

Bereichert durch die Not
Herta Hofstetter, Jg. 1941
Es ist keine schöne Sache, wie die dunkle Seite mit dem Schwarzhandel gewesen ist in dieser Zeit. Wir waren Kinder, klein noch. Ich bin 41 geboren, meine Schwester 44, und da hat sie etwas Milch gebraucht und etwas Schmalz. Und da ist sie zu Bauern gegangen in der Umgebung, und um eine goldene Uhr hat man von den Bauern dann ein bisschen Milch und ein bisschen Schmalz bekommen. Das ist auch sehr ausgenützt worden. Ich habe es als Kind so erlebt, dass wir natürlich Hunger gehabt haben und es gab einmal Bohnengulasch, einmal Erdäpfelgulasch. Ich habe es nur erlebt, dass ich dann also ein bisschen Milch einmal gehabt habe und einmal ein Schmalzbrot essen konnte. Aber wie gesagt, es war auch eine hässliche Zeit damals in unserer Umgebung. Ob es jetzt überall so war, weiß ich nicht. Aber im Bezirk Baden haben sich die Bauern sehr bereichert.
weiterlesenVersorgung Niederösterreich 9. Mai 2025
Versorgung Niederösterreich 19. April 2025
Versorgung Niederösterreich 9. Mai 2025
Der verlorene Ostersonntagsbraten
Peter Weber
Peter Weber erinnert sich an den 1. April 1945
weiterlesenVersorgung Niederösterreich 5. Mai 2025
Eier wurden nach einer Kontrolle abgenommen
Helga Wöber
Wir sind dann einmal von Langenlois mit einem Transportunternehmen, Kargl hieß das, nach Wien gefahren und meine väterliche Großmutter in Langenlois hat meiner Mutter Eier mitgegeben. Und meine Mutter hatte diese Eier mit und die wurden bei einer Kontrolle von Russen gefunden. Und dann haben sie meine Mutter mitgenommen. Wir Kinder sind auf dem Lastwagen gesessen und haben uns natürlich gefürchtet, weil die Mutter weg war. Und meine Mutter hat dann erzählt, die Russen wollten sie nicht loslassen und wollten noch etwas von ihr wissen. Und sie gesagt, als Zeugin, sie kann sagen, dass sie uns Kinder befragen sollen. Und das war dann auch so wir durften mit Mutter ohne Eier nach Wien fahren. Und meine mütterliche Großmutter in Liesing: Da waren in dem Haus russische Offiziere einquartiert und da haben wir, da muss ich schon so sieben, acht gewesen sein habe, kann ich mich erinnern, dass Zimmer voller Wanzen waren und die wurden ganz einfach mit DDT beseitigt.
weiterlesenVersorgung Niederösterreich 26. Juni 2025
Ein Kilo Zucker zu viel
Herr König, Jg. 1938
Wie das aus war, ist von der Gemeinde eine Gruppe gekommen, paritätisch zusammengesetzt aus den drei Parteien, und haben geschaut, ob wir Lebensmittel gehortet haben. Meine Mutter hat drei oder vier Kilo Zucker gehabt und da waren zwei da und der eine hat gesagt: „Das ist ja viel zu viel, was sie da haben“. Also eine Familie mit 5 Personen. Und hat darauf bestanden, dass ihr ein Kilo Zucker weggenommen wird. Und ein Zweiter, das war der Kommunist interessanterweise, sagt: „Geh lass doch der Frau den Zucker.“ Ich weiß die Namen auch, aber die sage ich lieber nicht. Meine Mutter hat sich vor dem niedergekniet und hat ihn angefleht, den Kilo Zucker zu lassen. Und der hat darauf bestanden, dass er weggenommen wird. Und ich habe mir damals vorgenommen, den bring ich um. Das ist bis heute bei mir noch drinnen. Er ist dann von selber gestorben. Die Sache war also überflüssig.
