1. Erlebnisse in den letzten Kriegswochen

Illi-1

Auszuge aus der Geschichte meiner Familie, die ich als Zeitzeuge (geboren 1933) für meine Kinder und Enkel geschrieben habe, um die Lebensumstände in früheren Zeiten nicht in Vergessenheit geraten zu lassen. 1. Teil.

1933 geboren verbrachte ich die Kriegs- und Nachkriegszeit zusammen mit meiner ältere Schwester und meinem dreijähriger Bruder bei meinen Eltern, in einer Mietwohnung in Leoben wohnend. Wenn ich an diese frühe Zeit zurückdenke, dann fallen mir vor allem die häufigen Fliegeralarme ein, die viele Zeit, die wir im Luftschutzkeller verbrachte. Auf Leoben fielen aber keine Bomben, wohl aber hörten wir oft die auf Graz zufliegenden Flugzeuge. Der heute bei Feueralarm gegebene Sirenenton, der den Fliegeralarm einleitete, berührt mich heute noch unangenehm. Ich war nicht begeistert, immer wieder nachts aus dem warmen Bett geholt zu werden, aber man nahm es als selbstverständlich hin, wir Kinder kannten es nicht anders. Rückblickend zeigt es mir, dass sich der Mensch an von ihm nicht zu beeinflussende Umstände gewöhnen kann. So hatte ich auch keine Angst, dass etwas Schreckliches passieren könnte. Das Schicksal, ausgebombt zu werden oder wie es vielen anderen damals erging,...

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Familiengeschichten Steiermark 22. April 2025

3. Essen in Kriegs- und Nachkriegszeit

Illi-3

Auszuge aus der Geschichte meiner Familie, die ich als Zeitzeuge (geboren 1933) für meine Kinder und Enkel geschrieben habe, um die Lebensumstände in früheren Zeiten nicht in Vergessenheit geraten zu lassen. Teil 3.

Bald nach Kriegsbeginn wurden Lebensmittel rationiert. Es gab Reichsnährmittelkarten, Reichsfleischkarten, Reichsfettkarten, Reichsbrotkarten, Reichsmilchkarten, Reichskarten für Marmelade, Zucker und Eier. Mit Kriegsfortschritt wurde es aber immer schwerer, selbst das zu bekommen, was einem per Karte zustand. Aufgrund der anhaltenden Mangelsituation wurde die Rationierung auch von den alliierten Besatzungsmächten nach Kriegsende beibehalten. Man lernte mit Kalorien zu rechnen, für manche nicht ganz einfach: „I hob no nia Kalorien gessn und bin net varhungert“.) Man war darauf angewiesen, sich zusätzliche „Kalorien“ zu besorgen, sei es im eigenen Garten, durch „Hamstern“ bei Bauern, Abstauben auf Feldern oder durch Schwarzhandel, wobei die „Zigarettenwährung“ eine wesentliche Rolle spielte. Schwerpunkt unserer Ernährung waren Kartoffeln und Mais. Brot nur aus „schwarzem (Roggen-)Mehl“. Weißbrot lernte ich das erste Mal Ende 1945 kennen, durch die englische ...

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Familiengeschichten Steiermark 22. April 2025

4. Was gab es noch im Krieg und danach

Illi-4

Auszuge aus der Geschichte meiner Familie, die ich als Zeitzeuge (geboren 1933) für meine Kinder und Enkel geschrieben habe, um die Lebensumstände in früheren Zeiten nicht in Vergessenheit geraten zu lassen. Teil 4.

In Zeiten der Not hat Kleidung keinen modischen Stellenwert. Kleidung jeder Art, Stoffe, Wolle, neu zu kaufen, war kaum möglich, selbst mit Bezugsschein, der "Reichskleiderkarte", gab es nur wenig. Obwohl es an allem fehlte, schaffte man es doch, nicht nackt, sondern eben mit alten, x-mal reparierten oder umgenähten Klamotten herumzulaufen. Man war froh, überhaupt etwas zum Anziehen zu haben, bei Kindern, wenn es „noch“ oder „in etwa“ passte, und geflickte Sachen mussten selbstverständlich weitergetragen werden, zu klein gewordene Kleider und Schuhe wurden an jüngere Geschwister oder Kinder von Verwandten und Bekannten weitergegeben. So „erbte“ mein jüngerer Bruder manches von mir, und ich wiederum von meiner älteren Schwester. Etwas auszusortieren, weil es nicht mehr schön war oder nicht mehr gefiel, war undenkbar. Auch im Winter trug ich als Bub dieselbe kurze Lederhose wie im Sommer und dazu lange Strümpfe, die von einem „Strumpfbandhalter“ festgehalten wurd...

