Vater handelte am Schwarzmarkt mit Rasierklingen

Elke Sengmüller

Mein Vater war relativ alt, Jahrgang 1895. Er wurde ganz zum Schluss eingezogen, nach Arnoldstein und dort hat er sich so, was ich so gehört habe, wirklich unabsichtlich den Arm ausgerenkt und eine Schulterverletzung gehabt, und ist dadurch nicht an die Front gekommen. Er war Kaufmann und wurde vorher nicht eingezogen, weil er für die Wirtschaft wichtig war. Es ist uns im Krieg eigentlich immer gut gegangen. Ich weiß, dass mein Vater immer nach Wien gefahren ist und am Karlsplatz am Schwarzmarkt gehandelt hat. Also, ich kann mich erinnern zum Beispiel an einen Riesenkoffer voller Rasierklingen. Ich weiß nicht, was er alles gehandelt hat, aber an die Rasierklingen kann ich mich erinnern. Ich glaube, das war etwas sehr Wertvolles damals.

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Familiengeschichten Kärnten 24. Juni 2025

Meine Schwestern und die englischen Soldaten

Elke Sengmüller

Als wir in Sallach oder eigentlich Pritschitz gewohnt haben, da war daneben auf einer großen Wiese ein Engländerlager. Und ich kann mich sehr gut erinnern, dass ich oft am Zaun gestanden bin und die Engländer sind vorbeigegangen und haben mir Schokolade gegeben. Das kann ich mich sehr gut erinnern. Ich hatte eine 16 Jahre ältere Schwester und eine 18 Jahre ältere Ziehschwester. Und die waren schon erwachsen natürlich. Sie waren zusammen mit englischen Offizieren, sind mit ihnen ausgegangen. Meine Ziehschwester hat dann einen Engländer geheiratet und ist nach England gezogen. Sie ist vor zwei Jahren gestorben. Meine Schwester war Jahrgang 1924, die war auch verlobt mit einem englischen Offizier. Aber meine Eltern haben ihr verboten zu heiraten. Das ist damals noch möglich gewesen.

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Familiengeschichten Kärnten 24. Juni 2025

Bombennacht in Villach

Elke Sengmüller

Ich habe damals in Villach gelebt. Das dürfte die Bombennacht am 22. 03. 45 gewesen sein. Da war ich vier Jahre. Das ist wahrscheinlich meine allererste Erinnerung, die ich überhaupt habe. Wir haben in der Nähe des Bahnhofs gelebt. Der Bahnhof war Kreuzungspunkt und wurde bombardiert. Ich kann mich erinnern, dass wir vor dem Haus gestanden sind. Und plötzlich hat jemand gerufen Da fallen Christbäume. Ich kann mich gut erinnern, dass ich keine Christbäume gesehen habe. Später ist mir klar geworden das waren Beleuchtungskörper, die Flugzeuge abgeworfen haben, um zu schauen, wo sie die Bomben abwerfen sollen. Aber wir sind dann sehr schnell in den Keller gegangen. Wir hatten einen Keller, den mein Vater abgestützt hat, damit er nicht einbricht, falls eine Bombe aufs Haus fällt. Ich kann mich an die Bombe, die in unser Haus gefallen ist, nicht erinnern. Aber daran, wie wir aus dem Keller rausgegangen sind. Es hat einen Kellerausgang gegeben, in den Garten und der war voller Schutt. A...

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Familiengeschichten Kärnten 24. Juni 2025

Mein Vater, der fremde Mann

Manfred Golda, Jg. 1941

Mein Vater kam erst 1948 aus der Kriegsgefangenschaft zurück. Da stand plötzlich ein fremder Mann in der Tür. Meine Mutter hat sich umgedreht und geschaut, was denn da los ist und hat einen Freudenschrei ausgestoßen. Die zwei sind sich da im Arm gelegen - und ich bin daneben gestanden und hab nicht gewusst, was los ist. Und dann hat sie gesagt, das ist dein Papa! Oder: dein Vater. Ha! Bis ich mich daran gewöhnt habe, dass da jetzt noch ein männliches Wesen im Haus ist, das hat eine Weile gedauert.

