

Eier wurden nach einer Kontrolle abgenommen
Helga Wöber
Wir sind dann einmal von Langenlois mit einem Transportunternehmen, Kargl hieß das, nach Wien gefahren und meine väterliche Großmutter in Langenlois hat meiner Mutter Eier mitgegeben. Und meine Mutter hatte diese Eier mit und die wurden bei einer Kontrolle von Russen gefunden. Und dann haben sie meine Mutter mitgenommen. Wir Kinder sind auf dem Lastwagen gesessen und haben uns natürlich gefürchtet, weil die Mutter weg war. Und meine Mutter hat dann erzählt, die Russen wollten sie nicht loslassen und wollten noch etwas von ihr wissen. Und sie gesagt, als Zeugin, sie kann sagen, dass sie uns Kinder befragen sollen. Und das war dann auch so wir durften mit Mutter ohne Eier nach Wien fahren. Und meine mütterliche Großmutter in Liesing: Da waren in dem Haus russische Offiziere einquartiert und da haben wir, da muss ich schon so sieben, acht gewesen sein habe, kann ich mich erinnern, dass Zimmer voller Wanzen waren und die wurden ganz einfach mit DDT beseitigt.
weiterlesenVersorgung Niederösterreich 26. Juni 2025
Mein fremder strenger Vater
Ilse Urbanek, Jg. 1935
Mein Vater war im Krieg. Er ist 1946 zurückgekommen. Er war für mich ein völlig fremder Mensch. Dazu muss ich sagen, dass mein Vater ein Förster hätte werden wollen. Er war viel im Wald und hat die Tiere im Wald gefüttert. Es gibt ein Foto, wo er mich am Arm hält. Dann war er völlig fremd für mich. Ja, das war ziemlich schwierig, vor allem für meinen Bruder noch viel mehr als für mich. Der ist geboren worden, da war der Vati nicht mehr da, und der ist zurückgekommen, da war mein Bruder sechs Jahre alt, und der Vater hat sofort einmal gefunden, der wird zu wenig streng erzogen, und aus ihm musste ein Mann werden. Und er hat ihn ziemlich, ziemlich streng behandelt. Und darunter habe ich eigentlich auch sehr gelitten, denn weil ich das als ungerecht empfunden habe, habe ich manchmal versucht, ihn selber zu beruhigen, aber es ist mir nie geglückt, man konnte meinen Vater nicht beruhigen, wenn er in Rage war.
weiterlesenVersorgung Niederösterreich 24. Juni 2025
Frühe traumatische Erlebnisse
Ilse Urbanek, Jg. 1935
Ich war, als die Russen in Niederösterreich einmarschiert sind, ein Mädchen von neun Jahren. In dieser Zeit war ich versteckt in einem Heuboden, wo junge Mütter, meine Mutter und mein kleiner Bruder und ich und und viele andere junge Frauen ebenfalls versteckt worden. Ich habe bis heute bzw. wieder heute im Alter diese Spuren dieser Zeit. Die Mütter haben so eine Angst vermittelt und haben nur von entsetzlichen Sachen geredet, wo ich wusste, ja, das betrifft nur Frauen, also Vergewaltigung und alles mögliche. Und ich habe nach dieser Zeit angefangen, bei jeder Anstrengung oder bei Dingen, die mir fremd war, zu zittern. Und dieses Zittern hatte ich lange, lange Zeit, als ich mit zwei kleinen Kindern zu studieren begann, habe ich bei der ersten Prüfung eine Viertelstunde nicht schreiben können, weil ich so gezittert habe, und ich habe dann irgendwann einmal eine Psychotherapie gemacht, dann war es besser. Aber jetzt im Alter ist es wieder da ist, wenn ich mich anstrengen muss, ich b...
weiterlesenVersorgung Niederösterreich 24. Juni 2025
Kuchen aus nix u lieber Hunger als wurmige Erbsen
Ilse Urbanek, Jg. 1935
Ich glaube, ich hatte keinen Hunger. Meine Großmutter konnte aus Nichts was machen, die hat ersten Weltkrieg miterlebt gehabt und aus Bohnen mit Eipulver oder was sogar Kuchen gebacken. Und in der Schule haben wir eine Ausspeisung bekommen, die war entsetzlich, die mussten wir essen. Da hatte ich so ein Reinderl mit. Und da gab es einen Tag Bohnen und einen Tag Erbsen, das ganze Schuljahr nichts anderes. Und die Bohnen waren okay. Nur die Erbsen waren wahnsinnig wurmig, so viele tote Würmer sind da drin geschwommen, und die konnte ich fast nicht hinunterbringen. Und da habe ich dann schon an diesen Erbsentagen Hunger gehabt, weil ich hab es irgendwie geschafft, dass ich mit meinem vollen Reindl rausgehen konnte und es nicht essen musste. Und wir hatten einen Dackel. Nur der Dackel, wenn man ihm die Erbsen hingestellt hat, hat die Nase gerümpft und ist weggegangen, der ist lieber hungrig geblieben, als dass er die Erbsen gefressen hätte.