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Familiengeschichten Steiermark 22. April 2025

Britische Soldaten werfen Essen weg

Karin Tierrichter

Neuer Blick auf britische Besatzer

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Familiengeschichten Steiermark 15. Mai 2025

Die Nachbeben des Heimatverlusts

Daniela Müller

Als 1969 Geborene kann ich über die Zeit 1945 - 1955 freilich nichts sagen. Darüber, dass auch mein Leben im Schatten der Flucht meiner Großeltern aus dem damaligen Jugoslawien stand - sie waren Donauschwaben - durfte ich in den vergangenen Jahrzehnten einiges erfahren. Vor allem, was es betrifft, nicht bearbeitete Traumata zweier Generationen aufzuarbeiten, die allzu früh gestorben und manche davon nie wirklich in ihrer neuen Heimat angekommen sind. Meine Familiengeschichte sehe ich als Lehrbeispiel aus Norbert Elias' "Etablierte und Außenseiter". 2015 durfte ich für die Salzburger Nachrichten, für die ich als freie Redakteurin arbeite, einen Beitrag verfassen, siehe Anhang. Heute denke ich, dass es gerade meine Familiengeschichte war, die den Berufswunsch Journalistin in mir geweckt hat.

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Beitrag in den Salzburger Nachrichten vom 29.8.2015

Familiengeschichten Steiermark 26. März 2025

Die Wunder modernen Komforts

Karin Tierrichter

Russische Besatzungssoldaten waschen Kartoffeln

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Familiengeschichten Steiermark 15. Mai 2025

Eierspeise mit weinendem russischen Soldaten

Gertrud Grinschgl, Jahrgang 1936

Meine Mutter war eine junge Witwe mit uns drei Kindern. Wir mussten flüchten zu meinem Großvater nach Stambach. Und einen Tag später, da waren die Russen in diesem Gebiet. Da haben sie eine Flak aufgestellt beim Haus vom Großvater. Und da wurde hin- und hergeschossen mit den Amerikanern, die in Lafnitz waren. Das ist auch ein Dorf, fünf Kilometer von Grafendorf weg. Am nächsten Tag, wo ich mich sehr gut erinnern kann, sind von Schloss Reitenau Soldaten übern Bach herübergekommen, mit Stiefeln und Kübeln in der Hand. Da hatten sie aufgeschlagene Eier drinnen. Mein Großvater musste den Ofen einheizen, und da haben sie Eierspeise daraus gemacht. Und ich kann mich gut erinnern, uns Kinder hatten sie auch mit am Tisch und haben uns auch Eierspeise zum Essen gegeben. Mein kleiner Bruder war damals vier, fünf Jahre alt, und da hat ein junger russischer Soldat meinen Bruder in den Arm genommen und hat zu weinen angefangen. Wir haben das dann so verstanden, er hat zu Hause auch so einen ...

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Familiengeschichten Steiermark 20. April 2025

Ein Brot als Liebesgabe

Frau Valentinic

Ein russischer Besatzungssoldat verliebt sich

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Familiengeschichten Steiermark 9. Mai 2025

Ein russischer Arzt rettet einem Kind das Leben

Karin Tierrichter

Auch die Russen waren nicht alle zum Fürchten

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Familiengeschichten Steiermark 15. Mai 2025

