

Nette Amerikaner, furchteinflößende Partisanen
Frau Six
Die Amerikaner waren das, die waren sehr nett, die haben bei unserem Hof hinten sind sie gestanden mit den Autos und da sind wir zurückgelaufen zu ihnen und sie haben uns Kaugummi gegeben, was wir nicht gekannt haben. Aber die Partisanen, die waren die ärgsten, da hat man sich sehr gefürchtet. Erstens haben die alle eine Glatze gehabt, und die haben von den Häusern die Räder mitgenommen, die haben wir verstecken müssen. Wir haben uns gefürchtet, die haben gestohlen und vergewaltigt und so Sachen.
weiterlesenFrauen, Mütter, Kinder Steiermark 27. Juni 2025
Kälte, Hunger und Angst vor Partisanen
Frau Six
Ich bin auf Strohsäcken gelegen und in unserem Zimmer war es so kalt, dass die Schneerosen innen bei den Fenstern waren. Wir sind schlafen gegangen mit Nachthemd, Weste drüber, Haube, so sind wir schlafen gegangen. Dann haben wir, wenn wir vor der Schule heimgekommen sind, müssen mit einem Leiterwagerl mit meiner Mutter in den Wald fahren und haben Prügerl gesammelt, damit wir etwas zu heizen gehabt haben im Winter, so kleine Zweigerl, die im Wald gelegen sind. Es war hart. Dann kann ich mir erinnern, da bin ich noch in den Kindergarten gegangen, und wenn Fliegeralarm war – meine Mutter hat in der Fabrik gearbeitet – die hat uns schnell geholt, dann sind wir bei dem Gassl gelaufen und jedes Mal, wenn ein Flieger drüber gegangen ist, haben wir uns müssen am Boden flach hinlegen. Also, es war wirklich furchtbar. Das war halt die Angst, eine furchtbare Angst. Da haben wir im Personalhaus einen Keller gehabt, da sind wir reingegangen. Da sind wir geblieben, bis Entwarnung war. Meine...
weiterlesenFrauen, Mütter, Kinder Steiermark 27. Juni 2025
Eine schwere Zeit
Frau Ertö, Jg. 1939
Ich war in Graz St. Peter, hab eineinhalb Stunden in die Schule gehabt. Wir haben schlechtes Schuhwerk gehabt, die Mädchen haben damals noch keine langen Hosen gehabt, man hat viel Kälte gelitten. Und in der Gasse oder Straße, in der ich war, war kein Schneepflug und nix und im Winter war man schon arm als Kind. Und mein Vater ist erst nach dem Krieg im Herbst heimgekommen. Der ist im 38er Jahr eingerückt und ist erst dann heimgekommen. Er war einmal dazwischen zu Hause und ist mit Uniform gekommen. Aber da habe ich als Kind, ich war Einzelkind, habe Angst vor der Uniform gehabt anscheinend. Ich hab ihn geliebt, er war schon ein super Mensch. Und es ist halt so, dass wenn immer die Heimkehrer heim gekommen sind nach Graz am Bahnhof, da sind die Frauen angeschrieben worden. Da haben sie eine Verständigung gekriegt, dass ihre Männer heimkommen und meine Mutter ist mit mir immer am Bahnhof fahren mit dem Fahrrad und der Vati war halt nie dabei, sie hat auch keine Verständigung geha...
weiterlesenFrauen, Mütter, Kinder Steiermark 26. Juni 2025
Unser wertvolles Heu und die englischen Soldaten
Frau Karner
Es war wahrscheinlich Sommer 1954, in der Steiermark. In einem Graben haben wir damals ein Haus und auch Tiere gehabt. Im Sommer wurde das Heu geerntet und "aufgehiefelt", damit es trocknet. Dann konnte man es in den Stadel bringen. Dann haben die englischen Soldaten in diesem Graben ihre Zelte aufgebaut, haben von den Hiefeln unser wertvolles Heu genommen und es in ihre Zelte gegeben. Wir durften aber nicht zu den Soldaten. Ein Soldat hat dann gesagt, wir sollen doch herkommen, sie hätten was für uns. Meine Mutter hat ja gesagt, und ich durfte dann gemeinsam mit meinem 3 Jahre älteren und meinem jüngeren Bruder zu diesen Soldaten hingehen. Die haben uns ein Stück Schokolade gegeben und einen Cheddar Käse. Da habe ich das erste Mal so einen Käse gegessen. Der hat so gut geschmeckt! Später habe ich mir dann in Wien einen Cheddar Käse gekauft, und der war so grauslich...
weiterlesenFrauen, Mütter, Kinder Steiermark 23. Juni 2025
DIE AUMÜHL Geschichte und Geschichten
Rudolf Schlaipfer
Ergebnis eines "Grabe wo Du stehst" und "Oral History" Projektes 1988-1991. 1991 habe ich als erster in unserer Region die zivilen Opfer des Nationalsozialismus in Erinnerung gerufen. U.a. wurden 139 Menschen in Hartheim vergast.
