

Fenster mit Packpapier und der heimgekehrte Vater
Helga Wöber
Ich bin Jahrgang 1940, und wir waren als Kinder entweder bei der einen Großmutter in Liesing oder bei den anderen Großeltern in Langenlois, mein jüngerer Bruder und ich. Und ich kann mich erinnern, dass hinter einer Türe immer eine Tasche gestanden ist mit der nötigsten Sachen. Wenn die der Fliegeralarm kam, dann mussten wir mit dieser Tasche in irgendeinen Keller. An den Keller kann ich mich in Langenlois nicht mehr erinnern. Und wir haben also jeden Tag zu den Sternen geguckt und gehofft, dass unser Vater aus dem Krieg wieder zurückkommt. Aber wie ich fünf war nach dem Krieg im Herbst hat meine Mutter mich nach Wien geholt und hat mir die Wohnung gezeigt, die ich ja nicht in Erinnerung oder überhaupt nicht kannte. Und da war alles so finster, weil die Fenster alle noch mit Packpapier und Kartons verklebt waren. Und da habe ich mich richtig gefürchtet. Und von diesen verklebten Fenstern habe ich eigentlich in all diesen Geschichten nichts gehört. Mitgedacht. Das muss ich erzählen, ...
weiterlesenHeimkehrer Niederösterreich 26. Juni 2025
Der wild aussehende Mann war mein Vater
Otto Schöffel
Mein Vater ist dann irgendwann zurückgekommen. Da war ich dann schon sieben Jahre alt von der Kriegsgefangenschaft, und die haben wenig erzählt. Wenn man gefragt hat, hat man nicht sonderlich viel Antwort bekommen. Für mich tragisch war das Zurückkommen. Ich habe im Mühlbach, der bei so einer Mühle dabei ist, gebadet und. Und plötzlich kommt da ein wild aussehender Mann auf mich zu, nimmt mich und hält mich fest im Arm. Ich habe zu schreien begonnen. Ich hab ihn ja nicht erkannt. Es war immerhin meine erste bewusste Begegnung mit meinem Vater. Ich bin davongelaufen zur Mama und habe geschrien, Mama, Mama, da ist ein fremder Mann, der will mir was tun. Also mein erster Kontakt mit dem Vater ist so abgelaufen, a Katastrophen. Es war schwer für mich und hat lange gedauert, ein Verhältnis zum Papa aufzubauen. Der war immer nett zu mir und immer freundlich. Ich bin nur leider dann mit zehn Jahren schon in ein Klosterinternat gekommen, weil ich ja was studieren sollte und mein Bruder w...
weiterlesenHeimkehrer Niederösterreich 25. Juni 2025
Abzug der Russen und Traumatisierte Männer
Eva Steininger
In meiner Schulzeit gab es zwei Klassenzüge. Ein Zug war von 8 bis 12 Uhr und ich war im zweiten Klassenzug von 1 bis 4 Uhr Nachmittag. Es waren über 50 Kinder in der Schule in der Klasse. Es wurde ausgesprochen autoritär unterrichtet. Ich hab vom Unterricht ganz wenig mitbekommen, bin ganz hinten gesessen in den letzten Reihen. I Und dann 55 sind die Russen abgezogen. Das war wie ein Volksfest in Zwettl. Die Blasmusik ist gefahren, die Russen sind abgezogen, teilweise wurde gewunken und sind Freundschaften entstanden zu den Einheimischen. Aber man war sehr froh. Generell war man sehr froh, dass sie abgezogen sind. Ich habe in Erinnerung, es waren alle traumatisiert. Also ich glaube, alle Männer, die vom Krieg heimgekommen sind, waren verrückt oder hätten in ein Irrenhaus gehört. Aber die Situation war natürlich damals so, dass da erst diese Traumatisierungen noch gar nichts gewusst hat. Dann war große Not. Und für solche Einrichtungen gab es natürlich kein Geld. Man konnte ja nic...
