Die wiedergefundenen Möbelstücke

Inge Reinisch

Also meine Familie. Das war meine jüngere Schwester.und meine Mutter, mein Vater. Wir sind nach Kriegsende wieder zurück nach Wien. Unter abenteuerlichen Umständen sind wir dann wieder in Wien gelandet. In Döbling in unserem Haus. Und haben da unsere Wohnung im ersten Stock fast leer vorgefunden. Die schönen Möbelstücke, die alten antiken waren alle weg. Wir mussten am Boden schlafen. Für uns Kinder war das lustig, für meine Eltern weniger lustig. Und wir haben dann sehr bald von den Nachbarn gehört, dass immer wieder Lastwagen von den Amerikanern vorgefahren sind. Das Haus war "Open House". Auch die Mieter waren nicht da, und die Soldaten haben immer wieder Möbelstücke verladen und sind weggedüst. Jetzt war folgendes: Mein Vater wollte diese Möbel immer unbedingt wieder auffinden. Er war kein Nazi, das hat er immer wieder betont. Also er hat ein Recht auf seine Möbel. Und meine Mutter. Und das ist das Schöne an der Geschichte hat wunderbar gezeichnet und gemalt. Ordentliches Zei...

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Besatzungsmächte Wien 26. Juni 2025

Männerknappheit, starke Mütter und Wärmestuben

Martha Hansl, Jg. 1944

Die letzten Heimkehrer sind erst 1955 aus den Kriegsgefangenenlagern nach Hause gekommen. Bis dahin war ja die Männerknappheit in Wien sehr, sehr groß. Und in meiner Klasse waren 50 % der Kinder ohne Vater. Zum Teil wusste man, er ist im Krieg gefallen. Oder man wusste nicht, kehrt er irgendwann einmal heim. Zu Weihnachten: Es gab nichts zum Schenken. Da hat man eine Kleinigkeit bekommen, nach heutiger Sicht nicht einmal der Rede wert. Man hat sich über selbstgestrickte Fäustlinge oder Socken oder Schals gefreut. Der Großteil dieser vaterlosen Kinder hat auf die Frage, was sie sich wünschen, gesagt, na ja, vielleicht dass der Papa nach Hause kommt, weil die Mama ist ja so allein. Also das hat mich damals als Kind so berührt, weil ich hatte das Glück, einen sehr alten Vater zu haben, der nicht mehr eingezogen wurde in den Krieg. Und da muss ich aber anhängen, dass diese Mütter, diese Frauen ja alleine waren. Und das waren für meine Begriffe, für mein Empfinden, das waren wahre, eman...

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Frauen, Mütter, Kinder Wien 25. Juni 2025

Kind nach 1945

Alice Harmer

Auszug aus dem Buch: Alice Harmer „Auf dem Dach ist die Aussicht endlos oder Die Nachzüglerin"

Der Winter 1945/46 war kalt wie nie zuvor. Ausgerüstet mit schwerem Mantel aus Gummi, Haube und Stiefeln aus Leder, trat der Mann in die Pedale, lenkte das Rad vorsichtig über hartgefrorene, holprige Erde. Die Beiwagenmaschine, die er sich als Geselle erspart und im Stroh verborgen hatte, konnte er nicht mehr finden. Im Krieg ging vieles verloren. Als der gute Bürger zur Landesverteidigung befohlen wurde, musste er seine Familie verlassen. Unter Militärkommando war er fünf Jahre lang unterwegs in Italien, Frankreich, Belgien, Ungarn bis vor Stalingrad, um dort von Granatsplittern niedergestreckt zu werden. Sein Auftrag: Vieh zu arisieren und daraus Gulasch zu kochen. Die Erinnerung an Bäuerinnen, die ihre einzige Kuh festhielten und sich mitschleifen ließen, haftete jahrzehntelang an dem Soldaten, die verzweifelten Bitten, erschütternden Klagen, hallten in seinem Ohr. Nach Ende des Krieges trug er im Rucksack sein eigenes Werkzeug. Wahlweise stieg er vom Rad, öffnete ein Tor und b...