GELEITWORT 1991 Vor gut einem Jahrzehnt begann auch in Österreich die "Grabe, wo Du stehst"-Bewegung, die von Sven Lindquist in Schweden so beeindruckend gestartet worden war, Fuß zu fassen. "Geschichte von unten" nannte sich ein erster, von Hubert Christian Ehalt edierter Sammelband, in dem konkrete österreichische Projekte, ausländische Fallbeispiele und wissenschaftspolitische Absichtserklärungen publiziert wurden. Wie erfolgreich "Grabe, wo Du stehst"-Ansätze eingesetzt werden können, wie nützlich die Resultate sein können, das zeigt Rudolf Schlaipfers Text über die Aumühl. Er geht weit in die Geschichte zurück, um aus den Dokumenten der Archive frühere Jahrhunderte ins Blickfeld zu rücken. Sobald aber die moderne Industriegesellschaft entsteht, Arbeiter auf den Plan treten, wird die eigenständige Qualität dieses neuen historischen Arbeitens sichtbar. Im Leben in der Kolonie verschränken sich Beruf, Alltag, Kultur und Familie zu einem bunten Bild, werden Lebensschicksale un...
weiterlesenFrauen, Mütter, Kinder Steiermark 20. Juni 2025
Auf der Flucht vor den Russen
Gilda P.
April 1945, Söding in der Weststeiermark. In einem nationalsozialistischem Landdienstheim für Mädchen herrscht Aufregung: Die Russen kommen, das Heim muss geräumt werden. In diesem Heim sollten die Mädchen eine landwirtschaftliche Ausbildung machen. Gilda P. (16) hätte nach dem - erhofften - Sieg der Deutschen ins eroberte Russland geschickt werden sollen, um dort die Landwirtschaft auf Vordermann zu bringen. Doch es kam anders. Die Mädchen flüchten zu Fuß in ihre jeweiligen Heimatorte. Gilda P. ist mehrere Tage unterwegs. Sie marschiert querfeldein. Auf einer Wiese macht sie plötzlich eine grausige Entdeckung: zwei Soldaten hängen an einem Baum. Offenbar Deserteure. Ermordet in den letzten Kriegstagen. Gilda setzt sich in die Wiese und weint bitterlich. Ein Erlebnis, das sie niemals vergessen konnte.
weiterlesenFrauen, Mütter, Kinder Steiermark 5. Juni 2025
(Kein) Wodka für den russischen Offizier
Frau Ganglbauer, Jg. 1941
Die Russen waren in der Kaserne Wetzelsdorf untergebracht, dort sind sie durch die Straßen und es herrschte eine fürchterliche Angst. Vor allem die Frauen fürchteten sich, weil sie oft vergewaltigt wurden. Meine Mutter wurde in der Frauengassen ausgebombt, sie lebte deshalb bei ihren Eltern in Wetzelsdorf. Die Frauen haben sich alt und arm angezogen, die Tochter am Dachboden versteckt. Eines Tages kam einer, dessen Uniform vermuten ließ, dass er einen höheren Rang innehatte. Er ging ins Haus hinein, setzte sich in die Küche, meine Großmutter und mein Großvater, der pensionierter Revieroberinspektor war, meine Mutter und ich drückten uns an die Wand. Er saß da, schlug mit der Faust auf den Tisch und brüllte „Wodka, Wodka“! Meine Großmutter und Mutter sagten immer wieder, sie hätten keinen, er wiederum brüllte wieder „Wodka“! Ich dachte mir, dass das komisch war, geh dann mit einem Glas zum Wasserhahn, fülle es mit Wasser und stelle es vor ihn hin. Er hat so zu lachen begonnen, schall...
weiterlesenFrauen, Mütter, Kinder Steiermark 19. Mai 2025
Frauen, Mütter, Kinder Steiermark 9. Mai 2025
Die Gesellschaft war männerlos
Ilse Karner
Es waren die Frauen vollkommen auf sich allein angewiesen. Man war froh, wenn der Vater zurückgekommen ist. Diese Gesellschaft war total männerlos. Die Frauen hatten Angst, sowohl dass die Russen vergewaltigen und auch, dass sie das nicht schaffen allein. Von wegen einer schönen Zeit in der Jugend, das ist ihnen alles gestohlen worden. Und so viele haben dann ihre Männer, ihre Söhne verloren und damit praktisch das ganze Leben war kaputt. Es wurde darüber nicht gesprochen, über weder vor dem Krieg noch nach dem Krieg. Man hat nur versucht rauszukommen aus dieser Misere und arbeiten, leisten und etwas besser leben. Aber das ging lang, in langsamen Schritten. Man hat jetzt schon so lang für eine Aufarbeitung gebraucht, deswegen rufe ich auch an ich freue mich, dass das gemacht wird für die nächsten Generationen, weil die heutige kann sich ja gar nicht vorstellen, was das für ein Elend war. Wenn Fliegeralarm sind wir durch die Straßen bis zum Schlossbergstollen gerannt. Meine Perso...