weiterlesenVersorgung Niederösterreich 24. Juni 2025
Hamstern in der Nachkriegszeit
Frau Liegl, Jg. 1937
Es waren hauptsächlich Mütter, die damals Essen auftrieben. Sie packten Hausrat in Rucksäcke und zogen alleine oder zu zweit los. Viele Männer waren noch nicht vom Krieg zurück oder hatten keine Arbeit und es gab nur Essen mit Lebensmittelkarten. Sie versuchten ihr Glück bei Bauern, um eventuell etwas Fleisch oder Obst für die Kinder heim zu bringen. Manchmal waren eine Bekannte und meine Mutter auch länger aus und halfen bei den Bauern mit für Kost und Quartier. Es gab kein Telefon, also musste meine Großmutter auf uns aufpassen und aus fast nichts Essen machen, bis endlich der Rucksack am Küchentisch landete. 1946 bekam ich als unterernährte Schulkind von der Volkshilfe einen Erholungsurlaub in der Steiermark. Meine Pflegeeltern hatten ein Gasthaus. Dorthin wanderte meine Mutter auch immer tagelang und blieb für einige Tage. Ich war dort zwei Monate und besuchte die dritte Klasse Volksschule, obwohl der Aufenthalt über die Volkshilfe nur sechs Wochen galt. Die Pflegeeltern bes...
weiterlesenVersorgung Niederösterreich 22. Mai 2025
Ein Kilo Zucker zu viel
Herr König, Jg. 1938
Wie das aus war, ist von der Gemeinde eine Gruppe gekommen, paritätisch zusammengesetzt aus den drei Parteien, und haben geschaut, ob wir Lebensmittel gehortet haben. Meine Mutter hat drei oder vier Kilo Zucker gehabt und da waren zwei da und der eine hat gesagt: „Das ist ja viel zu viel, was sie da haben“. Also eine Familie mit 5 Personen. Und hat darauf bestanden, dass ihr ein Kilo Zucker weggenommen wird. Und ein Zweiter, das war der Kommunist interessanterweise, sagt: „Geh lass doch der Frau den Zucker.“ Ich weiß die Namen auch, aber die sage ich lieber nicht. Meine Mutter hat sich vor dem niedergekniet und hat ihn angefleht, den Kilo Zucker zu lassen. Und der hat darauf bestanden, dass er weggenommen wird. Und ich habe mir damals vorgenommen, den bring ich um. Das ist bis heute bei mir noch drinnen. Er ist dann von selber gestorben. Die Sache war also überflüssig.
weiterlesenVersorgung Niederösterreich 20. Mai 2025
Zucker für die Kinder
Frau Sengstschmidt
Russische Besatzungssoldaten teilen ihre Rationen
weiterlesenVersorgung Niederösterreich 9. Mai 2025
Wasser für die erschöpften deutschen Soldaten
Frau Sengstschmidt
Frau Sengstschmidts Mutter vollbringt eine gute Tat
weiterlesenVersorgung Niederösterreich 9. Mai 2025
Versorgung Niederösterreich 9. Mai 2025
Bereichert durch die Not
Herta Hofstetter, Jg. 1941
Es ist keine schöne Sache, wie die dunkle Seite mit dem Schwarzhandel gewesen ist in dieser Zeit. Wir waren Kinder, klein noch. Ich bin 41 geboren, meine Schwester 44, und da hat sie etwas Milch gebraucht und etwas Schmalz. Und da ist sie zu Bauern gegangen in der Umgebung, und um eine goldene Uhr hat man von den Bauern dann ein bisschen Milch und ein bisschen Schmalz bekommen. Das ist auch sehr ausgenützt worden. Ich habe es als Kind so erlebt, dass wir natürlich Hunger gehabt haben und es gab einmal Bohnengulasch, einmal Erdäpfelgulasch. Ich habe es nur erlebt, dass ich dann also ein bisschen Milch einmal gehabt habe und einmal ein Schmalzbrot essen konnte. Aber wie gesagt, es war auch eine hässliche Zeit damals in unserer Umgebung. Ob es jetzt überall so war, weiß ich nicht. Aber im Bezirk Baden haben sich die Bauern sehr bereichert.
weiterlesenVersorgung Niederösterreich 9. Mai 2025
Der verlorene Ostersonntagsbraten
Peter Weber
Peter Weber erinnert sich an den 1. April 1945
weiterlesenVersorgung Niederösterreich 5. Mai 2025
Versorgung Niederösterreich 19. April 2025
Versorgung Niederösterreich 19. April 2025
Versorgung Niederösterreich 19. April 2025
Zuckerlamm und "Deutsches Schwein"
Martha Pöll
Erste 10 Lebensjahre unter russischer Besatzung in Mödling
Zuckerlamm und "deutsches Schwein" Erinnerungen habe ich ab meinem dritten Lebensjahr, also ab 1948/49. Ich lebte mit meinen Eltern im Haus meines Großonkels, da das Haus meiner Eltern von russischen Soldaten in Beschlag genommen worden war. Die Miete mußten meine Eltern natürlich trotzdem bezahlen. Die Russen, die auch in der Villa meines Großonkels die besten Räume belegten, waren für mich Alltag. Sie waren da und wohnten nur durch eine Tür getrennt im Haus. Eine Majorin wohnte in der Mansarde. Mit der durfte ich einkaufen gehen, auch in das USIA-Geschäft, das nur für Russen war. Und zu Ostern hat mir ein russischer Major ein Zuckerlamm geschenkt! Auch in den Nachbarhäusern waren Russen mit ihren Familien einquartiert. Die Frauen waren alle dick und saßen bei warmem Wetter in violetter und hautfarbener Unterwäsche herum, auch auf den Wiesen im nahen Wald. Ein kleiner russischer Bub im Nachbarhaus war in orginal russische Uniform gekleidet und wenn meine Mutter und ich vor...
weiterlesenVersorgung Niederösterreich 9. April 2025
