Ein paar Ohrstöpsel
Der Maler und Schriftsteller Anselm Glück hat stets Oropax griffbereit - bei sich zuhause, in seiner Werkstatt oder in der Jackentasche. Um zu texten und zu malen begibt sich der Künstler in aller Stille auf den lebenslangen Weg der Selbstfindung.
Der Maler und Schriftsteller Anselm Glück gehört zu jenen Künstlern, die sich in der Öffentlichkeit "rar machen", wie man gemeinhin sagt. Nur selten tritt der in Wien lebende, gebürtige Linzer bei Lesungen in Erscheinung. Am liebsten, so Anselm Glück, lebe und arbeite er in angemessener Entfernung von der Welt.

"Ich hab' grundsätzlich das Gefühl, dass zwischen mir und der Welt eine weitere Strecke ist, als ich's bei anderen Menschen vermute. Man nennt das eigentlich distanziert. Ich lebe eigentlich hauptsächlich schon hinter einer Deckung."
Die "Deckung", von der Anselm Glück spricht, hat einen konkreten Namen. Sein "Fundstück" steht geradezu symbolisch für Abgeschiedenheit - um nicht zu sagen: für Verschlossenheit.

"Mein Gegenstand ist Oropax. Ich nehm' die seit 30, 35 Jahren. Ich glaube, kein Produkt hat mein Leben so erleichtert oder erleichtert jeden Tag mein Leben so oder macht's möglich, dass ich so lebe, wie ich leben will, als die Oropax."
Abschließen und ohne störende Konventionen oder Verpflichtungen in Ruhe arbeiten können - das war für Anselm Glück lange Zeit nicht möglich. Der gelernte Drogist hatte viele Jahre mit finanziellen Durststrecken zu kämpfen, ehe er vom Malen und Schreiben leben konnte. Der ganze Stolz des heute 57-Jährigen ist nun - seit etwa einem Jahrzehnt - seine "Schreib- und Malwerkstatt" in der Wiener Josefstadt.

"Da nehme ich die zwei Wachspfropfen, schmier' mir's rein und ich möchte' übertreiben und sagen: von dem Moment bin ich wieder bei mir."
Text: Christa Eder · 09.02.2007
Hör-Tipp
Tonspuren, Freitag, 9. Februar 2007, 22:15 Uhr