weiterlesenVersorgung Niederösterreich 20. Mai 2025
Versorgung Niederösterreich 19. April 2025
Versorgung Niederösterreich 19. April 2025
Frühe traumatische Erlebnisse
Ilse Urbanek, Jg. 1935
Ich war, als die Russen in Niederösterreich einmarschiert sind, ein Mädchen von neun Jahren. In dieser Zeit war ich versteckt in einem Heuboden, wo junge Mütter, meine Mutter und mein kleiner Bruder und ich und und viele andere junge Frauen ebenfalls versteckt worden. Ich habe bis heute bzw. wieder heute im Alter diese Spuren dieser Zeit. Die Mütter haben so eine Angst vermittelt und haben nur von entsetzlichen Sachen geredet, wo ich wusste, ja, das betrifft nur Frauen, also Vergewaltigung und alles mögliche. Und ich habe nach dieser Zeit angefangen, bei jeder Anstrengung oder bei Dingen, die mir fremd war, zu zittern. Und dieses Zittern hatte ich lange, lange Zeit, als ich mit zwei kleinen Kindern zu studieren begann, habe ich bei der ersten Prüfung eine Viertelstunde nicht schreiben können, weil ich so gezittert habe, und ich habe dann irgendwann einmal eine Psychotherapie gemacht, dann war es besser. Aber jetzt im Alter ist es wieder da ist, wenn ich mich anstrengen muss, ich b...
weiterlesenVersorgung Niederösterreich 24. Juni 2025
Gewitzte Gemüselieferung
Helga Mathis, Jahrgang 1945
Von dürftigen Mahlzeiten in ihrer Kindheit nach dem Krieg erzählt Helga Mathis am Ö1 Telefon. Aber zum Glück gab es da noch eine Tante – mit einem Garten in Klosterneuburg. Einmal in der Woche kam die Tante zu Fuß in den 19. Bezirk, um Gemüse zu bringen. Geschickt wappnete sie sich vor der Begegnung mit russischen Soldaten am Weg.
weiterlesenVersorgung Niederösterreich 25. März 2025
Hamstern in der Nachkriegszeit
Frau Liegl, Jg. 1937
Es waren hauptsächlich Mütter, die damals Essen auftrieben. Sie packten Hausrat in Rucksäcke und zogen alleine oder zu zweit los. Viele Männer waren noch nicht vom Krieg zurück oder hatten keine Arbeit und es gab nur Essen mit Lebensmittelkarten. Sie versuchten ihr Glück bei Bauern, um eventuell etwas Fleisch oder Obst für die Kinder heim zu bringen. Manchmal waren eine Bekannte und meine Mutter auch länger aus und halfen bei den Bauern mit für Kost und Quartier. Es gab kein Telefon, also musste meine Großmutter auf uns aufpassen und aus fast nichts Essen machen, bis endlich der Rucksack am Küchentisch landete. 1946 bekam ich als unterernährte Schulkind von der Volkshilfe einen Erholungsurlaub in der Steiermark. Meine Pflegeeltern hatten ein Gasthaus. Dorthin wanderte meine Mutter auch immer tagelang und blieb für einige Tage. Ich war dort zwei Monate und besuchte die dritte Klasse Volksschule, obwohl der Aufenthalt über die Volkshilfe nur sechs Wochen galt. Die Pflegeeltern bes...
weiterlesenVersorgung Niederösterreich 22. Mai 2025
Hochzeit 1949 - Das rettende Schwein
Silvia Sator
Für das Festessen anlässlich der Nachkriegshochzeit meiner Eltern wurde ein Schwein illegal mit einer Beiwagenmaschine nach Wien transportiert - es war als alte Dame verkleidet, um durch die russischen Kontrollen zu kommen.