Flucht aus Graz 1945

Herr Reinitzer

Also im Jahre 1945 im März wurde die Bevölkerung aufgefordert die Gebiete um Graz zu verlassen und möglichst nach Norden zu flüchten, weil die Front schon in der Oststeiermark war. Man hat sie schon schießen gehört. Ich wollte dann mit meiner Familie von einem Bauernhof, der circa zehn Kilometer nördlich von Graz ist, aufbrechen und haben alles vorbereitet, haben zwei Pferdefuhrwagen beladen mit allen notwendigen Dokumenten und was man halt alles bei einer Flucht mitnimmt und haben vorgehabt, am 31. März loszuwandern. Die beiden Wagen sind gezogen worden von Pferden. Und als wir dann starten wollten, haben wir bemerkt, dass ein Pferd gestohlen wurde. Jetzt haben wir einen der Wagen mit zwei Pferden bespannt und einen mit einem Pferd, nur weil das zweite gestohlen war und sind losgefahren, das war der 31. März. Und als wir kurz einige Kilometer gefahren sind, hat mein Onkel gemerkt, da ist ein anderes Fahrzeug gewesen mit diesem gestohlenen Pferd. Er ist hingegangen und hat mit de...

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Familiengeschichten Steiermark 30. Juni 2025

Geburt während Bombenangriff

Peter Steiner

Kaiserschnitt trotz Medikamentenmangels

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Familiengeschichten Steiermark 9. Mai 2025

Glauben verbindet

Karin Tierrichter

Russischer Besatzungssoldat hinterlässt einen Sack Mehl

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Familiengeschichten Steiermark 15. Mai 2025

Kauf dir ein Schaf und schlaf!

Michael Romirer

Das hat auch der Vater ganz zum Schluss erzählt, das ist so gegangen im Volksmund: „Kauf dir ein Schaf und schlaf!“ Die Bauern haben müssen bestimmte Kontingente von ihrem Stierbestand zwangsabliefern. Also wenn man mehrere Ochsen gehabt hat, das ist pro Betriebsgröße vorgeschrieben gewesen, bei uns ist ja Rindergegend, ja, und der Schafe gehabt hat, ist davon ausgenommen gewesen. Da hat man halt nicht direkt formuliert, sondern einfach gesagt: „Kauf dir ein Schaf und schlaf!“ Ja, das hab ich sehr oft gehört immer wieder.

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Familiengeschichten Steiermark 25. Juni 2025

Kesselflicker und Scherenschleifer

Dr. Silvia Zenta

Es waren verwegene Gestalten, die in schöner Regelmäßigkeit durch die Straßen zogen und ihre Dienste anboten. Sie machten Halt und Hausfrauen brachten schadhafte Töpfe zum Flicken und stumpfe Scheren und Messer zum Schleifen.

Beim Reisen mit der Bahn konnte es Überraschungen geben: Auch größere Tiere wurden ohne viele Umstände transportiert. So stieg schon mal eine Bäuerin mit ihrer Ziege in einem Regionalzug zu, was jedoch auch für die damalige Zeit etwas ungewöhnlich war.

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Familiengeschichten Steiermark 24. März 2025

Kindheit auf einem Bergbauernhof in Öblarn

Gertrud Vidovic geb. Erhardt

Der Beitrag befasst sich mit der Kindheit auf einem Bergbauernhof, der von Frauen - Großmutter bzw. Tante - geführt wurde und dem Schulbesuch während und nach der Kriegszeit. Angesprochen wird auch die (gute) Versorgung mit Nahrungsmitteln.

Kindheit auf einem Bergbauernhof in Öblarn Gertrud Vidovic geb. Erhardt Ich wurde 1934 geboren und habe meine Kindheit und die Kriegszeit auf einem Bergbauernhof in Öblarn (Stmk) verbracht, den meine Großmutter und nach ihrem Tod meine Tante allein – mein Onkel war im Krieg - bewirtschaftet hat. Zur Unterstützung meiner Tante, wurde dem Hof eine Zwangsarbeiterin aus der Ukraine zugeteilt, die mir einige Worte in Ukrainisch beigebracht hat. Nach dem Krieg ist sie in ihre Heimat zurückgekehrt. Noch kurz vor Kriegsende wurde der Bahnhof von Öblarn zwei Mal von amerikanischen Fliegern angegriffen; Erzählungen zufolge wurde Hitler in Schloss Gstatt vermutet. Mein Schulweg war im Krieg gefährlich. Wir mussten nach Beendigung des Unterrichtes entweder durch das Friedhofstor über die Wiesen Richtung Wald laufen oder falls es Tieffliegerangriffe gab, diese im Luftschutzkeller des Amtshauses abwarten und anschließend so rasch wie möglich den Heimweg auf den Berg antreten. Noch heu...

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Familiengeschichten Steiermark 28. März 2025