in die "Heimat".

-- Kriegsende -- Eines Tages wurden wir Österreicher zusammen-getrommelt und ab nach Hause geschickt. Ich hatte den Eindruck, in einem Viehwaggon zu sitzen. Es war so ein komisches, bläulich gleißendes Licht. Ich weiß nicht mehr, wie man das nannte. Wir Österreicher wurden zusammengetrommelt und mit dem Zug nach Hause geschickt. Wie ich mich darüber freute! In der Heimat angekommen, gab es keine Begrüßung für mich, nur Enttäuschungen am laufenden Band. Zu Hause in Knappenberg hat mich meine Stiefmutter erst einmal fragend angeschaut und sagte dann: „Was willst Du hier? Das ist nicht mehr Dein Zuhause! Ich bin von Deinem Vater geschieden. Du kannst eine Nacht hier schlafen, aber morgen musst du verschwinden!“ Ich wusste nicht, wie und was mit mir geschah. Ich ging am nächsten Tag zum Bahnhof nach Hüttenberg und kaufte mir eine Fahrkarte nach Unzmarkt. Koffer und Habseligkeiten hatte ich mit. Vor Unzmarkt löste ich vor Verzweiflung die Sicherheitsstange am Ausstieg und ließ mi...

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Heimkehrer Kärnten 27. März 2025