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Frauen, Mütter, Kinder Wien 25. Juni 2025

In Wien verschwanden plötzlich meine Bücher

Ilse Urbanek, Jg. 1935

Meine Mutter hat gefunden, ich müsste ins Gymnasium gehen. Oder ich sollte. Ich wollte auch. Und hat mich zur Großmutter nach Wien geschickt, wo es nichts gegeben hat, natürlich, noch viel weniger als draußen im Waldviertel. Im Lastzug konnten wir mit nach Wien fahren, meine Mutter und ich. Sie hat einen großen Rucksack mit Erdäpfeln und Sachen zum Essen mit gehabt. Und zu Fuß mussten wir dann von Strebersdorf über eine Behelfsbrücke in die Stadt marschieren. Und ich bin nur mit meinen Lieblingsbüchern gereist. Und irgendwann in den nächsten Wochen war plötzlich ein Buch weg und dann war das nächste weg. Erst Jahre später bin ich draufgekommen, dass meine Tante und meine Großmutter die Bücher auf dem Schwarzmarkt gegen Lebensmittel eintauschen mussten.

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Versorgung Wien 24. Juni 2025

Kindheit

Frau Beck, Jg. 1945

Wir wohnten in einem alten, stillgelegten Bauernhof in Melk. Meine Tante Loli, die im Obergeschoss wohnte und deren Ehemann noch in Russland verschollen war und erst nach einigen Jahren Kriegsgefangenschaft heimkehrte, wurde ausquartiert und musste in der Wohnung meiner Eltern aufgenommen werden. Meine Mutter war entsetzt. Drei kleine Kinder, hochschwanger und schon die Russen im Haus. Letztendlich war die Beschaffung im Haus entscheidend für den Familie. Ein Kapital mit. Frau Nina bezog das Obergeschoss. Nina sprach perfekt Deutsch und konnte sich gut mit der Familie unterhalten. Der Herr Capitan - Er wurde immer nur Capitan genannt - war sehr beschäftigt und viel abwesend. Es kam bald der Zeitpunkt der Niederkunft. Zu dieser Zeit waren viele Flüchtlinge in unserem Garten und. Und auch in der Küche unterwegs. Sie machten Station bei uns und wickelten ihre Kinder frisch und zogen wieder weiter. Ungarische Soldaten waren in unserem Garten und viele russische. In diesem Umfeld ei...

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Schule und Ausbildung Wien 17. Juni 2025

Schutt im Augarten

Anonym

Es handelt sich im Mai 1945. Es war so, dass wir nur ein paar Stunden Schulunterricht hatten, weil die Schulen zum großen Teil ausgebombt waren. Und wenn ich mich zurückerinnere, wenn ich beim Fenster von meiner Klasse, wo ich war, runtergeschaut habe, da habe ich mich immer gewundert, wie man überhaupt durch das Tor in den Augarten hineingehen kann. Weil es war fast so hoch mit Schutt angeräumt, wie der vierte Stock meiner Schule war.

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Schule und Ausbildung Wien 17. Juni 2025

Meine Götzen sind vom Podest gefallen

Udo Saldow, Jg. 1929

Das Ende des Krieges war, wie gesagt, unglaublich chaotisch. Es waren unzählige Leute unterwegs. Opfer, Soldaten, Zivilisten. Sie wollten in den Westen, sie wollten von den Russen fliehen. Wir sind dann auch in den Westen gekommen. Wir sollten Waffen fassen und gegen die Russen kämpfen, obwohl keiner von uns je auch eine militärische Ausbildung oder eine Waffe in der Hand gehabt hätte. Wir wären also das reinste unbewusste Kanonenfutter gewesen, das man sich nur vorstellen kann. Gott sei Dank haben uns die Amerikaner überholt und somit war für uns der Krieg aus. Und dann kamen eben diese chaotischen Nachkriegstage, wo es eine Zeit gebraucht hat, bis irgendeine zivile Ordnung wieder eingetreten ist. Und dann war ich eine Zeit lang in Bad Ischl, denn meine Mutter war auch aus Wien geflüchtet. Dann hat man mir gesagt, wenn du, wenn du Lebensmittelkarten willst, dann musst du arbeiten. Und da kannst du entweder die Straße kehren oder mit einer Gruppe in den Wald gehen und Holz machen. U...

