

"Sie Znaimer Gurkn!", "Sie foaste Nudel!"
Helmut Friedrichsmeier, Jahrgang 1944
Wortgefechte mit den Einquartierten Die Amerikaner waren die ersten Einquartierten bei uns in der Bad Ischler Sommervilla meines verstorbenen Großvaters. Ich hab das spannend gefunden, diese Soldaten in Uniform bei uns zu haben. Meine junge Mutter war auch interessiert am Kontakt. Und das hat meine Großmutter verurteilt: Was werden die Leute sagen! Bald darauf mussten wir eine Flüchtlingsfamilie aus der Brünner Gegend in unserer Villa aufnehmen. Das war natürlich nicht das, was meine Großmutter wollte; die Amerikaner hatten noch einen gewissen Status verliehen. Mich hat es gefreut, weil ich als einen Spielkameraden hatte, während meine Großmutter sich bald mit der Frau dieser Flüchtlingsfamilie verfeindet hat. Meine Großmutter hat immer gesagt: Sie Znaimer Gurkn! Znaim war ja eine Gemüsezucht Gegend. Und die Frau aus Südmähren hat gesagt: Sie foaste Nudel! Meine Großmutter war ja nicht ganz schlank. An solche Wortgefechte kann ich mich erinnern. Die sind dann auch nach einei...
weiterlesenFamiliengeschichten Oberösterreich 21. April 2025
Besatzungsmächte Oberösterreich 9. Mai 2025
Besatzungsmächte Oberösterreich 9. Mai 2025
Als mein Vater fast erschossen wurde
Elfriede Jira
Elfriede Jiras 17jähriger Vater als Deserteur
weiterlesenFluchtgeschichten Oberösterreich 13. Mai 2025
Ankunft in Österreich 1944
Johann Kilianowitsch
Ich erzähle von meiner Kindheit - Heimat und Fluchtgeschichte 1939 - 1947. Aufgeschrieben von Marion Kilianowitsch.
TEIL 2: Am 16. Oktober 1944 kamen wir in Antiesenhofen an und wurden auf der Ladefläche eines Lastwagens nach Obernberg am Inn gebracht. Am Marktplatz in Obernberg warteten schon Frauen auf uns, die uns anzeigten, in das Gasthaus Zöpfl zu gehen. Dort sind wir im Veranstaltungssaal untergebracht worden. Wir bekamen Säcke die aus Papierschnüren gewebt waren und stopften diese mit Stroh aus. Das waren unsere Matratzen. Jeder Erwachsene bekam einen Strohsack, eine dünne Decke und einen Platz zum Schlafen. Ich kann mich nicht erinnern ob ich einen eigenen Strohsack gehabt habe. Aber das war nichts Außergewöhnliches damals es ging allen so. wir waren bis Ende November in diesem Saal untergebracht alle dicht nebeneinander gereiht. Es gab keine Rücksicht auf Intimsphäre. Mein Vater sah sich schon am zweiten Tag nach unserer Ankunft nach Arbeit um. Er begann in einer Schneiderei am Marktplatz an zu arbeiten. Nach ungefähr sechs Wochen bekamen wir eine Zwei-Zimmer-Wohnung in der wir zu ...
weiterlesenFluchtgeschichten Oberösterreich 5. April 2025
Aufpassen, dass sie ihre Neugeborenen mitnehmen
Susanna Goedhart, Jg. 1938
Meine Mutter leitete 1945 in Vertretung die Frauenklinik in Wels. Dort war ein reges Leben von geflüchteten Ärzten, Krankenschwestern, Leuten mit Kindern und natürlich auch Patienten und Frauen auf der Flucht, die dort entbinden konnten. Man musste nur aufpassen, dass sie ihre Kinder mitnahmen. Die Frauen wussten nicht, wie sie die Kinder durchbringen sollten. Was mit den Kindern danach geschehen ist, weiß ich nicht. Nur dass die Mutti immer erzählt hat, wir mussten aufpassen, dass die Kinder nicht einfach zurückgelassen wurden aus Not.
weiterlesenFrauen, Mütter, Kinder Oberösterreich 6. Mai 2025
Aus dem Tagebuch meines Vaters
Irmgard Maislinger
In meiner Kindheit und Jugend wurde nicht über den Krieg gesprochen. Nach dem Tod meiner Eltern, wurde das Tagebuch meines Vaters gefunden, das er während der 5 1/2 Jahre im Krieg geführt hat.
weiterlesenFluchtgeschichten Oberösterreich 24. März 2025
Befreiung Österreichs 1945
Johann Kilianowitsch
Ich erzähle von meiner Kindheit - Heimat und Fluchtgeschichte 1939 - 1947. Aufgeschrieben von Marion Kilianowitsch.
