Mit Theaterspielen aufgewachsen
Auslöser für ihre Theaterfaszination war der Vater: Petra Staduan, Jahrgang 1985, seit 2003 Schauspiel-Studentin am Reinhardt Seminar Wien. Das Nachwuchstalent spielt bereits am Theater Dortmund als Gast. Im Jänner 2007 spielte sie in "Suburban Motel".
"Begonnen hat es mit Kindertheater bei der Laientheatergruppe in Friesach. Mein Vater spielte dort bereits längere Zeit - und da wollte ich dann auch mitmachen. Anfänglich waren es Kindervorstellungen wie 'Hänsel und Gretel' oder 'Weihnachtsmärchen'; später durfte ich dann auf der Sommerbühne bereits kleinere Rollen in Nestroy- und Raimund-Stücken spielen. Mit etwa 18 bekam ich meine erste Hauptrolle: die Cecily in Wildes 'Bunbury'.
Der Wunsch, Schauspiel zu machen, war zwar schon immer da, aber nach der Matura war ich nicht ganz sicher, was ich wirklich machen sollte. Da meinte mein Vater: Probiere es am Reinhardt Seminar. Adi Peichl, ein guter Freund von mir, der in Friesach Regie führt, hat mich dann vorbereitet - und es hat sofort geklappt", erzählt Petra Staduan, gebürtige Kärntnerin, Jahrgang 1985, die seit 2003 am Reinhardt Seminar in Wien Schauspiel studiert.

Petra Staduan
Die junge Nachwuchsschauspielerin, die 2007 ihr Studium abgeschlossen hat, meint zu ihren ersten Theatererfahrungen:
"Hätte es die Burghofspiele in Friesach nicht gegeben, wäre ich wahrscheinlich nie zum Schauspiel gekommen. Denn in der Schule gibt es bei uns keinen dramatischen Unterricht wie z. B. in Deutschland. Das ist sehr schade, weil er sehr persönlichkeitsbildend ist."
Rollenunterricht hatte Staduan bisher bei Peter Simonischek, Bernd Birkhahn und seit zwei Semestern nun bei Rosee Riggs. "Meine Lehrer haben mir das nötige Rüstzeug für meinen Beruf mitgegeben. Professor Riggs, die mich sehr unterstützt, hat mich nun sozusagen auch zum Vorsprechen geführt. Und sie gibt mir viel Mut und Kraft."
An Rollen erarbeitet hat sie bisher die Kassandra in Aischylos "Agamemnon", die Julia in Shakespeares "Romeo und Julia", die Rosalinde in "Wie es euch gefällt", die Luise in Schillers "Kabale und Liebe", die Nora in Ibsens "Ein Puppenheim", die Judith in Strindbergs "Totentanz", die Anna in Koltès "Sallinger" sowie die Mitzi in "Jubiläum" von Gerge Tabori.

Petra Staduan als Malika in Jean Genets "Die Wände" (Produktion des Reinhardt Seminars im Schlosstheater Schönbrunn, Regie: Gustav Rueb, 2005).
"Etwas zu wiederholen, was man bei den Proben richtig gemacht - das ist manchmal sehr schwierig. Man muss lernen, es aus dem emotionalen Gedächtnis wieder abrufen zu können. Aber es ist eine Trainingssache", beschreibt Staduan die Schwierigkeiten ihres Berufs.
"Anfänglich habe ich Proben eher als störend empfunden. Da hatte ich die Einstellung: 'Auf d' Nacht, Herr Direktor' - also am Abend, wenn das Publikum da ist, gilt es. Aber inzwischen weiß ich, wie wichtig die Probenzeit ist - und welchen Spaß sie machen kann. Denn mit dem Regisseur und den Kollegen ist man dann quasi eine Familie. Man beginnt sich in Menschen einzufühlen und bekommt so einen anderen Blick für sie - nicht nur am Theater, sondern auch im Alltag."
Zahlreiche praktische Erfahrungen konnte die junge Schauspielerin bis zu ihrem Schauspielstudium bereits im Rahmen der Friesacher Burghofspiele mit Rollen unter anderen von Wilde, Shakespeare, Feydeau und Nestroy sammeln.