Meine Eltern haben in der Pfarrkirche in Floridsdorf am Kinzerplatz mitten im Winter 1949 geheiratet. Das Hauptproblem war die Bewirtung der zahlreichen Gäste. Meine Großeltern kamen beide vom Land und hatten viele Geschwister, für die sie viele Jahre gastfreundlich der Anlaufpunkt in Wien gewesen waren. Jetzt war Zeit für die Revanche: Ein Bruder meines Großvaters mit einer Landwirtschaft in Lassee im Marchfeld war bereit, ein illegal geschlachtetes Schwein beizusteuern. Wie es gelungen ist, an eine Beiwagenmaschine samt benötigtem Benzin für die 40 km Fahrt zu kommen, weiß ich nicht. In jedem Fall war der Transport eines Schweines durch die Russenzone sehr gefährlich. So griff mein Großvater, der ein begnadetes Schlitzohr war, zu einem Trick: Man bekleidete das Schwein und setzte es mehr oder weniger aufrecht in den Beiwagen, sodass es wie eine dicke, alte Dame wirkte. Mein Vater und der Großvater auf dem Motorrad schwitzen Blut, als sie in eine Kontrolle gerieten. Sie wurden durc...
weiterlesenVersorgung Niederösterreich 2. April 2025
Kartoffelgrübeln
Prof. Melichar Adalbert
Überleben in der Nachkriegszeit
Als Nachkriegsfamilie (Mutter, Oma und ich) litten wir in der Nachkriegszeit furchtbaren Hunger. Wir Nachkriegskinder wussten uns zu helfen. Nach der Kartoffelernte wanderten wir auf die umliegenden Äcker "Kartoffelgrübeln".
weiterlesenVersorgung Niederösterreich 20. März 2025
Keine Stalinorgel dröhnt mehr am 8. Mai
Gerhart Langthaler, Jahrgang 1933
Mit den Worten "Wojna kaputt" wurde uns klar, dass der Krieg zu Ende war. Meine Mutter musste für russische Soldaten am Klavier spielen, sie sagte, sie hätte um ihr Leben gespielt. Ich bekam einen Sack Zucker geschenkt.
Verfasst am 8. Mai 2016 71 Jahre Frieden und sein Beginn (8. Mai 1945) Der Tag begann ebenso strahlend wie der heutige. Uns weckte die Stille dieses helllichten Morgens. Keine Stalinorgeln fuhren aus den geschächteten Erdgruben, um unweit des Ortes loszudröhnen. Wir vernahmen weder Kanonendonner, noch das seltsam vertraute Brummen der amerikanischen Bombengeschwader, die seit Wochen, hoch über uns hinweg, Richtung Wien ihre Kondensstreifen zogen. Was war geschehen? Wenig später hörten wir heitere Rotarmisten, die laut verkündeten: "Wojna kaputt". Wir konnten es nicht fassen: Der Krieg sollte aus sein? Wir saßen doch seit Wochen umgeben von der wütenden Roten Armee nahe einem heißumkämpften Frontgebiet. Hier, wo Frauen jeglichen Alters täglich vergewaltigt, wo Menschen, hauptsächlich jüngere zur Zwangsarbeit verschleppt wurden, wo man haltlos plünderte und zerstörte. Was sollte nunmehr aus uns werden, die wir zusammengepfercht in der Dachkammer einer ehemaligen Industrie...
weiterlesenVersorgung Niederösterreich 31. März 2025
Kinderverschickung
Roswitha Springschitz
Ein Wiener Kind wird, wie viele andere, aufgrund der schlechten Versorgungslage und gesundheitlicher Probleme zu Pflegeltern in die Schweiz geschickt.
Vor dem Einsteigen hat die fremde Tante den Kindern erklärt, dass sie nun eine sehr, sehr weite Reise machen werden; ins Nachbarland. Die Reise soll den ganzen Tag und auch noch die ganze Nacht dauern. Am Ankunftsort würden sie abgeholt werden, von den Pflegeeltern. Die würden sich schon sehr auf sie freuen und mit ihnen dann nachhause fahren. Bei den Pflegeeltern würden sie das beste Essen bekommen: viele Sachen, die sie lange schon nicht mehr gegessen hätten: saftige Kuchen, mit vielen guten Eiern und Zucker gebacken, frische Bratkartoffel und Apfelmus; dicke Butterbrote und Saft und Kakao. Die Kinder staunten: Es schien ihnen, sie führen tatsächlich ins Schlaraffenland...
weiterlesenVersorgung Niederösterreich 24. März 2025