TEIL 3: Am 2. Mai 1945 hörten wir, dass geschossen wurde. Die SSler schossen mit der Flak über den Inn nach Deutschland auf die Amerikaner. Als diese mit ihren schweren Geschützen zurückfeuerten, flüchteten die SSler. In Obernberg war weithin der einzige Übergang über den Inn. In Schärding und Braunau waren die Brücken nicht mehr befahrbar. Am gleichen Tag fuhren die Amerikaner über die Stauwerksbrücke, die nur mit Jeeps befahrbar war, über den Inn nach Österreich. Der Bürgermeister ging mit einigen Leuten und einer weißen Fahne zum Inn hinunter und übergab Obernberg. Als die Amis in den Ort hinauf kamen, waren alle vorsichtig und ängstlich am Marktplatz versammelt. Die Wirtin vom Gasthaus nebenan winkte als erste begeistert mit dem Taschentuch. Ab diesem Zeitpunkt waren die Menschen in Österreich nicht mehr so freundlich und hilfsbereit zu uns Flüchtlingen. Sie änderten ihre Meinung und beschimpften uns als „s’Gfrastleut, Banatergfrast schaut's, dass wieder weiterkommt’s. Warum...
weiterlesenFluchtgeschichten Oberösterreich 5. April 2025
Bei Gesprächen über den Krieg ging mein Vater
Ludwig Blamberger, Jg. 1943
Ich kann mich nur an eines erinnern, dass viele Männer, wenn wir einen Ausflug gemacht haben, dann immer irgendetwas über den Krieg erzählt haben. Und dass mein Vater dann immer aufgestanden und gegangen ist. Also das sind die Eindrücke. Zu Hause hat er nie drüber geredet. Und auch alle Gespräche mit anderen über den Krieg hat er gemieden, wenn die meisten über Kriegserlebnisse, wo sie Helden waren, erzählt haben. Ich habe nur eine Erinnerung, dass er in Kiew war, in der Ukraine und irgendwo am Rande mit diesen Erschießungen zu tun hatte. Ja, ich bin ein absoluter Pazifist. Ich habe das einfach erlebt, was da war und der Verlust. Und ich sehe diese vielen Leute, die gestorben sind. Also für mich war das eine Geschichte, die unvorstellbar ist und ich fühle mich auch in dieser Zeit hier nicht wohl, wo ein Schritt zurück passiert in die Vergangenheit und man sich wieder gegenseitig über Kontinente hinweg anbrüllt, und das ist einfach eine fürchterliche Geschichte.
weiterlesenHeimkehrer Oberösterreich 25. Juni 2025
Berührendes Treffen zweier Familien
Lindorfer Ursula
Unser Onkel Karl Gabriel nahm Flüchtlingsfamilie aus Schlesien (Polen) auf. In seinem Pfarrhof wurde am 15. 4. 1945 das Kind Margarete geboren und getauft.
Frau Martha Staisch kam im Jänner 1945 mit 5 Kindern und schwanger zuerst mit dem Zug und dann von Schärding bis Kopfing zu Fuß (! 21 km) in OÖ an und im Pfarrhof unter. Es gab Schwierigkeiten mit der Unterbringung. Unser Onkel war dort Pfarrer. Er nahm sie auf. In seinem Pfarrhof (genauer im Bischofszimmer!) wurde am 15. 4. 1945 das Kind Margarete geboren und getauft. 1946 kehrte die Familie nach Oppeln zurück und seit 1978 lebt sie in Deutschland. Erst heuer erfuhren wir von der Mitmenschlichkeit unseres Onkels. Heuer feierte Margarete ihren 80. Geburtstag. Ihr Gatte machte ihr ein Geschenk und suchte nach Spuren des Wohltäters. Mit Nichten und Neffen traf sich das Geburtstagskind am 7. Juni 2025 an dessen Grab (Pfarre Rannariedl, Pühret 4143 Neustift) in Österreich.
weiterlesenFluchtgeschichten Oberösterreich 21. Juli 2025
Bevorstehende Rückkehr in die Heimat
Johann Kilianowitsch
Ich erzähle von meiner Kindheit - Heimat und Fluchtgeschichte 1939 - 1947. Aufgeschrieben von Marion Kilianowitsch.