Petra Staduan als Checca in Carlo Goldonis "Krach in Chiozza" (Produktion des Reinhardt Seminars im Schlosstheater Schönbrunn, Regie: Alexander Kubelka, 2006).
Am Reinhardt Seminar hat sie bisher die Malika in Genets "Wänden" (Regie: Gustav Rueb, 2005), die Pam in Silvers "Fette Männer im Rock" (Regie: Thorsten Schlenger, 2006) sowie die Checca in Goldonis "Krach in Chiozza" (Regie: Alexander Kubelka, 2006) gespielt.
Am 10. Jänner 2007 hatte Petra Staduan in der Neuen Studiobühne des Reinhardt Seminars in George F. Walkers "Suburban Motel" Premiere, wo sie in der Regie von Thorsten Schlenger die Rolle der Lorrie spielte.

Petra Staduan als Lorrie in George F. Walkers "Suburban Motel" am Reinhardt Seminar (2007): das Personal in den Komödien Walkers, dem populärsten Theaterautor im englischsprachigen Kanada, stellen Großstädter am Rande des Nervenzusammenbruchs.
Und im kommenden April wird sie in Ashmans/Menkens Musical "Der kleine Horrorladen" (Regie: Juergen Maurer) in einer Seminar-Produktion zu sehen sein.
Und 2006 hatte die Jungschauspielerin besonderes Glück: Regisseur Philipp Preuss sah die talentierte Elevin bei einer Hauptprobe zu "Krach in Chiozza" - und engagierte sie für die Rolle der Thea Elvsted für seine Inszenierung von Ibsens "Hedda Gabler", die im September 2006 am Theater Dortmund Premiere hatte und bis April 2007 zu sehen war.

Petra Staduan als Thea Elvsted in "Hedda Gabler" am Theater Dortmund (Regie: Jürgen Preuss, 2006/07): "Es war sehr aufregend, denn erstmals durfte ich mit Profis auf der Bühne stehen."
"Ich wusste damals gar nicht, dass Philipp Preuss bei der Hauptprobe war. Dann meldete sich plötzlich das Theater Dortmund - und ich war als Gast engagiert. Anfänglich konnte ich es gar nicht glauben. Gleich nach der Goldoni-Produktion musste ich dann zu den Proben nach Dortmund. Aber es gab keine Probleme, denn alle waren zuvorkommend und nahmen mich total freundlich auf. Bei der Premiere hatte ich Lampenfieber wie nie davor - aber als ich auf der Bühne stand, war es weg", freut sich Petra Staduan über ihren Erfolg.
"Wenn man mich nach dem Typ besetzt, wäre ich zum Beispiel eine Julia. Das ist eine wunderbare Rolle, die ich auch einmal spielen möchte. Aber interessant wäre es für mich, Charaktere wie Kassandra, Medea oder das Gretchen zu gestalten. Auch die Judith von Strindberg würde mich reizen. Es sind vor allem starke Frauen mit einer brüchigen Persönlichkeit wie die Lorrie in 'Suburban Motel', die ich derzeit probe", stellt Staduan fest.
Ebenso interessiert ist die erfolgreiche Nachwuchsschauspielerin am Medium Film: "Da möchte ich auf jeden Fall hineinschnuppern, weil ich auf diesen Gebieten kaum Erfahrungen habe."
Erste Erfahrungen konnte sie hingegen bereits auf dem Gebiet des Hörspiels sammeln: In Kooperation zwischen Reinhardt Seminar und Ö1 wirkte sie in Raymond Queneaus "Stilübungen", die im August 2006 ausgestrahlt wurden, in der Regie von Harald Krewer mit.
"Es war eine wichtige Erfahrung, in einem Hörspielstudio eine Figur entstehen zu lassen. Das möchte ich auch unbedingt weiter machen", berichtet Staduan.
Wie lauten die Zukunftswünsche der jungen Schauspielerin?
"Ein Engagement an einem guten Theater zu bekommen, dort viel spielen und so die nötigen Erfahrungen sammeln zu können. Und vielleicht auch beim Film tätig zu sein", so Petra Staduan.
Text: Matthias Osiecki · 10.01.2007
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