weiterlesenHeimkehrer Niederösterreich 9. Mai 2025
Leben mit Russen im besetzten Haus
Eva Steininger
Im mühsam erbauten Haus der Großmutter war russische Besatzung einquartiert. Mein Vater und meine Mutter waren im Erdgeschoss auf die Wohnküche und auf ein Kabinett zusammengedrängt. Sie waren jung verheiratet, meine Mutter war schwanger. Die Schwiegermutter hat bei ihnen in diesem kleinen Kabinett geschlafen. Dann wurde ich geboren. Es gab in dieser Zeit eine Ausgangssperre, und die Wehen bei meiner Mutter setzten ein, so ab Mitternacht . Ein russischer Soldat, der bei uns im Haus gewohnt hat, ist mit ins Krankenhaus gegangen und links und rechts haben sie meine Mutter gestützt. Am 4. Mai 1947 wurde ich geboren. Wie meine Mutter dann mit mir nach Hause kam als neugeborenes Baby, war in dieser Wohnküche und in diesem kleinen Kabinett mein Vater, seine Mutter, meine Mutter und ich als Baby. Ich muss da noch weiter ausholen. Mein Vater wurde als letztes Kriegsfutter mit 16 Jahren eingezogen und wurde sofort an die russische Front geschickt und war zwei Jahre in einem sibirischen Gefa...
weiterlesenHeimkehrer Niederösterreich 9. Mai 2025
Harte schicksalshafte Zeiten waren das
Manfred Lagler-regall
Mein Vater erzählt aus seinen Kindheitserinnerungen
Harte schicksalshafte Zeiten waren das (Ende des 2. Weltkrieges und danach) Von ihm, also einem starken Mann, will ich nun erzählen. Es war einmal ein junger Mann, der hatte 4 ältere Brüder und kam kurz also ein Jahr vor dem Ende des Großen 2. Weltkrieges auf die Welt. Es ist dies mein leiblicher Vater. Als Kind verbrannte er sich die Hände mit heißem Wasser, und in der Kriegszeit und danach war es schwer für die Familie, in der er aufwuchs, wo sie sich über Orangen oder Mandarinen, die ihnen die Oma aus Wien im Winter schickte, sehr freuten, weil wenig zu essen da war, und die Besatzungsmacht-Soldaten, die Russen, vieles für sich selbst beanspruchten, wie z. Bsp. Kühe und anderes. Als die letzte Kuh aus ihrem Stall von den Russen beschlagnahmt wurde, das war einer der schlimmsten Momente für die Herkunftsfamilie meines Vaters, und er erzählte mir einige Male davon, woran er sich aber nicht gerne erinnere, weil das eine große Enttäuschung war. Und wenn dann beim Milchholen die M...
weiterlesenHeimkehrer Niederösterreich 8. Mai 2025
Jeden Heiligabend Vaters Kriegsgeschichten
Hr. Zöch, Jahrgang 1952
Als Jugendlicher wunderte sich Hr. Zöch darüber, dass sein Vater am Heiligen Abend immer wieder Geschichten aus dem Krieg erzählte. Der Grund dafür wurde ihm klar, als er erfuhr, dass sein Vater am Heiligen Abend 1948 aus der sowjetischen Kriegs-gefangenschaft zurückgekehrt war. Damals kam der Vater in einem alten russischen Soldatenmantel und mit Bart und langen Haaren zurück. Er wollte sich beim Friseur herrichten lassen, aber die Leute erkannten ihn nicht und hatten Angst vor ihm, bis er beruhigte: I bin's, da Ludwig!