TEIL 4: Im Sommer 1945 erreichte uns die Nachricht, dass wir Flüchtlinge wieder nach Hause dürften. Das war eine Vereinbarung zwischen den Amerikanern und Tito, dem Präsident Jugoslawiens. Wir verließen unsere Einzimmerwohnung, in der wir fast ein Jahr wohnten, und Amerikanische Soldaten brachten uns auf einem Lastwagen von Obernberg nach Ried auf den Güterbahnhof. Dort standen zwei, ungefähr 100 Meter lange Silolager. Beide Hallen waren leer, nur Strohmatratzen lagen am Boden. Wir warteten dort bis endlich ein Zug für unsere Rückreise nach Subotica bereit stand. Endlich war es soweit! Diesmal war es kein Viehwaggon, sondern ein Personenzug. In diesen Zug durften nun die Flüchtlinge aus der ersten Halle einsteigen, dann war der Zug voll. Wir waren traurig und sahen uns sehr Leid, noch nicht in unsere Heimat zurückzukehren und noch länger zu warten. “Gott sei Dank!“ Wir konnten nicht ahnen, dass das ein großes Glück für uns war. Die Mutter mit den zwei Kindern aus unserem Nachbar...
weiterlesenFluchtgeschichten Oberösterreich 5. April 2025
Braunschweiger Wurstradlmomente
Horst Stadler, Jg. 1945
Ich bin im Februar 45 geboren und ab 1955 im Almtal in die Schule gegangen und hab vom Krieg natürlich nichts mehr mitbekommen. Was ich aber mitbekommen habe, ist folgendes: Wir sind in ärmlichen Verhältnissen aufgewachsen. Ich bin aber jeden Tag satt geworden, weil wir haben einen Bauernhof in der Nähe gehabt, wir haben im Bauernhof gewohnt, also, ich hab genug Wasser gehabt und zum Essen, aber: wir haben natürlich ein ganzes Woche kein Fleisch bekommen. Und am Sonntag hat´s ein altes Hendl gegeben, das hat´s am nächsten Sonntag noch einmal gegeben, weil das hat länger gehalten, und am Samstag am Abend hat es etwas gegeben, was einmalig war und zwar hat´s am Abend für uns Kinder a Braunschweiger gegeben, und zwar aufgeschnitten in dünne Radln und die haben wir aufs Brot gelegt. Und da weiß ich heut noch, wie ich damals als kleiner Bub mit der Zunge allweil die Braunschweiger Radln vor mich hingeschoben hab übers Brot, und ganz zum Schluss, wenn das Brot fertig war, hab ich dann di...
weiterlesenVersorgung Oberösterreich 20. Mai 2025
Brave Buben durften Krieg spielen
Ludwig Blamberger, Jg. 1943
Und zwar: Es geht um einen christlichen Kindergarten im Salzkammergut. Ich bin 1943 geboren und 1948 und 49 war ich dort im Kindergarten. Es waren ungefähr 25 Kinder, die Hälfte davon Buben und die Hälfte Mädchen. Und es gab folgende Geschichte: Wenn wir im Kindergarten, wir Buben im Kindergarten sehr brav waren, dann hat die Schwester Belinda selbst und die Kindergärtnerin eine Truhe aufgemacht und in der Truhe war ein Pappmachéhelme in Soldatengrün, und wenn wir brav waren, durften wir damit Krieg spielen.
weiterlesenFrauen, Mütter, Kinder Oberösterreich 25. Juni 2025
Brunnen, Waschschüssel und Nachttopf
Johanna Pindur, Jahrgang 1939
Waschmöglichkeiten, WC, ...
In der Nachkriegszeit lebte ich - Jahrgang 1939 - mit meiner Mutter und mit meinem kleinen Bruder auf einem Gutshof bei Freinberg/Schärding. Es war ein großer Hof mit einem Hühnerzuchtbetrieb. In der Großküche gab es schon Wasseranschluß, in den Zimmern eine große Waschschüssel mit Krug und Nachttopf. Einmal in der Woche war nicht nur in den Zimmern Großreinigung, auch wir Kinder kamen an die Reihe. Neben dem Riesenherd wurde eine flache Zinkwanne aufgestellt, wir mußten uns hineinstellen und wurden mit einem Waschlappen von oben bis unten gewaschen. Es war nicht sehr angenehm. Mein Bruder protestierte heftig und weinte „ich bin froh, wenn ich groß bin, dann muß ich mich nicht mehr waschen – so wie der Onkel Hans“. Schnelle Wäsche wurde damals mit kaltem Wasser beim Brunnentrog erledigt. Ansonsten im Zimmer mit warmen Wasser, das in der Küche vom seitlich eingebauten Wasserbecken geholt wurde. Ich kann mich eigentlich nicht erinnern, daß einer von den vielen Menschen am Ho...
weiterlesenWohnen Oberösterreich 8. November 2025
Fluchtgeschichten Oberösterreich 13. Mai 2025