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Besatzungsmächte Wien 20. Mai 2025

Wodka auf Ex trinken rettete Cousine

Udo Saldow, Jg. 1929

Ich war 16 Jahre bei Kriegsende. Ich war, wie Alle, ein strammer, kleiner Hitlerjunge, das musste man ja sein, das war verpflichtend. Und es war auch nicht unlustig für uns. Wir waren nicht von Politik beleckt, nur von, wie sich dann herausgestellt hat, leerem Patriotismus. Und so gingen die letzten Tage des Krieges im Chaos und als eigentlich von uns empfundenes Abenteuer zu Ende. Mir fällt ein, dass zum Beispiel in der Wohnung meiner Großmutter zwei sowjetische Offiziere einquartiert waren, die sehr höflich und nett waren. Und ich hatte eine hübsche Cousine, etwas älter als ich. Sie war mal zu Besuch und die beiden Offiziere wollten sich diese Cousine aneignen und versuchten das damit uns betrunken zu machen. Also nicht mit Gewalt. Und ich erinnere mich, ohne je Alkohol getrunken zu haben, habe ich dann aus Wassergläsern den Wodka für meine Großmutter, für meine Cousine oder mich Ex getrunken. Und die Reaktion der Offiziere war überraschend. Sie haben mir Beifall geklatscht. Und...

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Besatzungsmächte Wien 20. Mai 2025

Mein Buch über die Nachkriegszeit

Othmar Nestroy, Jg. 1933

Episoden aus der Kriegs- und Nachkriegszeit in Wien

Othmar Nestroy: Es rissen alle Stricke – doch wir überlebten. Episoden aus der Kriegs- und Nachkriegszeit in Wien in einer nicht streng chronologischen Abfolge, Graz 2015. ISBN 978-3-85125-424-2 (Archiv und Bibliothek der TU Graz, Band 5) Auch als E-Book kostenfrei online lesbar auf der Website des Verlags der Technischen Universität Graz:

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Wiederaufbau und Staatsvertrag Wien 20. Mai 2025

Käse wie im Schlaraffenland

Renate Smola, Jg. 1934

In der letzten Kriegswoche hat man sich eine Woche in den Keller verfügt, in Liesing war das, im Brauhauskeller haben wir die Bombenangriffe überstanden und dort auch gewohnt eine Woche lang. Zur selben Zeit war schon das Kriegsende mit den diversen Umbrüchen. Da haben auch schon Plünderungen stattgefunden, darunter auch Aufbewahrungsstätten von Lebensmitteln. Meine Mutter hat mir im Keller gekochte Nudeln im Keller serviert, da sind Käfer rumgeschwommen. Auf einmal kommt ein riesengroßer, mannshoher Käselaib reingerollt. Der wurde geplündert. Ich habe immer gesagt, das war das Schlaraffenland, und danach ist die Hungersnot gekommen. Wir haben uns abschneiden können wie im Schlaraffenland, so viel wir wollten. Danach war nicht genug da, um die Bevölkerung in der ersten Zeit zu versorgen. Was auch symptomatisch war: man hat dann Lieferungen bekommen von anderen Ländern und wir sind unter der russischen Besatzungsmacht gewesen, die haben ja selber nichts gehabt. Die haben uns beliefer...

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Versorgung Wien 20. Mai 2025

Zeitzeugenberichte im Buch „Jugend unter Hitler“

Maria Grabner

Ich habe vor drei Jahren ein Buch über 25 Zeitzeugenberichte herausgegeben: die Interviewpartner:innen waren damals Jugendliche, deshalb heißt mein Buch auch „Jugend unter Hitler“. Sie haben den Krieg und Nachkriegszeit mitgemacht, sehr berührende Geschichten. Grabner, Maria / Watteck, Marina C. Jugend unter Hitler. Menschenschicksale im Dritten Reich – Zeitzeugen berichten. Kralverlag, 2021 Das ist im Kral-Verlag 2021 herausgekommen. Ich bin so froh, dass ich das gemacht hab und auch befreiend für die Menschen, dass sie das für die nachfolgenden Generationen erzählen konnten. Die Geschichten spielen in Wien, Niederösterreich, dem Burgenland und Kärnten. Eine Dame erzählt vom Todesmarsch in Brünn.

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Frauen, Mütter, Kinder Wien 19. Mai 2025

Krieg ist Mord

Herr Scheibenreiter

Herr Scheibenreiter über das Fazit seines Vaters

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Familiengeschichten Wien 14. Mai 2025

Der Ruf nach einem "kleinen Hitler"

Herr Scheibenreiter

Herr Scheibenreiter über Nazi-Nostalgie

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Familiengeschichten Wien 14. Mai 2025

"Wir haben das nicht gewusst"

Herr Scheibenreiter

Herr Scheibenreiter über Geschichtslügen

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Familiengeschichten Wien 14. Mai 2025

Die Zitterpartie über den Semmering

Frau Keller

Ein Zug, die Angst, die russische Kontrolle am Semmering

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Familiengeschichten Wien 14. Mai 2025