
80 Jahre Zweite Republik Zwischen Trümmern und Neubeginn
Radiokolleg Wie Österreich neu formiert wurde
(Kein) Wodka für den russischen Offizier
Frau Ganglbauer, Jg. 1941
Die Russen waren in der Kaserne Wetzelsdorf untergebracht, dort sind sie durch die Straßen und es herrschte eine fürchterliche Angst. Vor allem die Frauen fürchteten sich, weil sie oft vergewaltigt wurden. Meine Mutter wurde in der Frauengassen ausgebombt, sie lebte deshalb bei ihren Eltern in Wetzelsdorf. Die Frauen haben sich alt und arm angezogen, die Tochter am Dachboden versteckt. Eines Tages kam einer, dessen Uniform vermuten ließ, dass er einen höheren Rang innehatte. Er ging ins Haus hinein, setzte sich in die Küche, meine Großmutter und mein Großvater, der pensionierter Revieroberinspektor war, meine Mutter und ich drückten uns an die Wand. Er saß da, schlug mit der Faust auf den Tisch und brüllte „Wodka, Wodka“! Meine Großmutter und Mutter sagten immer wieder, sie hätten keinen, er wiederum brüllte wieder „Wodka“! Ich dachte mir, dass das komisch war, geh dann mit einem Glas zum Wasserhahn, fülle es mit Wasser und stelle es vor ihn hin. Er hat so zu lachen begonnen, schall...
weiterlesenBesatzungsmächte Steiermark 19. Mai 2025
2. Teil: Kriegsende mit russischer Besatzungsmacht
Illi-2
Auszuge aus der Geschichte meiner Familie, die ich als Zeitzeuge (geboren 1933) für meine Kinder und Enkel geschrieben habe, um die Lebensumstände in früheren Zeiten nicht in Vergessenheit geraten zu lassen. Teil 2.
Das Kriegsende war eine gravierende Änderung. Ich kannte zuvor nichts anderes als das SN-Regime und ganz plötzlich war ich kein Hitlerjunge (Pimpf) mehr. Total ungewohnt und mir deshalb schwerfallend, war zum Beispiel die erforderliche andere Art des Grüßens, statt des alleinigen „Heil Hitler“ nun „Grüß Gott“, „Guten Morgen“ bzw. „Guten Abend“ oder sogar „Küss die Hand“! So passierte einem zum Beispiel oft noch lange, dass beim Eintritt des Lehrers in die Schulklasse automatisch die rechte Hand in die Höhe schnellte, so wie es einem jahrelang beigebracht wurde. Man spürte eine allgemeine Veränderung der Stimmungslage, einerseits Freude, dass der Krieg zu Ende ist, andererseits aber Besorgnis, wie die Zukunft unter den Besatzungsmächten sein wird. Denn eine Verbesserung der Lebensumstände zeigte sich nicht, im Gegenteil, der Mangel an allem war noch gravierender. In meiner Erinnerung waren die nächsten zwei Jahre die härtesten, die ich erlebt habe. Wir Kinder mussten ...
weiterlesenBesatzungsmächte Steiermark 22. April 2025
Britische Soldaten werfen Essen weg
Karin Tierrichter
Neuer Blick auf britische Besatzer
weiterlesenBesatzungsmächte Steiermark 15. Mai 2025
Der Russe, der gerne eine Freundin gehabt hätte
Gilda P., Jg. 1929
Die Propaganda gegen die Russen war sehr hart im Vergleich zu dem, was wir dann erlebt haben. Die Russenzeit war insofern die mieseste Zeit in der ganzen Besatzung, weil es nichts zu essen gab. Die Russen haben uns eingesalzenen Speck gegeben. Aber das konnten wir nicht essen. Sonst haben wir von den Russen nichts bekommen, weil sie ja auch rationiert waren. Ich erinnere mich, da war mal ein russischer Offizier, der wollte unbedingt eine Freundin haben, zum Beispiel mich hätte er haben wollen. Aber eine liebe Freundin hat sich vor mich gestellt. Die haben sehr viel herumgekaspert. Das war so lustig. Er hat mit ihr verhandelt um mich, aber sie hat ihm gesagt: die ist viel zu jung, da machen wir nix. Ich war damals 16. Und dann ist er weg. Ich hab damals noch absolut nix wissen wollen von Männern.
weiterlesenBesatzungsmächte Steiermark 25. April 2025
Die Gesellschaft war männerlos
Ilse Karner
Es waren die Frauen vollkommen auf sich allein angewiesen. Man war froh, wenn der Vater zurückgekommen ist. Diese Gesellschaft war total männerlos. Die Frauen hatten Angst, sowohl dass die Russen vergewaltigen und auch, dass sie das nicht schaffen allein. Von wegen einer schönen Zeit in der Jugend, das ist ihnen alles gestohlen worden. Und so viele haben dann ihre Männer, ihre Söhne verloren und damit praktisch das ganze Leben war kaputt. Es wurde darüber nicht gesprochen, über weder vor dem Krieg noch nach dem Krieg. Man hat nur versucht rauszukommen aus dieser Misere und arbeiten, leisten und etwas besser leben. Aber das ging lang, in langsamen Schritten. Man hat jetzt schon so lang für eine Aufarbeitung gebraucht, deswegen rufe ich auch an ich freue mich, dass das gemacht wird für die nächsten Generationen, weil die heutige kann sich ja gar nicht vorstellen, was das für ein Elend war. Wenn Fliegeralarm sind wir durch die Straßen bis zum Schlossbergstollen gerannt. Meine Perso...