weiterlesenFrauen, Mütter, Kinder Steiermark 7. Mai 2025
Erzählungen meiner Großmutter
Elisabeth Blaickner
Meine Großmutter, geb. 1913, erzählte mir in den frühen 70ern vom Krieg und danach
Erinnerungen an Aussagen meiner Großmutter aus dem Krieg und der Zeit nachher Meine Großmutter, geb. 1913, wohnhaft in Friedberg, Steiermark, erzählte mir, dass ihr 1944 zweitgeborenes Kind, mein Onkel, als Baby keine Zucker kannte. Das „Flaschi“ wurde nur mit Milch zubereitet. Als es dann nach Kriegsende – ich weiß nicht ab wann, aber es muss bald gewesen sein, weil mein Onkel das Flaschi noch bekam - wieder Zucker gab und sie sein Flaschi süßte, lehnte er es ab, weil er den Zucker nicht kannte und dessen Geschmack nicht mochte. Mir kam das als Kind in den 70ern wie eine furchtbare Entbehrung vor, dass man keine gezuckerten Sachen essen und trinken konnte, damals gab es noch kein Bewusstsein über die Gefahren von Zucker. Mein Onkel hat mir entsetzlich leidgetan. An diese Worte meiner Großmutter und ihrer älteren Schwester kann ich mich auch noch gut erinnern: „Als die Russen kamen, habe wir jede ein Kind genommen und fest mit beiden Armen an die Brust gedrückt, damit sie uns...
weiterlesenFrauen, Mütter, Kinder Steiermark 24. April 2025
Flucht in die Höhle vorm Reiter auf dem Schimmel
Gertrud Grinschgl, Jahrgang 1936
Meine Mutter ist geflüchtet in eine Höhle im Wald. Die war damals 30 Jahre, also eine fesche junge Frau. Ein Reiter auf einem Schimmel kam und wollte, dass meine Mutter mit ihm geht. Meine Mutter hat sich in diese Höhle geflüchtet und musste sich dann eine ganze Woche jeden Tag verstecken, weil der Reiter ist immer dahergekommen und wollte nur meine Mutter. Wir sind dann geflüchtet nach Pongrazen, ein paar Kilometer weiter am Berg oben, und haben wir in einem Keller gehaust. Den Lebensgefährten meiner Mutter haben sie mitgenommen. In Hartberg wurden damals einige erschossen. Und auch der Lebensgefährte meiner Mutter war darunter. Als der Krieg vorbei war, sind wir zu Fuß ins Dorf hinunter gegangen. Da sah ich ein niedergebranntes Bauernhaus. Und am Galgen sind Leichen gehangen.
weiterlesenFrauen, Mütter, Kinder Steiermark 21. April 2025
Erholungskinder zum Vorzeigen bekamen nur Sterz
Peter Radacsics
Mit Spendengeldern aus Amerika bin ich nach Graz-Liebenau auf Erholung gekommen. Es gab nur Sterz und auf Befehl mussten wir uns in der Sonne liegend vom Bauch auf den Rücken drehen, damit wir schön braun wurden. Zum Vorzeigen, damit die Spender sahen, dass die Kinder braun gebrannt und nicht mehr unterernährt waren.
weiterlesenFrauen, Mütter, Kinder Steiermark 31. März 2025
Russe rettet Mutter mit Kind
Edda Krobath, Jahrgang 1939
Eine Freundin mit Kind wurde von einem Soldaten gerettet, der auf die die Tür geschrieben hat: "Hier liegen Pockenkranke".
weiterlesenFrauen, Mütter, Kinder Steiermark 29. März 2025
Befreier und Vergewaltiger
Judith Beer
wiederholte Gruppenvergewaltigungen in der Steiermark
Meine Mutter, Jahrgang 1922, ihre Geschwister, Eltern und Verwandte lebten zu Kriegsende östlich von Graz – beim Hauenstein, eine wunderschöne Gegend. Anfang Mai 45 – meine Mutter war 23 Jahre alt und hatte ein Neugeborenes – kamen die „Befreier“ ein ukrainisches Regiment der Roten Armee von Osten. Sie blieben vorübergehend in der Gegend, für einige Wochen, wenige Monate und trieben im Chaos des Kriegsendes ihr Unwesen, verübten Verbrechen, über die bis heute viel zu wenig bekannt ist und kaum geredet wird. (Vielleicht auch um darüber weiter schweigen zu können, was die Wehrmacht in Russland mit den Frauen tat?) Der Cousin meiner Mutter berichtete: (meine Mutter schwieg, sie sprach nur mehr „funktional“, war in gewisser Weise sprachlos für den Rest ihres Lebens) Abends klopften die Soldaten an Türen, um Frauen und Mädchen abzuholen. Wurde nicht gleich geöffnet, schossen sie in die Luft, verbreiteten so Angst und Schrecken. Es war ihnen keine zu jung und keine zu alt. Die Ki...
weiterlesenFrauen, Mütter, Kinder Steiermark 24. März 2025