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Familiengeschichten Kärnten 31. Mai 2025

Ungeliebter Slowenischunterricht in Kärnten

Frau Keller

Minderheitenkonflikt in der Besatzungszeit

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Familiengeschichten Kärnten 14. Mai 2025

Meine schöne Kindheit in Velden

Lore Murbacher, Jg. 1939

In Velden waren Engländer stationiert. Ich war damals 6, 7 Jahre alt. Goschert, wie ich war, bin ich zu ihnen rüber und hab gesungen: „My Bonnie lies over the ocean“, dann haben wir Schokolade bekommen und Bockshörndln und die ersten Orangen. Die Mutter hätte ohne weiteres bei den Engländern arbeiten können: Stenografie usw hätten sie brauchen können. Aber sie wollte bei uns bleiben und sagte, sie wolle sich den Engländern nicht auf den Schoß setzen. Wir haben 70 Schilling zu dritt gehabt, nach der Todeserklärung haben wir mehr gekriegt. Wir haben gut gelebt, wir haben vier Tennisplätze vor uns gehabt und haben als Ballmädeln einen Schilling die Stunde, dann zwei Schilling zu zweit. Dann sind wir jeden Tag ins Kino oder Eis essen gegangen, wir zwei Fratzen, statt unser geringes Einkommen aufzubessern. Ich habe am Bacherl Neunäugel mit der Hand gefischt. Wir Kinder hatten ein freies Leben damals in Velden. An den Vater haben wir nur hie und da gedacht. Kommt er vielleicht doch wieder...

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Familiengeschichten Kärnten 6. Mai 2025

Die Tragödie der Kosaken an der Drau

Gerda Taylor, Jg. 1947

Am Feld vor dem Haus meiner Großmutter campierten 20.000 Kosaken. Sie sind vor der Stalinregime geflohen sind und haben für Hitler gekämpft. Die Briten versprachen, sie nicht auszuliefern, brachen den Deal aber. Viele Frauen sind aus Angst mit ihren Babys in die Drau gesprungen oder haben sie vor den Bauernhäusern abgelegt. Meine Großmutter versteckte Kosaken auf unserer Alm. Einige Kosakenkinder sind von Einheimischen aufgezogen worden. Diese Geschichte wird kaum erzählt.

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Familiengeschichten Kärnten 29. April 2025

Brite verliebte sich augenblicklich

Gerda Taylor, Jg. 1947

Die britischen Panzer fuhren durch Velden. Vor dem Hotel Hubertushof blieb einer stehen, ein junges, hübsches Mädchen kam aus dem Hotel, um zu fragen, was sie wollen. Sie wollten etwas trinken, der Panzerfahrer verliebte sich augenblicklich in das Mädchen – sie heirateten und die Familie Kenney gibt es heute noch.

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Familiengeschichten Kärnten 29. April 2025

Der Krieg ist aus

Wolfgang Müller, Jg 1960

Wie mein Vater und dessen Zwillingsbruder, geb. 1933, als Kinder - mit einem französischen Kriegsgefangenen und einer ukrainischen Zwangsarbeiterin - den elterlichen Bergbauernhof im Kärntner Görtschitztal führen mussten und zufällig vom Kriegsende erfuhren.

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Familiengeschichten Kärnten 6. April 2025

1945-1958 Zwei-Personen-Story, Stadt-Land.

Georgette Pipal 4749

Er: Peter Pipal, Geburtsjahrgang 1947, aufgewachsen bei, mit Großeltern und Eltern in einem Haushalt, Seilerstätte, Wien. Sie: Georgette Pipal, geb. 1949 Klagenfurt, aufgewachsen in Heimen und Spitäler (Erinnerung, kollektives Topfsitzen) in Wien und NÖ, 1954/56 Adoptivfamilie. Er: Ein wohlbehütetes, wohlgenährtes, übergewichtiges Kind; die Meinung der abgemagerten Groß-Eltern, man braucht Reserven für alle Fälle. Sie: 1951 abgenommenes, abgegebenes Besatzungskind (Vater Brite, Mutter Deutsche in Ö.), in Kinder-übernahmestelle der Stadt Wien, Lustkandelgasse gelandet; Eltern und Adoption unbekannt; nach später Recherche via Jugendamt Wien 1997 und Rotes Kreuz 2014 Daten zur eigenen Person erhalten. Er: Als Kind striktes Verbot, wegen Verletzungsgefahr, Gebäuderuinen zu betreten; im Hof Seilerstätte 8 wurde Federball gespielt, im Winter gerodelt, auch im nahen Stadtpark; on top im Wohnhaus wurden Hühner und Hasen gehalten, das Nebenhaus war eine Ruine, im Wohnblock gab es eine ...

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Schulheft, VS NÖ Tag der Fahne, 1957

Familiengeschichten Kärnten 27. März 2025