weiterlesenBesatzungsmächte Steiermark 7. Mai 2025
Die Wunder modernen Komforts
Karin Tierrichter
Russische Besatzungssoldaten waschen Kartoffeln
weiterlesenBesatzungsmächte Steiermark 15. Mai 2025
Eierspeise mit weinendem russischen Soldaten
Gertrud Grinschgl, Jahrgang 1936
Meine Mutter war eine junge Witwe mit uns drei Kindern. Wir mussten flüchten zu meinem Großvater nach Stambach. Und einen Tag später, da waren die Russen in diesem Gebiet. Da haben sie eine Flak aufgestellt beim Haus vom Großvater. Und da wurde hin- und hergeschossen mit den Amerikanern, die in Lafnitz waren. Das ist auch ein Dorf, fünf Kilometer von Grafendorf weg. Am nächsten Tag, wo ich mich sehr gut erinnern kann, sind von Schloss Reitenau Soldaten übern Bach herübergekommen, mit Stiefeln und Kübeln in der Hand. Da hatten sie aufgeschlagene Eier drinnen. Mein Großvater musste den Ofen einheizen, und da haben sie Eierspeise daraus gemacht. Und ich kann mich gut erinnern, uns Kinder hatten sie auch mit am Tisch und haben uns auch Eierspeise zum Essen gegeben. Mein kleiner Bruder war damals vier, fünf Jahre alt, und da hat ein junger russischer Soldat meinen Bruder in den Arm genommen und hat zu weinen angefangen. Wir haben das dann so verstanden, er hat zu Hause auch so einen ...
weiterlesenBesatzungsmächte Steiermark 20. April 2025
Besatzungsmächte Steiermark 9. Mai 2025
Ein russischer Arzt rettet einem Kind das Leben
Karin Tierrichter
Auch die Russen waren nicht alle zum Fürchten
weiterlesenBesatzungsmächte Steiermark 15. Mai 2025
Erinnerungen an den 9. Mai 1945
Ö1 - Gemeinsam erinnern
Frau Breitler, technische Zeichnerin und Sekretärin in den Boehler-Werken in Kapfenberg
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Besatzungsmächte Steiermark 18. März 2025
Erzählungen meiner Großmutter
Elisabeth Blaickner
Meine Großmutter, geb. 1913, erzählte mir in den frühen 70ern vom Krieg und danach
Erinnerungen an Aussagen meiner Großmutter aus dem Krieg und der Zeit nachher Meine Großmutter, geb. 1913, wohnhaft in Friedberg, Steiermark, erzählte mir, dass ihr 1944 zweitgeborenes Kind, mein Onkel, als Baby keine Zucker kannte. Das „Flaschi“ wurde nur mit Milch zubereitet. Als es dann nach Kriegsende – ich weiß nicht ab wann, aber es muss bald gewesen sein, weil mein Onkel das Flaschi noch bekam - wieder Zucker gab und sie sein Flaschi süßte, lehnte er es ab, weil er den Zucker nicht kannte und dessen Geschmack nicht mochte. Mir kam das als Kind in den 70ern wie eine furchtbare Entbehrung vor, dass man keine gezuckerten Sachen essen und trinken konnte, damals gab es noch kein Bewusstsein über die Gefahren von Zucker. Mein Onkel hat mir entsetzlich leidgetan. An diese Worte meiner Großmutter und ihrer älteren Schwester kann ich mich auch noch gut erinnern: „Als die Russen kamen, habe wir jede ein Kind genommen und fest mit beiden Armen an die Brust gedrückt, damit sie uns...
weiterlesenBesatzungsmächte Steiermark 24. April 2025
Glauben verbindet
Karin Tierrichter
Russischer Besatzungssoldat hinterlässt einen Sack Mehl
weiterlesenBesatzungsmächte Steiermark 15. Mai 2025
Glückliche Heimkehr aus dem Krieg
Dr. Silvia Zenta
Heimkehr
Im Frühjahr 1945 kehrte mein Vater aus dem Krieg zurück. Teils zu Fuß schlug er sich von Griechenland über den Balkan nach Kärnten durch und wurde von den Engländern interniert. Er bekam das Angebot, sollte er in der englichen Besatzungszone einen Arbeitsplatz erhalten, so käme er aus der englischen Gefangenschaft frei. Bereits vor seiner Einberufung zur Feldeisenbahn hatte mein Vater als Ingenieur bei der Deutschen Reichsbahn in St. Pölten gearbeitet und daher versuchte er die Berufslaufbahn bei den zukünftigen Österr. Bundesbahnen fortzusetzen. So kam mein Vater nach Knittelfeld und half die zerstörte Infrastruktur wieder aufzubauen. Knittelfeld war bei Bombenangriffen im Februar 1945 fast zur Hälfte zerstört worden.
weiterlesenBesatzungsmächte Steiermark 27. März 2025
Leben in einer Arbeitersiedlung
Gemeinsam erinnern
Frau Steinwidder, Jg. 1958, über das Aufwachsen in der Arbeitersiedlung Judenburg
weiterlesenBesatzungsmächte Steiermark 6. Mai 2025
Nette Amerikaner, furchteinflößende Partisanen
Frau Six
Die Amerikaner waren das, die waren sehr nett, die haben bei unserem Hof hinten sind sie gestanden mit den Autos und da sind wir zurückgelaufen zu ihnen und sie haben uns Kaugummi gegeben, was wir nicht gekannt haben. Aber die Partisanen, die waren die ärgsten, da hat man sich sehr gefürchtet. Erstens haben die alle eine Glatze gehabt, und die haben von den Häusern die Räder mitgenommen, die haben wir verstecken müssen. Wir haben uns gefürchtet, die haben gestohlen und vergewaltigt und so Sachen.
weiterlesenBesatzungsmächte Steiermark 27. Juni 2025