weiterlesenHeimkehrer Niederösterreich 22. April 2025
Vater, der Fleischhauermeister, wusste Bescheid
Hr. Zöch, Jahrgang 1952
Mein Vater, also Adoptivvater, war Fleischhauer, später dann Landwirt. Er war im Krieg kein Widerstandsheld, aber auch kein Nazi - eher ein Typ Soldat Schwejk: man wurschtelt sich durch und will überleben. Und weil er Fleischhauermeister war, war er bei einer Einheit, die ganz vorne an der Ostfront die russischen Kolchosen, sagen wir mal, ausgeraubert haben. Weil die Wehrmacht brauchte ja Fleisch, um die Soldaten zu ernähren. Also der hat ziemlich genau gewusst, wie es dort zugegangen ist. Wenn die Rede gekommen ist auf das 1945er Jahr und wie es bei uns war, hat der immer nur einen Satz dazu gesagt: Ja arg, aber wenn die Russen, die Sowjets, dasselbe gemacht hätten wie wir im Osten, dann wär's hier noch zehnmal ärger gewesen. Das hat mich schon irgendwie beeindruckt, das ist hängen geblieben. Ich weiß mittlerweile natürlich auch aus verschiedenen Dokumentationen, was da alles abging im Osten.
weiterlesenHeimkehrer Niederösterreich 22. April 2025
Heimkehrer Niederösterreich 19. April 2025
Das letzte Aufgebot; Kapitel 6 - Heimkehr
Franz Holzmann
Die Geschichte der Heimkehr meines Großvaters Franz Holzmann, welcher als 17-jähriger kurz vor Kriegsende noch eingezogen wurde und dann die russische Gefangenschaft überlebte.
Die Geschichte meines Großvaters wurde von meinem Onkel Hermann Holzmann in den 90er Jahren anlässlich des 50-jährigen Jubiläums der Republik niedergeschrieben. Ich darf mit seiner Erlaubnis den Text des letzten Kapitels hier teilen und wollte auch selbst ein paar Worte zu meinem Opa schreiben. Kapitel 6: Heimkehr Im Oktober 1945 wurde ich dann eines Tages einem Transport zugeteilt. Zunächst vermutete ich, ich sollte in ein anderes Lager verlegt werden. Ich durfte aber heimkehren! Im Rückblick betrachtet, wollten die Russen mit dieser Aktion sicher auch ihre Sympathiewerte bei der österreichischen Bevölkerung anheben und der KPÖ Wahlkampfhilfe leisten. Tatsächlich wurden ja in Österreich Kommunisten bei den Sowjetbehörden vorstellig, um eine möglichst rasche Entlassung österreichischer Kriegsgefangener zu erreichen. So traf beispielsweise der erste Transport noch vor den Wahlen vom 25. November ein. Unser Rücktransport erfolgte nicht über Lemberg, sondern durch Südrussland ...
weiterlesenHeimkehrer Niederösterreich 4. April 2025
Vater kam krank aus dem Ural und Griechenland heim
Wolfgang Grassl
Er hat erzählt: "Wir hatten mit drei Sachen zu kämpfen: mit Schnee, mit Wölfen und mit Partisanen."
weiterlesenHeimkehrer Niederösterreich 31. März 2025
Zerlumpter Russe
Wolfgang Grassl, Jg. 1937
Noch vor Weihnachten 1945 taucht der Vater überraschend auf der Terrasse in Theresienfeld auf. Als einer der ersten kehrt er schwerkrank aus der Kriegsgefangenschaft hinterm Ural zurück.
weiterlesenHeimkehrer Niederösterreich 31. März 2025
Jetzt bin i dahoam
Stefan Ebner
Es heißt, der Bruder des ehemaligen Vizekanzlers Alois Mock sagte während seiner Heimkehr an den verschiedenen Stationen, jedes Mal, wenn er näher an zu Hause kam: "Jetzt bin i dahoam", bis er tatsächlich bei seiner Mutter im Haus in Euratsfeld stand.
weiterlesenHeimkehrer Niederösterreich 30. März 2025
Junge Soldaten schlugen sich durch
Reinhard Sitz
Junge Soldaten versuchten in letzten Kriegstagen heimzukommen, manche wurden von den Vorgesetzten heimgeschickt. Deserteure wurden aber erschossen.
weiterlesenHeimkehrer Niederösterreich 30. März 2025
Heimkehrer Niederösterreich 22. März 2025
